100 Gründe Warum Ich Dich Liebe Buch
Mal ehrlich, wer hat nicht schon mal überlegt, so ein "100 Gründe Warum Ich Dich Liebe"-Buch zu verschenken? Oder schlimmer noch: eins bekommen? Ich sage es, wie es ist: Ich bin nicht der größte Fan.
Warum? Lasst uns das mal aufdröseln.
Erstens: 100 Gründe? Wirklich? Fällt euch so viel ein? Bei Nummer 73 wird's doch langsam kreativ. "Du atmest?" Ist das nicht etwas...naja, grundlegend?
Der Druck ist real.
Man muss sich ja richtig Mühe geben! Sonst klingt alles gleich. "Du bist toll." "Du bist super." "Du bist...fantastisch!" Nach dem zehnten Mal "toll" denkt man sich: Okay, ich hab's verstanden.
Zweitens: Die Kitsch-Gefahr ist immens. Wir wollen doch niemanden zu Tode schmachten lassen, oder? Ein bisschen Romantik ist schön, aber bitte nicht mit der Kelle.
"Deine Augen sind wie ein Ozean voller Liebe..."
Ähm...okay. Vielleicht doch lieber ein schlichtes "Deine Augen sind hübsch"?
Der Vergleich mit anderen Paaren.
Man sieht diese Bücher und denkt: "Muss ich das jetzt auch machen?" Die Antwort ist: Nein! Liebe ist individuell. Man muss nicht jeden Trend mitmachen.
Drittens: Die Praktikabilität. Wann liest man das denn? Während der Arbeit? Beim Zähneputzen? Es liegt dann doch nur im Regal und staubt ein.
Okay, fair enough, vielleicht blättert man ab und zu drin. Aber sind wir ehrlich: Nach einer Woche kennt man eh schon alle Gründe auswendig.
Alternativen, die nicht so anstrengend sind!
Statt 100 Gründe aufzuschreiben, wie wäre es mit...
Einem gemeinsamen Erlebnis?
Ein Konzert, ein Wochenendausflug, ein Kochkurs. Das schafft Erinnerungen und ist viel persönlicher als ein Buch.
Einem handgeschriebenen Brief?
Weniger ist manchmal mehr. Ein paar liebe Worte, die von Herzen kommen, sind unbezahlbar.
Einem selbstgemachten Geschenk?
Etwas, das zeigt, dass man sich Gedanken gemacht hat. Ein Fotoalbum, ein gestrickter Schal, ein gemaltes Bild. Das zählt mehr als jedes gekaufte Buch.
Viertens: Die Erwartungen. Was, wenn man nicht alle 100 Gründe erfüllt? Fühlt sich der/die Beschenkte dann schlecht? "Oh, ich bin wohl doch nicht so toll, wie ich dachte." Das wollen wir doch nicht!
Fünftens: Der Aufwand. Man muss sich ja wirklich hinsetzen und nachdenken. Und schreiben. Und dann das Ganze auch noch schön gestalten. Wer hat dafür schon Zeit?
Sechstens: Die Peinlichkeit. Was, wenn jemand das Buch findet und liest? Fremdscham pur! Man will ja nicht, dass die ganze Welt weiß, warum man jemanden liebt.
Siebtens: Die Wiederholungsgefahr. Nach dem ersten Buch kommt das zweite. Und das dritte. Irgendwann hat man alle möglichen Gründe durch. Dann wird's wirklich schwierig.
Achtens: Die Einfallslosigkeit. Es wirkt halt schon so, als ob man einfach nur einen Trend mitmacht. Wo bleibt die Kreativität?
Neuntens: Die Verletzlichkeit. Man legt sein Herz offen und zeigt seine Gefühle. Was, wenn das Ganze nicht so gut ankommt? Das ist schon ein Risiko.
Zehntens: Die Unaufrichtigkeit. Manchmal schreibt man Dinge, die man eigentlich gar nicht so meint. Nur, um das Buch vollzukriegen. Das ist doch nicht Sinn der Sache.
Fazit:
Versteht mich nicht falsch. Ich finde es toll, wenn man seine Liebe zeigt. Aber vielleicht auf eine andere Art und Weise. Eine, die authentischer, persönlicher und weniger... kitschig ist. Und vielleicht nicht gleich 100 Gründe, sondern einfach nur ein paar schöne Momente zusammen. Das ist doch viel mehr wert.
Also, lasst uns die "100 Gründe Warum Ich Dich Liebe"-Bücher im Regal stehen lassen und lieber gemeinsam etwas Schönes erleben. Was meint ihr?
