1950 Population Registration Act
Stell dir vor, du gehst morgens zum Bäcker. Alles wie immer, du bestellst dein Brötchen, bezahlst. Aber plötzlich fragt dich der Bäcker: "Entschuldige, aber was bist du eigentlich?" Keine Sorge, er will dich nicht beleidigen. Er versucht nur, dich in eine von vier Schubladen zu stecken. So ähnlich war das in Südafrika in den 1950ern, dank eines Gesetzes namens Population Registration Act. Nur, dass es da nicht um Brötchen ging, sondern um dein ganzes Leben.
Die Schubladen der Nation
Das Gesetz, verabschiedet im Jahr 1950, war im Grunde eine Art Volkszählung mit einem fiesen Twist. Es teilte die gesamte Bevölkerung in vier Hauptgruppen ein: Weiße, Schwarze (Afrikaner), Coloureds (Menschen gemischter Abstammung) und Inder (Asiaten). Klingt erstmal nicht so wild, oder? Aber diese Einteilung war der Grundstein für die Apartheid, die strikte Rassentrennung. Und wie diese Einteilung erfolgte, das war oft haarsträubend.
Wer gehört wohin?
Die Sache war nämlich die: Wo genau ziehst du die Linie? War jemand "genug" weiß, um als weiß durchzugehen? Oder "genug" schwarz? Es gab keine klare, wissenschaftliche Grundlage. Oft entschieden Beamte anhand von Aussehen, Sprache, sozialen Kontakten – und manchmal einfach nach Bauchgefühl. Stell dir vor, du stehst vor einem Beamten, der dich mustert wie ein Pferd auf dem Markt und dann sagt: "Du gehörst jetzt hierhin."
Es gab Geschichten von Familien, die auseinandergerissen wurden, weil die Hautfarbe der Kinder leicht unterschiedlich war. Ein Kind wurde als "Coloured" eingestuft, das andere als "Black". Geschwister, die plötzlich nicht mehr die gleichen Schulen besuchen durften, nicht mehr im selben Stadtteil wohnen durften. Das war kein Witz, das war bittere Realität.
Der Bleistifttest und andere Absurditäten
Besonders skurril waren die "Tests", die manchmal angewendet wurden. Einer davon war der berüchtigte Bleistifttest. Dabei wurde ein Bleistift in die Haare gesteckt. Fiel er heraus, galt man als weiß. Blieb er stecken, naja, dann eben nicht. Ernsthaft! Ob der Bleistift gerade Lust hatte rauszufallen, spielte dabei natürlich keine Rolle.
Es gab auch den "Seifentest". Wurde die Haut nach dem Waschen mit Seife heller, war das ein Zeichen für weiße Vorfahren. Logisch, oder? Na ja, nicht wirklich. Aber Logik war bei der Apartheid ohnehin Mangelware.
Und dann gab es noch die "Kaffeetassen-Logik". Wenn du bei einer Tasse Kaffee mit Milch die Milch zuerst einschenktest, galt das als Zeichen für europäische Kultur. Gossen du zuerst den Kaffee ein, war das ein Zeichen für afrikanische Kultur. Wer hat sich das bloß ausgedacht?
Es ist leicht, darüber zu lachen. Aber hinter diesen absurden "Tests" steckte ein zutiefst ungerechtes System, das das Leben von Millionen Menschen zerstört hat.
Eine Frage des Überlebens
Manchmal ging es bei der Einstufung auch ums nackte Überleben. Für Schwarze bedeutete die Einstufung in der Regel Armut, Diskriminierung und eingeschränkte Rechte. Für Coloureds gab es oft mehr Möglichkeiten, aber immer noch weniger als für Weiße. Viele Menschen versuchten, ihre Einstufung zu ändern, um ein besseres Leben für sich und ihre Familie zu ermöglichen. Das war oft ein langer, demütigender Kampf.
Es gab Fälle, in denen Menschen sich sogar plastisch-chirurgischen Eingriffen unterzogen, um ihre Nase zu verschmälern oder ihre Haare zu glätten, nur um als weiß durchzugehen. Die Verzweiflung war groß.
Natürlich gab es auch Widerstand. Menschen kämpften gegen das System, versteckten Familienmitglieder, halfen anderen, ihre Einstufung zu ändern oder einfach nur, um zu überleben. Diese Geschichten von Mut und Solidarität sind ein wichtiger Teil der südafrikanischen Geschichte.
Das Ende eines Albtraums
Zum Glück ist die Apartheid Geschichte. Der Population Registration Act wurde 1991 abgeschafft, und Südafrika hat seitdem große Fortschritte auf dem Weg zu einer gerechteren Gesellschaft gemacht. Aber die Narben der Apartheid sind noch immer sichtbar.
Die Geschichte des Population Registration Act ist eine Mahnung, wie schnell Ideologien zu unmenschlichen Gesetzen führen können. Es ist eine Geschichte über Rassismus, Diskriminierung und die Absurdität, Menschen in Schubladen zu stecken. Aber es ist auch eine Geschichte über Widerstand, Mut und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Denk beim nächsten Bäckerbesuch daran: Wir sind alle mehr als nur eine Schublade. Und ein Bleistift sollte in erster Linie zum Schreiben und Zeichnen da sein – und nicht, um über die Hautfarbe zu urteilen.
