2 5 Km In Schritten
Ich liebe es zu laufen. Wirklich. Ich weiss, das sagen viele, aber ich liebe es. Nicht so "Ich-muss-Sport-machen-und-hasse-es-aber-es-ist-gut-für-mich" -Liebe. Sondern so eine echte, "Ich-könnte-den-ganzen-Tag-durch-Wälder-rennen"-Liebe. Und meine Lieblingsdistanz? Fünf Kilometer. Einfach perfekt.
Der erste Kilometer: Die Qual der Wahl
Der erste Kilometer ist immer der schwerste. Warum? Weil ich mich noch nicht entschieden habe, welche Geschichte ich mir selbst erzählen will. Werde ich heute die Athletin, die ihre persönliche Bestzeit pulverisiert? Oder die meditative Wanderin, die sich an den Wolken erfreut? Vielleicht auch die gestresste Multitaskerin, die währenddessen ihre Einkaufsliste plant und fünf E-Mails im Kopf beantwortet?
Meistens entscheide ich mich für eine Mischung aus allem. Die ersten hundert Meter sind immer der Selbstbetrug: "Klar, heute laufe ich locker! Entspannt!" Dann kommt der erste Anstieg und ich bin plötzlich die verbissene Wettkämpferin, die unbedingt diesen Hügel bezwingen muss. Und nach dem Hügel? Dann bin ich die meditative Wanderin, die völlig erschöpft nach Luft schnappt und sich denkt: "Wow, sind die Bäume heute aber schön grün!"
Und dann, irgendwo zwischen dem ersten und zweiten Kilometer, kommt sie: Die Erkenntnis, dass ich meine Schnürsenkel zu fest gebunden habe. Oder dass meine Socken rutschen. Oder dass diese eine verdammte Mücke mich seit fünf Minuten verfolgt. Die kleinen Dramen des Lebens, verpackt in 5 Kilometer.
Kilometer zwei und drei: Der Rhythmus findet mich
Irgendwann, meistens so bei Kilometer zwei, gibt mein Gehirn endlich Ruhe. Die Mücke ist weg (oder ich habe sie in meinen Haaren verloren), die Socken sitzen halbwegs und ich finde meinen Rhythmus. Nicht unbedingt einen eleganten, grazilen Rhythmus. Eher so ein stoisches "Hauptsache vorwärts"-Gestolper. Aber hey, ein Rhythmus ist ein Rhythmus.
Das ist die Zeit, in der meine Gedanken schweifen. Ich plane Weltreisen, schreibe Drehbücher, löse Welthunger (in der Theorie, versteht sich). Oder ich beobachte einfach die Welt um mich herum. Kinder, die mit ihren Hunden spielen, ältere Damen, die sich über Klatsch und Tratsch austauschen, Eichhörnchen, die versuchen, Nüsse zu vergraben. Das ganz normale Leben, in all seiner Schönheit und Absurdität.
Manchmal treffe ich auf andere Läufer. Wir nicken uns kurz zu, ein stummer Gruß unter Gleichgesinnten. Wir wissen: Wir sind alle ein bisschen verrückt, aber wir sind alle hier. Und das verbindet.
"Laufen ist wie eine Therapie, nur ohne Couch und mit viel mehr Schweiss."
Kilometer vier: Die Ziellinie in Sicht...oder auch nicht
Kilometer vier. Der Kilometer, der sich anfühlt wie fünf. Die Beine werden schwer, die Atmung geht schwerer. Ich beginne, die Ziellinie herbeizusehnen. Ich rechne: "Noch ein Kilometer! Das sind nur noch zehn Minuten! Oder zwölf! Okay, vielleicht auch fünfzehn..."
Manchmal werde ich von einer Welle der Selbstzweifel überrollt. "Warum mache ich das überhaupt? Warum quäle ich mich so? Ich könnte jetzt auch auf der Couch liegen und Pizza essen!" Aber dann erinnere ich mich an das Gefühl, die Ziellinie zu überqueren. An die Endorphine, die durch meinen Körper schiessen. An das Gefühl, etwas geschafft zu haben. Und ich laufe weiter.
Hier passiert oft das Unvorhergesehene. Ein plötzlicher Regenschauer, ein bellender Hund, eine Wurzel, über die man stolpert (aber nicht hinfällt!). Das Leben testet mich. Es will sehen, ob ich wirklich durchhalte.
Der fünfte Kilometer: Der Triumph...oder der Zusammenbruch
Der fünfte Kilometer. Die Ziellinie ist in Sicht! Oder zumindest in meiner Fantasie. In Wirklichkeit ist sie wahrscheinlich noch ein paar hundert Meter entfernt, aber das ist egal. Ich mobilisiere meine letzten Kräfte. Ich gebe alles.
Manchmal ist der fünfte Kilometer ein Triumph. Ich fliege förmlich über die Ziellinie, voller Energie und Adrenalin. Manchmal ist er ein Zusammenbruch. Ich schleiche mich, keuchend und schwitzend, ins Ziel. Aber egal wie, ich erreiche es. Ich habe es geschafft. Fünf Kilometer. Geschafft!
Und dann? Dann dehne ich mich (meistens nur halbherzig), trinke Wasser und fühle mich einfach nur gut. Müde, aber gut. Stolz, aber demütig. Und bereit für die nächste Herausforderung. Denn das ist das Schöne am Laufen: Es ist ein ständiger Kreislauf aus Anstrengung und Belohnung. Und das Leben, das ist auch nicht anders.
Also, raus mit euch! Lauft! Entdeckt eure eigenen fünf Kilometer. Vielleicht findet ihr ja auch eure Liebe zum Laufen. Oder zumindest eine gute Geschichte.
