3 Phasen Der Französischen Revolution
Die Französische Revolution, ein Wendepunkt in der europäischen Geschichte, erstreckte sich von 1789 bis 1799 und veränderte Frankreich grundlegend. Oftmals wird sie in drei Hauptphasen unterteilt, jede mit ihren eigenen charakteristischen Ereignissen, politischen Akteuren und Zielen. Diese Phasen sind wichtig, um die komplexen Entwicklungen und den Verlauf dieser turbulenten Zeit zu verstehen.
Phase 1: Die Liberale Phase (1789-1792)
Die erste Phase der Revolution, oft als die liberale Phase bezeichnet, war geprägt von dem Wunsch nach einer konstitutionellen Monarchie und der Abschaffung des Feudalsystems. Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789, ein Symbol der königlichen Autorität, markierte den Beginn dieser Phase und signalisierte den Aufstand des Volkes gegen die absolutistische Herrschaft Ludwigs XVI.
Die Nationalversammlung und die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte
Nach dem Sturm auf die Bastille bildete sich die Nationalversammlung, bestehend aus Vertretern des Dritten Standes (Bürgertum und Bauern), die sich zum Ziel setzte, eine neue Verfassung für Frankreich zu erarbeiten. Am 4. August 1789 beschloss die Nationalversammlung die Abschaffung der Feudalrechte, was eine grundlegende Veränderung der sozialen und wirtschaftlichen Strukturen des Landes bedeutete.
Ein weiteres bedeutendes Ereignis dieser Phase war die Verabschiedung der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte am 26. August 1789. Inspiriert von den Ideen der Aufklärung, garantierte diese Erklärung grundlegende Rechte und Freiheiten wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, das Recht auf Eigentum, Sicherheit und Widerstand gegen Unterdrückung. Sie diente als Grundlage für die neue Verfassung und beeinflusste die Entwicklung der Menschenrechte weltweit.
Die Nationalversammlung verstaatlichte auch Kirchengüter, um die Staatsfinanzen zu sanieren, und führte die Zivilverfassung des Klerus ein, die Geistliche zu Staatsbeamten machte und sie verpflichtete, einen Eid auf die Verfassung zu leisten. Dies führte zu einer Spaltung innerhalb der Kirche und trug zur wachsenden Unzufriedenheit vieler Gläubiger bei.
Die Konstitutionelle Monarchie (1791)
Im September 1791 wurde die neue Verfassung verabschiedet, die Frankreich in eine konstitutionelle Monarchie umwandelte. Ludwig XVI. blieb zwar König, aber seine Macht wurde durch die Nationalversammlung (nun Legislative genannt) eingeschränkt. Die Legislative bestand aus Abgeordneten, die durch ein Zensuswahlrecht gewählt wurden, was bedeutete, dass nur Bürger mit einem bestimmten Einkommen wählen durften. Dies führte zu Kritik, da viele Menschen weiterhin von der politischen Teilhabe ausgeschlossen waren.
Trotz der neuen Verfassung blieb die Situation in Frankreich angespannt. Wirtschaftliche Probleme, politische Intrigen und die Weigerung Ludwigs XVI., die Revolution vorbehaltlos zu akzeptieren, trugen zur Instabilität bei. Die Flucht des Königs und seiner Familie im Juni 1791 nach Varennes, mit dem Ziel, sich mit loyalen Truppen zu verbünden und die Revolution rückgängig zu machen, scheiterte und untergrub das Vertrauen in die Monarchie weiter.
Phase 2: Die Radikale Phase (1792-1794)
Die zweite Phase der Revolution, die radikale Phase, war durch zunehmende Gewalt, politische Polarisierung und die Einführung der Republik gekennzeichnet. Der Sturm auf die Tuilerien im August 1792, die Residenz des Königs, markierte das Ende der konstitutionellen Monarchie und den Beginn einer neuen Ära.
Die Abschaffung der Monarchie und die Ausrufung der Republik
Nach dem Sturm auf die Tuilerien wurde Ludwig XVI. suspendiert und eine Nationalkonvent einberufen, um eine neue Verfassung auszuarbeiten. Am 21. September 1792 schaffte der Nationalkonvent die Monarchie ab und rief die Republik aus. Ludwig XVI. wurde im Januar 1793 wegen Hochverrats verurteilt und hingerichtet, was eine neue Eskalation der Revolution bedeutete.
Die Schreckensherrschaft (La Terreur)
In dieser Zeit übernahm der Wohlfahrtsausschuss unter der Führung von Maximilien Robespierre die Macht. Um die Revolution vor inneren und äußeren Feinden zu schützen, errichtete der Wohlfahrtsausschuss ein Regime der Schreckensherrschaft (La Terreur). Tausende von Menschen, die als Gegner der Revolution galten, wurden verhaftet, vor Revolutionstribunale gestellt und hingerichtet. Die Guillotine, die "Nationalrasierklinge", wurde zum Symbol dieser Zeit.
Die Schreckensherrschaft richtete sich nicht nur gegen Aristokraten und Royalisten, sondern auch gegen gemäßigte Revolutionäre und sogar gegen ehemalige Verbündete. Die Gesetzgebung des Verdachts ermöglichte es, jeden zu verhaften und zu verurteilen, der als verdächtig galt, die Revolution zu verraten. Die Zahl der Todesurteile stieg rapide an, und die politische Atmosphäre war von Angst und Misstrauen geprägt.
Neben der inneren Repression führte Frankreich in dieser Phase auch Krieg gegen eine Koalition europäischer Mächte, die die Revolution bekämpfen wollten. Die Levée en masse, die allgemeine Wehrpflicht, ermöglichte es Frankreich, eine große Armee aufzustellen und Erfolge auf dem Schlachtfeld zu erzielen.
Das Ende der Schreckensherrschaft und der Sturz Robespierres
Die zunehmende Willkür und Brutalität der Schreckensherrschaft führte zu wachsendem Widerstand innerhalb des Nationalkonvents. Am 27. Juli 1794 (9. Thermidor II nach dem Revolutionskalender) wurde Robespierre gestürzt und am folgenden Tag hingerichtet. Sein Sturz markierte das Ende der Schreckensherrschaft und den Beginn einer neuen Phase der Revolution, die als Thermidor-Reaktion bezeichnet wird.
Phase 3: Die Direktoriumszeit (1795-1799)
Die dritte Phase der Revolution, die Direktoriumszeit, war geprägt von dem Versuch, eine stabile Regierung zu etablieren und die Errungenschaften der Revolution zu konsolidieren. Nach dem Sturz Robespierres wurde eine neue Verfassung verabschiedet, die das Direktorium als Exekutive vorsah.
Das Direktorium und seine Herausforderungen
Das Direktorium bestand aus fünf Direktoren, die vom Rat der Alten (einer der beiden Kammern des Parlaments) gewählt wurden. Die Regierung des Direktoriums war jedoch von Korruption, politischer Instabilität und wirtschaftlichen Problemen geplagt. Innere Unruhen und äußere Bedrohungen durch europäische Mächte belasteten die Regierung zusätzlich.
Trotz dieser Herausforderungen gelang es dem Direktorium, einige Erfolge zu erzielen. Die französischen Armeen unter der Führung von Generälen wie Napoleon Bonaparte errangen Siege in Europa und trugen zur Ausweitung des französischen Einflusses bei. Auch im Inneren wurden einige Reformen durchgeführt, um die Wirtschaft zu stabilisieren und das Bildungswesen zu fördern.
Der Aufstieg Napoleons und das Ende der Revolution
Die Schwäche des Direktoriums und die wachsende Popularität von Napoleon Bonaparte führten schließlich zu dessen Sturz. Am 9. November 1799 (18. Brumaire VIII nach dem Revolutionskalender) putschte Napoleon und übernahm die Macht. Er errichtete das Konsulat, eine neue Regierungsform, in der er als Erster Konsul die entscheidende Rolle spielte.
Der Staatsstreich Napoleons markierte das Ende der Französischen Revolution. Napoleon konsolidierte die Errungenschaften der Revolution, wie die Gleichheit vor dem Gesetz und die Abschaffung des Feudalsystems, führte aber gleichzeitig eine autoritäre Herrschaft ein. Seine Herrschaft prägte die weitere Entwicklung Frankreichs und Europas im 19. Jahrhundert.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Französische Revolution ein komplexer und vielschichtiger Prozess war, der in drei Hauptphasen unterteilt werden kann: die liberale Phase, die radikale Phase und die Direktoriumszeit. Jede Phase war durch unterschiedliche Ziele, politische Akteure und Ereignisse gekennzeichnet. Die Revolution hatte tiefgreifende Auswirkungen auf Frankreich und Europa und trug zur Verbreitung liberaler Ideen, zur Abschaffung des Feudalsystems und zur Entstehung des modernen Nationalstaates bei. Obwohl die Revolution mit dem Aufstieg Napoleons endete, blieben ihre Ideale und Errungenschaften von bleibender Bedeutung.
