5 Axiome Watzlawick Einfach Erklärt
Die 5 Axiome der Kommunikation nach Watzlawick – Einfach Erklärt
Paul Watzlawick, ein österreichisch-amerikanischer Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeut und Soziologe, hat mit seinen fünf Axiomen der Kommunikation grundlegende Erkenntnisse über die menschliche Interaktion formuliert. Diese Axiome beschreiben universelle Eigenschaften von Kommunikation und helfen uns, Kommunikationsprozesse besser zu verstehen und Missverständnisse zu vermeiden. Sie sind besonders relevant im Alltag, im Berufsleben und in interkulturellen Kontexten.
Axiom 1: Man kann nicht nicht kommunizieren.
Dieses erste Axiom ist das vielleicht bekannteste und grundlegendste. Es besagt, dass jede Verhaltensweise in einer sozialen Situation eine Mitteilung darstellt. Selbst Schweigen, Wegschauen oder Inaktivität senden Botschaften aus. Wir kommunizieren also ständig, ob wir es wollen oder nicht. Es ist unmöglich, sich der Kommunikation zu entziehen, solange man sich in Anwesenheit anderer befindet.
Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Meeting und äußern sich nicht. Ihre Körpersprache (z.B. ein gelangweilter Blick, verschränkte Arme) kommuniziert trotzdem etwas – möglicherweise Desinteresse, Ablehnung oder Zustimmung. Auch wenn Sie sich bewusst zurückhalten, wird Ihre Abwesenheit von Beiträgen von anderen interpretiert.
Konsequenzen: Die Erkenntnis dieses Axioms ist wichtig, um sich der eigenen nonverbalen Kommunikation bewusst zu werden und zu verstehen, wie andere unser Verhalten interpretieren könnten. Es hilft auch, die Verantwortung für die eigene Kommunikation zu übernehmen. Wir können uns nicht darauf berufen, "nichts gesagt" zu haben, denn auch Nicht-Sagen ist eine Form der Kommunikation.
Axiom 2: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei Letzterer den Ersteren bestimmt.
Dieses Axiom besagt, dass jede Kommunikation zwei Ebenen hat: die Inhaltsebene (was gesagt wird) und die Beziehungsebene (wie es gesagt wird und wie die Beziehung zwischen den Kommunikationspartnern ist). Die Beziehungsebene bestimmt, wie der Inhalt verstanden wird. Sie gibt Aufschluss darüber, wie der Sender den Empfänger sieht und welche Art von Beziehung sie zueinander haben. Die Beziehungsebene wird oft nonverbal ausgedrückt – durch Tonfall, Körpersprache, Mimik und Gestik.
Beispiel: Stellen Sie sich vor, ein Vorgesetzter sagt zu einem Mitarbeiter: "Dieser Bericht ist gut." Wenn der Vorgesetzte dies mit einem wohlwollenden Lächeln und anerkennendem Tonfall sagt, wird der Mitarbeiter dies als echtes Lob auffassen. Sagt der Vorgesetzte den gleichen Satz aber mit einem ironischen Unterton und gerunzelter Stirn, wird der Mitarbeiter wahrscheinlich an der Aufrichtigkeit des Lobes zweifeln und sich möglicherweise kritisiert fühlen.
Konsequenzen: Missverständnisse entstehen oft dadurch, dass die Beziehungsebene falsch interpretiert wird. Es ist wichtig, sich sowohl des Inhalts als auch der Beziehungsaspekte der Kommunikation bewusst zu sein und zu versuchen, diese explizit zu machen, um Missverständnisse zu vermeiden. Im professionellen Umfeld kann dies beispielsweise durch regelmäßiges Feedback oder Team-Meetings geschehen, in denen die Beziehungsebene angesprochen wird.
Axiom 3: Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bestimmt.
Dieses Axiom beschreibt, wie Kommunikationspartner die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge in ihren Interaktionen unterschiedlich interpretieren. Jeder Partner setzt seine eigene "Interpunktion" – d.h., er legt fest, wo ein Kommunikationsablauf beginnt und wo er endet. Diese unterschiedliche Interpunktion kann zu endlosen Teufelskreisen führen.
Beispiel: Ein klassisches Beispiel ist das Muster "Die Frau nörgelt, weil der Mann sich zurückzieht – der Mann zieht sich zurück, weil die Frau nörgelt." Die Frau sieht das Nörgeln als Reaktion auf den Rückzug des Mannes, während der Mann den Rückzug als Reaktion auf das Nörgeln der Frau sieht. Beide Partner sehen sich als Reaktion auf das Verhalten des anderen, anstatt das Verhalten des anderen als Reaktion auf ihr eigenes Verhalten zu sehen.
Konsequenzen: Um aus solchen Teufelskreisen auszubrechen, ist es wichtig, die Perspektive des anderen zu verstehen und die eigene Interpunktion zu hinterfragen. Metakommunikation (d.h. über die Kommunikation selbst sprechen) kann helfen, die unterschiedlichen Interpunktionen zu erkennen und zu bearbeiten.
Axiom 4: Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten.
Dieses Axiom unterscheidet zwischen digitaler und analoger Kommunikation. Digitale Kommunikation ist verbal und basiert auf konventionellen Zeichen, die eine klare Bedeutung haben (z.B. Wörter). Analoge Kommunikation ist hauptsächlich nonverbal und beinhaltet Körpersprache, Mimik, Gestik, Tonfall und andere nonverbale Signale. Analoge Kommunikation ist oft vieldeutig und interpretationsbedürftig.
Beispiel: Wenn Sie jemandem sagen: "Ich bin glücklich", ist das digitale Kommunikation. Ihr Gesichtsausdruck, Ihre Körperhaltung und Ihr Tonfall (z.B. ein Lächeln, eine aufrechte Haltung, ein fröhlicher Tonfall) verstärken oder schwächen die verbale Botschaft und sind Beispiele für analoge Kommunikation.
Konsequenzen: Digitale Kommunikation ist gut geeignet, um komplexe Sachverhalte präzise zu vermitteln. Analoge Kommunikation ist wichtig, um Emotionen und Beziehungen auszudrücken. Missverständnisse entstehen oft, wenn digitale und analoge Botschaften nicht übereinstimmen (z.B. wenn jemand sagt, er sei nicht wütend, aber einen wütenden Gesichtsausdruck hat). In solchen Fällen wird der analogen Botschaft oft mehr Glauben geschenkt.
Axiom 5: Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär.
Dieses Axiom beschreibt zwei grundlegende Muster in zwischenmenschlichen Beziehungen: symmetrische und komplementäre Beziehungen. In einer symmetrischen Beziehung streben die Partner nach Gleichheit und minimieren Unterschiede. In einer komplementären Beziehung ergänzen sich die Partner; einer nimmt eine übergeordnete (z.B. dominante), der andere eine untergeordnete (z.B. unterwürfige) Position ein.
Beispiel: Zwei gleichberechtigte Geschäftspartner, die Entscheidungen gemeinsam treffen und ihre Meinungen gleichwertig einbringen, pflegen eine symmetrische Beziehung. Ein Vorgesetzter, der Anweisungen gibt, und ein Mitarbeiter, der diese ausführt, befinden sich in einer komplementären Beziehung. Ein Arzt und ein Patient haben ebenfalls eine komplementäre Beziehung.
Konsequenzen: Sowohl symmetrische als auch komplementäre Beziehungen können funktionieren, aber es ist wichtig, dass beide Partner mit dem jeweiligen Muster einverstanden sind. Probleme entstehen, wenn das Beziehungsmuster unflexibel ist oder wenn ein Partner das Muster ändern möchte, der andere aber nicht. Eine eskalierende symmetrische Beziehung (z.B. ein Wettstreit) kann zu Konflikten führen, ebenso wie eine starre komplementäre Beziehung, in der ein Partner sich unterdrückt fühlt.
Zusammenfassend lassen sich die 5 Axiome von Watzlawick wie folgt darstellen:
1. Man kann nicht nicht kommunizieren.
2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei Letzterer den Ersteren bestimmt.
3. Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bestimmt.
4. Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten.
5. Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär.
Das Verständnis dieser Axiome kann Ihnen helfen, Ihre eigene Kommunikation zu verbessern, Missverständnisse zu vermeiden und erfolgreichere Beziehungen aufzubauen, sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich. Insbesondere in einem neuen kulturellen Umfeld ist es wichtig, sich der subtilen Nuancen der Kommunikation bewusst zu sein, um effektiv und respektvoll mit anderen zu interagieren.
