5 Axiome Watzlawick übungen
Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr versucht, nicht an einen rosa Elefanten zu denken? Je mehr ihr euch bemüht, desto präsenter ist er in eurer Vorstellung, mit seinen riesigen Ohren und dem fröhlichen Rüssel. Genau das ist die Art von paradoxen Situationen, mit denen sich Paul Watzlawick, ein berühmter Kommunikationswissenschaftler, beschäftigt hat.
Übung 1: Sei spontan! Aber... warte mal!
Watzlawick liebte es, uns mit der Nase auf die Schwierigkeit zu stoßen, etwas zu erzwingen, das eigentlich natürlich sein sollte. Probiert mal Folgendes: Versucht, eine Stunde lang total spontan zu sein. Also, wirklich komplett unvorhersehbar! Ihr werdet schnell merken: Der Versuch, spontan zu sein, macht die Spontaneität zunichte! Es ist, als würde man einem Schmetterling befehlen, auf der Hand zu landen. Das Ergebnis? Er fliegt weg!
Was Watzlawick uns damit zeigen wollte: Manchmal ist der beste Weg, etwas zu erreichen, es eben nicht zu erzwingen. Lasst die Dinge einfach geschehen. Es ist wie beim Einschlafen: Je mehr man sich anstrengt, wach zu bleiben (oder eben einzuschlafen!), desto schwieriger wird es.
Übung 2: Das Spiel mit der doppelten Bindung
Stellt euch vor, eure Oma sagt: "Sei doch mal spontan und ruf mich an!" Im ersten Moment freut man sich über die Aufforderung. Aber dann merkt man: Egal, was man tut, es ist falsch! Ruft man an, war es ja nicht spontan, weil Oma es gesagt hat. Ruft man nicht an, ist man unhöflich. Das ist eine "doppelte Bindung", eine Situation, in der man durch widersprüchliche Botschaften in eine Zwickmühle gerät.
Macht das mal bewusst: Beobachtet, ob ihr solche doppelten Botschaften im Alltag findet. Zum Beispiel, wenn euer Chef sagt: "Ich will, dass ihr kreativ seid, aber haltet euch unbedingt an die Regeln!" Oder wenn ein Elternteil sagt: "Du musst dich selbst verwirklichen, aber vergiss nicht, was wir dir beigebracht haben!"
Der Witz daran: Diese Situationen sind oft unfreiwillig komisch und können zu Stress führen. Wenn ihr eine solche Situation erkennt, versucht, sie zu benennen. Sagt zum Beispiel: "Ich verstehe, dass Sie beides wollen, aber es fühlt sich an, als würde ich mich entscheiden müssen." Das kann die Situation schon entschärfen.
Übung 3: Mehr desselben!
Ein Klassiker von Watzlawick: Manchmal versuchen wir, Probleme zu lösen, indem wir genau das tun, was das Problem erst verursacht hat. Kennt ihr das? Jemand hat Angst vor Hunden und versucht, seine Angst zu bekämpfen, indem er sich noch mehr mit Hunden beschäftigt – vielleicht sogar einen anschafft! Klingt paradox, ist aber oft die Realität.
Die Übung: Überlegt, welche Probleme ihr in eurem Leben habt, die ihr möglicherweise durch "mehr desselben" verschlimmert. Vielleicht versucht ihr, eure Beziehung zu retten, indem ihr noch mehr kontrolliert. Oder ihr versucht, eure finanzielle Situation zu verbessern, indem ihr noch mehr arbeitet und euch damit auspowert. Manchmal ist es klüger, einen Schritt zurückzutreten und etwas ganz anderes zu probieren.
Übung 4: Die Eskalationsspirale
Stellt euch vor, zwei Leute streiten sich darüber, wer Recht hat. Jeder versucht, den anderen zu überzeugen, und die Argumente werden immer heftiger. Am Ende sind beide frustriert und die Beziehung ist beschädigt. Das ist eine Eskalationsspirale.
Die Übung: Beobachtet euch selbst in Konfliktsituationen. Merkt ihr, wie ihr euch immer mehr in eurer Position verbeißt? Versucht dann bewusst, etwas zu tun, was die Spirale unterbricht. Das kann ein Witz sein, ein Kompliment, oder einfach die Aussage: "Ich verstehe, was du meinst." Manchmal reicht schon ein kleines Zugeständnis, um die Situation zu entschärfen.
Das kleine Wunder der Perspektivenwechsel
Watzlawick hat uns gelehrt, dass unsere Wahrnehmung die Realität formt. Und das bedeutet: Wenn wir unsere Perspektive ändern, ändert sich auch unsere Realität. Einfach, oder? Aber so wirkungsvoll!
Übung 5: Die erfundene Ausnahme
Habt ihr ein Problem, das euch schon lange beschäftigt? Dann versucht mal Folgendes: Stellt euch vor, es gäbe eine Ausnahme, einen Moment, in dem das Problem nicht existiert. Vielleicht ist es nur ein kurzer Augenblick, aber er ist da.
Fragt euch dann: Was ist anders in diesem Moment? Was mache ich anders? Was denken die anderen anders? Konzentriert euch auf diese Ausnahme und versucht, sie zu verstehen. Vielleicht findet ihr darin den Schlüssel zur Lösung eures Problems.
"Wir können nicht nicht kommunizieren." - Paul Watzlawick
Die Axiome Watzlawicks sind nicht nur trockene Theorie, sondern ein Spiegel, der uns zeigt, wie wir miteinander umgehen. Und manchmal ist es eben zum Lachen, manchmal zum Nachdenken, und manchmal auch einfach nur zum Verzweifeln. Aber vor allem sind sie eine Einladung, die Welt mit anderen Augen zu sehen.
Also, probiert die Übungen aus. Beobachtet euch selbst und eure Mitmenschen. Und vielleicht entdeckt ihr ja dabei, dass Kommunikation manchmal eben doch ein bisschen verrückt ist.
