A Portrait Of An Artist As A Young Man
Stell dir vor, du bist ein Teenager. Nicht irgendein Teenager, sondern einer, der innerlich brennt. Einer, der die Welt nicht einfach nur hinnimmt, sondern sie auseinandernehmen, untersuchen und am besten neu zusammensetzen will – mit seinen eigenen Regeln. Das ist Stephen Dedalus, der Held von James Joyces "A Portrait of the Artist as a Young Man", nur eben literarisch formuliert und ein bisschen irischer.
Stephen: Zwischen Kirche, Familie und Rebellion
Am Anfang ist Stephen ein ganz normaler Junge. Er geht zur Schule, die von Jesuiten geführt wird (was ungefähr so ist, als würde man von Super-Streng-Lehrern unterrichtet werden). Er versucht, die Regeln zu befolgen, aber irgendetwas in ihm sträubt sich. Stell dir vor, du musst jeden Tag die gleiche Uniform tragen, die gleichen Gebete sprechen und die gleichen Antworten geben, obwohl du innerlich schreist: "Aber warum denn?!" Genau so geht es Stephen.
Seine Familie ist auch so eine Sache. Sie sind liebenswert, chaotisch und ständig pleite. Es gibt endlose Debatten über Politik, Religion und wer jetzt eigentlich das letzte Stück Kuchen gegessen hat. Stephen liebt seine Familie, aber er fühlt sich auch erdrückt von ihren Erwartungen. Es ist, als würde man in einem gemütlichen, aber viel zu kleinen Pullover stecken.
Die Sünde... und das schlechte Gewissen
Religion spielt eine riesige Rolle in Stephens Leben. Nicht nur wegen der Schule, sondern weil die katholische Kirche damals einfach allgegenwärtig war. Stell dir vor, du bist ständig von Schuldgefühlen umgeben, selbst wenn du nichts wirklich Schlimmes getan hast. Ein Flirt? Sünde! Ein frecher Gedanke? Sünde! Ein Kaugummi nach dem Essen? Sünde! (Okay, das mit dem Kaugummi ist vielleicht übertrieben, aber du verstehst, worauf ich hinaus will). Stephen kämpft mit diesen Schuldgefühlen, versucht, sich anzupassen, aber sein innerer Rebell wehrt sich.
"Ich will nicht dienen, was ich nicht mehr glaube, sei es mein Zuhause, mein Vaterland oder meine Kirche."
Dieser Satz fasst ziemlich gut zusammen, was in Stephens Kopf vorgeht. Er will sich nicht einfach nur anpassen, er will selbst denken, selbst entscheiden. Er will frei sein!
Die Entdeckung der Kunst
Irgendwann entdeckt Stephen die Kunst. Nicht als langweiliges Schulfach, sondern als eine Art Befreiung. Worte, Bilder, Musik – sie werden zu seinem Ventil, zu seiner Möglichkeit, die Welt zu verstehen und auszudrücken, was in ihm vorgeht. Stell dir vor, du findest ein Instrument oder einen Pinsel und plötzlich kannst du all deine Gefühle, all deine Gedanken in etwas verwandeln, das andere berührt. Das ist Stephens Erfahrung mit der Kunst.
Er beginnt, Gedichte zu schreiben, über die Liebe, die Schönheit und natürlich über seine innere Zerrissenheit. Er verliebt sich in die Idee, ein Künstler zu sein, ein Schöpfer, ein Beobachter. Es ist, als würde er eine neue Sprache lernen, eine Sprache, die nur er versteht.
Der Sprung ins Unbekannte
Am Ende des Romans steht Stephen vor einer Entscheidung. Bleibt er in Irland, passt er sich an, heiratet er vielleicht sogar und führt ein "normales" Leben? Oder wagt er den Sprung ins Unbekannte, folgt er seinem Traum und versucht, ein Künstler zu werden?
Er entscheidet sich für den Sprung. Er verlässt Irland, um in der Welt nach Inspiration und Freiheit zu suchen. Das Ende ist offen, ungewiss, aber auch unglaublich aufregend. Es ist, als würde man auf eine lange Reise aufbrechen, ohne genau zu wissen, wohin sie einen führt.
Was bedeutet das für uns?
"A Portrait of the Artist as a Young Man" ist mehr als nur die Geschichte eines jungen Iren. Es ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden, über die Suche nach der eigenen Identität und über den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen. Jeder von uns kennt das Gefühl, zwischen Erwartungen und eigenen Wünschen hin- und hergerissen zu sein. Jeder von uns hat irgendwann einmal davon geträumt, etwas Besonderes zu sein, etwas zu erschaffen, etwas zu verändern.
Stephen Dedalus ist ein Vorbild, weil er sich nicht damit zufrieden gibt, einfach nur mitzuschwimmen. Er hinterfragt, er rebelliert, er sucht. Und obwohl er Fehler macht und scheitert, gibt er niemals auf. Das ist die Botschaft dieses Romans: Sei du selbst, sei mutig, sei ein Künstler – auf welche Art und Weise auch immer!
Also, lies das Buch! Vielleicht findest du ein bisschen von Stephen in dir selbst. Und vielleicht inspiriert er dich ja auch dazu, deinen eigenen inneren Künstler zu entdecken.
