Abi Mündliche Prüfung Englisch
Erinnerst du dich noch an dein Abi? Diese Zeit voller Panik, Koffein und dem leisen Verdacht, dass die Lehrer heimlich gegen dich konspirierten? Ich erinnere mich gut. Besonders an die mündliche Englischprüfung. Nicht, weil sie super schlimm war, sondern weil sie… nun ja, sagen wir mal, „unvergesslich“ war.
Es begann alles ganz harmlos. Wochenlanges Vokabelpauken, endlose Diskussionen über Shakespeare (war Hamlet wirklich so unentschlossen, oder hatte er einfach nur einen schlechten Tag?) und das fleißige Üben von Präsentationen, die im Schlaf schon perfekt saßen. Dachte ich zumindest.
Der große Tag kam. Ich stand vor der Tür des Prüfungsraumes, das Herz hämmerte schneller als die Beats in meinem Walkman (ja, ich bin alt!). Tief durchatmen, Lächeln aufsetzen und rein! Drinnen saßen zwei Lehrer, die aussahen, als hätten sie seit 1985 nicht mehr gelächelt. Aber hey, vielleicht hatten sie ja auch einfach nur einen schlechten Tag.
Zuerst kam der freie Vortrag. Ich hatte mich für das Thema „The American Dream“ entschieden. Warum? Keine Ahnung. Wahrscheinlich, weil es gut klang und ich ein paar coole Zitate aus Filmen einbauen konnte. Ich begann mit einem selbstsicheren „Good morning, ladies and gentlemen…“. Und dann… Blackout!
Plötzlich waren alle Vokabeln, alle Argumente, alle genialen Formulierungen verschwunden. Mein Gehirn war leer wie ein alter Speicherchip. Panik stieg auf. Ich stammelte irgendetwas von „opportunity… freedom… blablabla…“ und merkte, wie mir die Röte ins Gesicht stieg.
In diesem Moment passierte etwas Unerwartetes. Einer der Lehrer, Mr. Schmidt, räusperte sich und sagte: „Perhaps you could give us a more personal perspective, Miss…“ Er nannte meinen Namen. Ich war so dankbar, dass er mich aus diesem sprachlichen Sumpf zog, dass ich ihm am liebsten um den Hals gefallen wäre. (Aber das hätte wahrscheinlich Minuspunkte gegeben.)
Also erzählte ich. Ich erzählte von meiner eigenen Familie, die aus einem anderen Land nach Deutschland gekommen war. Von den Schwierigkeiten, sich anzupassen, aber auch von den Chancen, die sich boten. Ich erzählte von meinen Träumen und Hoffnungen. Und plötzlich sprudelte es nur so aus mir heraus. Die Worte kamen von ganz allein, ohne dass ich lange überlegen musste.
Und das war der Wendepunkt. Der Rest der Prüfung verlief überraschend gut. Wir diskutierten über englische Literatur, sprachen über aktuelle Themen und ich konnte sogar ein paar Witze erzählen, die tatsächlich ankamen. Mr. Schmidt schmunzelte sogar einmal! (Ein historischer Moment.)
Die Überraschung am Ende
Als ich den Raum verließ, war ich erleichtert und gleichzeitig verwirrt. Hatte ich die Prüfung jetzt bestanden oder nicht? Ich hatte ja schließlich meinen Vortrag versemmelt. Aber vielleicht hatte ich ja auch mit meiner persönlichen Geschichte gepunktet. Ich wusste es nicht.
Die Auflösung kam ein paar Wochen später. Ich hatte bestanden! Und nicht nur das, ich hatte sogar eine ziemlich gute Note bekommen. Ich war sprachlos. Wie war das möglich?
Die Lektion
Was ich aus dieser Erfahrung gelernt habe? Erstens: Blackouts sind scheiße, aber sie passieren. Zweitens: Ehrlichkeit und Authentizität können Wunder wirken. Und drittens: Lehrer sind auch nur Menschen (manchmal zumindest).
Die Abi-Prüfung war zwar stressig, aber sie war auch eine wertvolle Lektion. Sie hat mir gezeigt, dass es nicht immer darauf ankommt, perfekt vorbereitet zu sein, sondern auch darauf, sich selbst zu sein und seine eigene Stimme zu finden.
Und was den American Dream angeht? Nun ja, vielleicht ist er ja gar nicht so weit entfernt, wie ich damals dachte.
"The limits of my language mean the limits of my world." - Ludwig Wittgenstein
Und noch eine kleine Anekdote: Jahre später traf ich Mr. Schmidt auf einem Elternabend. Er erkannte mich sofort und grinste. „Ich erinnere mich noch gut an Ihren Vortrag über den American Dream“, sagte er. „Der war… ähm… einzigartig.“ Wir lachten beide. Und ich war ihm wieder einmal dankbar. Nicht nur für die bestandene Abi-Prüfung, sondern auch für die unvergessliche Erfahrung. Die mündliche Englischprüfung, die eigentlich gar nicht so schlimm war. Zumindest nicht im Nachhinein.
