Actio Libera In Causa Schema
Stell dir vor, du bist auf einer Party. Die Musik dröhnt, die Stimmung ist ausgelassen, und du lässt es dir richtig gut gehen. So gut, dass du vielleicht ein Glas zu viel trinkst. Oder zwei. Oder... naja, sagen wir, du bist nicht mehr ganz Herr deiner Sinne. Und dann passiert es: Im Überschwang der Gefühle rempelst du jemanden an, und der fällt unglücklich und bricht sich den Arm. Autsch! Jetzt kommt die große Frage: Bist du schuld?
Die Krux mit der Schuld
Normalerweise ist die Antwort ziemlich klar: Ja, wenn du jemanden verletzt, bist du verantwortlich. Aber was, wenn du so betrunken warst, dass du dich an nichts mehr erinnern kannst? Warst du dann wirklich "Herr deiner Sinne" in dem Moment, als der Unfall passierte? Das deutsche Strafrecht kennt da eine ganz interessante, und zugegeben, etwas komplizierte Idee: das Actio Libera In Causa Schema. Klingt kompliziert, ist es aber eigentlich gar nicht, wenn man's mal verstanden hat!
Der Trick mit dem "freien Willen"
Im Grunde geht es darum, dass du dich nicht einfach betrinken und dann sagen kannst: "Ich war doch gar nicht zurechnungsfähig, also bin ich nicht schuld!" Das wäre ja auch ein bisschen unfair, oder? Stell dir vor, jemand würde sich jeden Abend Mut antrinken, um seine Nachbarn zu ärgern und dann behaupten, er könne ja nichts dafür, weil er betrunken war. Das würde ja Tür und Tor für allerlei Unsinn öffnen!
Das Actio Libera In Causa Schema (ALIC) sagt nun: Wir schauen uns den Moment an, bevor du so betrunken warst, dass du die Kontrolle verloren hast. War es in diesem Moment, als du noch klar denken konntest, abzusehen, dass du in diesem Zustand Mist bauen würdest? Hast du dich quasi "freiwillig" in einen Zustand versetzt, in dem du wusstest oder hättest wissen müssen, dass du etwas Dummes anstellen könntest?
Ein paar knackige Beispiele
Nehmen wir mal an, du bist ein friedlicher Mensch, trinkst aber ab und zu gerne ein Bierchen. Eines Abends auf der Party überschreitest du aber deine Grenzen und wirst ausfallend. Du hast zwar schon öfter getrunken, aber noch nie jemanden verletzt. In diesem Fall könnte es schwieriger sein, dir die volle Schuld zuzuschreiben, wenn du im alkoholisierten Zustand etwas anstellst. Schließlich war es nicht unbedingt vorhersehbar.
Anders sieht es aus, wenn du bekanntermaßen unter Alkoholeinfluss aggressiv wirst. Vielleicht hast du schon öfter im Suff Streit angefangen oder bist handgreiflich geworden. Wenn du dich dann trotzdem bis zur Besinnungslosigkeit betrinkst und jemanden verprügelst, dann hast du die Situation quasi selbst herbeigeführt. In diesem Fall greift das Actio Libera In Causa Schema wahrscheinlich ein.
Oder stell dir vor, du bist ein ausgebildeter Sprengmeister. Du weißt genau, wie gefährlich Sprengstoff ist. Trotzdem beschließt du, dir vor einer geplanten Sprengung einen ordentlichen Schluck zu genehmigen. Und oh Wunder, im Suff geht etwas schief, und es gibt eine Explosion. Hier ist die Sache ziemlich klar: Du hast dich vorsätzlich in einen Zustand versetzt, in dem du nicht mehr verantwortungsvoll mit Sprengstoff umgehen kannst. Das ALIC Schema wird hier mit ziemlicher Sicherheit angewendet werden.
Das Entscheidende: Die Vorhersehbarkeit
Das A und O ist also die Vorhersehbarkeit. Hättest du in dem Moment, als du noch "Herr deiner Sinne" warst, wissen müssen, dass du später Mist bauen könntest? War es quasi eine "logische Konsequenz" deines Handelns, dass etwas Schlimmes passiert? Wenn ja, dann bist du trotz deiner Trunkenheit oder anderer Beeinträchtigung möglicherweise schuldig. Denn du hast die Actio (Handlung) in Libera Causa (freier Ursache) gesetzt.
Das Actio Libera In Causa Schema ist natürlich viel komplexer, als ich es hier darstellen kann. Es gibt viele Feinheiten und unterschiedliche Meinungen unter Juristen. Aber im Kern geht es darum, dass man sich nicht einfach hinter seiner eigenen Trunkenheit oder anderen Zuständen verstecken kann, wenn man diese selbst herbeigeführt hat und dabei etwas Schlimmes passiert ist. Es ist ein bisschen wie mit dem Feuer spielen: Wer zündelt, muss auch mit den Konsequenzen leben!
Also, das nächste Mal auf der Party: Denk dran, nicht übertreiben! Nicht nur, weil du am nächsten Morgen einen Kater hast, sondern auch, weil du im Zweifelsfall für dein Handeln verantwortlich gemacht werden könntest. Und denk dran: Spaß haben ist super, aber Verantwortung tragen ist noch besser!
Disclaimer: Das hier ist natürlich keine Rechtsberatung. Wenn du in so eine Situation gerätst, solltest du dir unbedingt professionelle Hilfe suchen!
