Aktiv Und Passiv Im Deutschen
Das Aktiv und Passiv sind zwei grammatikalische Genus Verbi (Handlungsrichtungen) im Deutschen. Sie beschreiben, wie das Subjekt eines Satzes zum Geschehen steht. Das Verständnis dieser Unterscheidung ist essenziell für das korrekte Formulieren und Verstehen deutscher Sätze.
Das Aktiv: Der Täter steht im Vordergrund
Im Aktivsatz ist das Subjekt der Handelnde, der die Aktion ausführt. Es ist der Akteur des Geschehens. Die Struktur eines einfachen Aktivsatzes ist typischerweise: Subjekt + Verb + (Objekt).
Beispiele:
- Der Mann liest die Zeitung. (Der Mann ist das Subjekt und führt die Handlung "lesen" aus.)
- Die Kinder spielen im Garten. (Die Kinder sind das Subjekt und führen die Handlung "spielen" aus.)
- Ich esse einen Apfel. (Ich bin das Subjekt und führe die Handlung "essen" aus.)
Der Fokus im Aktivsatz liegt auf dem, der die Handlung ausführt. Das Aktiv ist die häufigste und natürlichste Form der Satzbildung im Deutschen.
Aktiv in verschiedenen Zeitformen
Das Aktiv kann in allen Zeitformen verwendet werden. Die Verbkonjugation ändert sich je nach Zeitform.
- Präsens: Er isst. (Er isst.)
- Präteritum: Er aß. (Er aß.)
- Perfekt: Er hat gegessen. (Er hat gegessen.)
- Plusquamperfekt: Er hatte gegessen. (Er hatte gegessen.)
- Futur I: Er wird essen. (Er wird essen.)
- Futur II: Er wird gegessen haben. (Er wird gegessen haben.)
Das Passiv: Die Handlung steht im Vordergrund
Im Passivsatz ist das Subjekt derjenige, der von der Handlung betroffen ist. Es ist der Empfänger der Handlung. Die Handlung selbst steht im Vordergrund, der Handelnde ist oft unwichtig oder unbekannt.
Grundstruktur des Passivs:
Das Passiv wird mit dem Hilfsverb "werden" und dem Partizip II des Vollverbs gebildet. Die Grundstruktur ist: Subjekt + werden (konjugiert) + Partizip II
Beispiele:
- Die Zeitung wird von dem Mann gelesen. (Die Zeitung ist das Subjekt und wird gelesen.)
- Im Garten wird gespielt. (Im Garten wird gespielt; wer spielt, ist unwichtig.)
- Der Apfel wird gegessen. (Der Apfel ist das Subjekt und wird gegessen.)
Der Handelnde kann im Passivsatz mit der Präposition "von" (oder seltener "durch") eingeführt werden. Man spricht dann vom Agens.
Beispiel:
- Die Tür wurde von dem Einbrecher aufgebrochen. (Der Einbrecher ist das Agens.)
Wenn der Handelnde nicht genannt wird oder nicht relevant ist, kann das Agens auch weggelassen werden.
Beispiel:
- Das Haus wird gebaut. (Wer das Haus baut, ist nicht wichtig.)
Passiv in verschiedenen Zeitformen
Wie das Aktiv kann auch das Passiv in verschiedenen Zeitformen gebildet werden. Die Konjugation des Hilfsverbs "werden" ändert sich je nach Zeitform. Zusätzlich gibt es noch das Zustandspassiv, welches mit dem Hilfsverb "sein" und dem Partizip II gebildet wird. Das Zustandspassiv beschreibt einen erreichten Zustand.
Vorgangspassiv (mit "werden"):
- Präsens: Das Haus wird gebaut. (Das Haus wird gerade gebaut.)
- Präteritum: Das Haus wurde gebaut. (Das Haus wurde gebaut.)
- Perfekt: Das Haus ist gebaut worden. (Das Haus ist gebaut worden.)
- Plusquamperfekt: Das Haus war gebaut worden. (Das Haus war gebaut worden.)
- Futur I: Das Haus wird gebaut werden. (Das Haus wird gebaut werden.)
- Futur II: Das Haus wird gebaut worden sein. (Das Haus wird gebaut worden sein.)
Zustandspassiv (mit "sein"):
- Präsens: Das Haus ist gebaut. (Das Haus ist fertig gebaut.)
- Präteritum: Das Haus war gebaut. (Das Haus war fertig gebaut.)
- Perfekt: Das Haus ist gebaut gewesen. (Das Haus ist fertig gebaut gewesen.)
- Plusquamperfekt: Das Haus war gebaut gewesen. (Das Haus war fertig gebaut gewesen.)
- Futur I: Das Haus wird gebaut sein. (Das Haus wird fertig gebaut sein.)
- Futur II: Das Haus wird gebaut gewesen sein. (Das Haus wird fertig gebaut gewesen sein.)
Wann verwendet man das Passiv?
Das Passiv wird verwendet, wenn:
- Der Handelnde unbekannt oder unwichtig ist.
- Der Fokus auf der Handlung selbst oder dem Ergebnis liegt.
- Eine unpersönliche oder objektive Darstellung gewünscht ist (häufig in wissenschaftlichen Texten).
- Der Handelnde absichtlich verschwiegen werden soll.
Beispiel:
- Die Bank wurde überfallen. (Wer die Bank überfallen hat, ist unbekannt oder wird nicht genannt.)
- Das Problem wird gelöst. (Der Fokus liegt auf der Lösung des Problems.)
- In der Studie wurde gezeigt, dass... (Unpersönliche Formulierung in einem wissenschaftlichen Text.)
Die Umwandlung von Aktiv in Passiv
Die Umwandlung von Aktiv in Passiv ist nicht immer möglich. Sie ist nur dann möglich, wenn der Aktivsatz ein Akkusativobjekt hat. Dieses Akkusativobjekt wird im Passivsatz zum Subjekt.
Schema der Umwandlung:
Aktiv: Subjekt (Nominativ) + Verb + Akkusativobjekt
Passiv: Subjekt (Nominativ, ehemals Akkusativobjekt) + werden + Partizip II + (von + Agens)
Beispiele:
- Aktiv: Der Koch kocht die Suppe.
- Passiv: Die Suppe wird von dem Koch gekocht.
- Aktiv: Der Schüler schreibt den Brief.
- Passiv: Der Brief wird von dem Schüler geschrieben.
Sätze ohne Akkusativobjekt können nicht in ein vollständiges Passiv umgewandelt werden. Allerdings gibt es die Möglichkeit, ein unpersönliches Passiv mit "es" zu bilden, wenn der Aktivsatz ein intransitives Verb enthält (ein Verb, das kein Akkusativobjekt benötigt).
Beispiel:
- Aktiv: Die Kinder spielen.
- Unpersönliches Passiv: Es wird gespielt.
Besonderheiten und Schwierigkeiten
Das Passiv kann für Deutschlerner eine Herausforderung darstellen, da es im Vergleich zu anderen Sprachen komplexer sein kann. Hier sind einige Besonderheiten, die beachtet werden sollten:
- Die Position von "werden": "Werden" ist ein Hilfsverb und steht an zweiter Stelle im Hauptsatz und am Ende im Nebensatz.
- Das Partizip II: Die korrekte Bildung des Partizip II ist wichtig.
- Die Wahl zwischen "von" und "durch": "Von" wird verwendet, wenn der Handelnde eine Person oder ein Lebewesen ist. "Durch" wird verwendet, wenn der Handelnde eine Sache oder ein Instrument ist (z.B. "Das Fenster wurde durch den Wind geöffnet.").
- Das Zustandspassiv: Nicht zu verwechseln mit dem Vorgangspassiv. Achten Sie auf die Bedeutung: Zustand oder Prozess?
- Doppelpassiv vermeiden: Eine Konstruktion wie "Das Haus ist gebaut worden gewesen" ist grammatikalisch korrekt, aber stilistisch sehr unschön und sollte vermieden werden. Umschreiben Sie den Satz stattdessen.
Zusammenfassung
Das Aktiv und Passiv sind wichtige Werkzeuge der deutschen Sprache. Das Aktiv betont den Handelnden, während das Passiv die Handlung oder das Ergebnis in den Vordergrund stellt. Das Verständnis der Bildung und Verwendung des Passivs ist entscheidend für das korrekte Formulieren und Verstehen deutscher Texte. Übung und das bewusste Wahrnehmen von Aktiv- und Passivkonstruktionen in Texten helfen, diese grammatikalischen Strukturen zu verinnerlichen.
