Alfred Lichtenstein Die Stadt
Alfred Lichtenstein. Hach. Ein Name, der bei Poetry Slam-Abenden für angestrengtes Nicken sorgt. Aber mal ehrlich: Haben wir alle wirklich jedes einzelne seiner Werke verstanden? Ich bekenne mich schuldig. Und wage zu behaupten, dass sein Gedicht "Die Stadt" vielleicht ein bisschen... überbewertet ist.
Ja, ich weiß. Frevel! Aber hört mir zu. "Die Stadt" ist düster. Voller Leid. Ein Moloch der Entfremdung. Okay, kapiert. Aber ist das nicht ein bisschen... offensichtlich? Haben wir nicht alle schon mal Sonntagnachmittag in einer Fußgängerzone gestanden und uns gedacht: "Boah, ist das hier deprimierend!"? Lichtenstein hat's halt in Verse gefasst.
Die berühmten Zeilen
Nehmen wir mal diese berühmten Zeilen: "Ein Eiter tropft aus dicken Wolken." Eiter? Wirklich? Ist das die subtile Metapher, die wir brauchen, um die Hässlichkeit der Großstadt zu begreifen? Ich weiß nicht. Vielleicht bin ich einfach zu pragmatisch. Aber ich denke mir: Wenn's regnet, ist es halt nass. Da muss nicht gleich Eiter vom Himmel fallen.
Und dann die Leute! Alle "blass und fett". Na, danke auch. Klar, die Großstadt ist kein Schönheitswettbewerb. Aber diese pauschale Verurteilung? Ein bisschen gemein, oder? Ich mein, vielleicht hat der ein oder andere einfach nur einen schlechten Tag. Oder eine Stoffwechselstörung.
Ist es wirklich so tiefgründig?
Ich will Lichtenstein ja nicht seine künstlerische Freiheit absprechen. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass die Interpretation von "Die Stadt" komplizierter ist, als das Gedicht selbst. Da wird von existenziellem Schmerz, von der Verlorenheit des modernen Menschen und von der Entwurzelung der Seele gefaselt. Und ich denke mir: Vielleicht wollte der gute Alfred einfach nur mal so richtig schön rummeckern.
"Die Dichter sind schrecklich. Sie benutzen Gefühle, um Ideen zu maskieren." - Alfred Lichtenstein (angeblich)
Ich gebe zu, es gibt auch starke Momente. Die Bilder von den "tanzenden Händen" im Café sind schon irgendwie eindrücklich. Und die Vorstellung von der Stadt als einem "kranken Tier" hat was. Aber insgesamt finde ich, dass "Die Stadt" ein bisschen zu sehr auf die Tränendrüse drückt.
Versteht mich nicht falsch. Ich bin kein Kulturbanause. Ich kann durchaus die Schönheit in der Melancholie erkennen. Aber bei "Die Stadt" habe ich immer das Gefühl, dass da mit dem Holzhammer gearbeitet wird. Da wird einem die Düsternis förmlich ins Gesicht geklatscht.
Vielleicht liegt es auch daran, dass ich ein hoffnungsloser Optimist bin. Ich glaube, dass es auch in der größten Stadt Lichtblicke gibt. Kleine Momente der Freude. Begegnungen, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Und diese Aspekte fehlen mir in Lichtensteins Gedicht einfach.
Unpopuläre Meinung incoming!
Also, hier meine unpopuläre Meinung: "Die Stadt" von Alfred Lichtenstein ist ein bisschen... überschätzt. Ja, es ist ein wichtiges Gedicht. Ja, es hat die expressionistische Bewegung geprägt. Aber ist es wirklich so tiefgründig und relevant, wie alle immer tun? Ich bin mir da nicht so sicher. Vielleicht ist es einfach nur ein bisschen zu viel Schwarzmalerei. Und manchmal brauchen wir im Leben einfach ein bisschen mehr Farbe. Oder zumindest ein bisschen weniger Eiter.
Vielleicht sollte ich das mal auf einer Poetry Slam-Bühne vortragen. Mal sehen, wie viele angestrengte Nicker dann noch da sind.
Aber hey, Kunst ist ja bekanntlich Geschmackssache. Und vielleicht habe ich ja auch einfach den tieferen Sinn hinter dem Eiter übersehen. Wer weiß?
