Als Gott Sah Dass Der Weg Zu Lang Englisch
Ach, diese Sprüche! Kennen wir sie nicht alle? Sie kleben auf Kühlschrankmagneten, zieren T-Shirts und flüstern uns aus kitschigen Postkarten entgegen. Einer davon ist besonders hartnäckig: "Als Gott sah, dass der Weg zu lang wurde..."
Der Spruch, der irgendwie immer passt
Egal ob Hund, Katze, Hamster oder Oma Erna – dieser Satz scheint die universelle Antwort auf den Verlust zu sein. Er ist tröstlich. Er ist... irgendwie auch ein bisschen billig, oder?
Meine unpopuläre Meinung
Ich gestehe: Ich mag diesen Spruch nicht sonderlich. Ja, ich weiß, er soll Trost spenden. Und ja, er tut das wahrscheinlich auch für viele. Aber für mich kratzt er ein bisschen an der Oberfläche. Er ist wie ein Pflaster auf einer tiefen Wunde. Kurzfristig hilft es vielleicht, aber wirklich heilen tut es nicht.
Warum nicht? Vielleicht, weil er so wahnsinnig generell ist. Er könnte auf alles angewendet werden. Stell dir vor, du verlierst deinen Lieblingsstift. "Als Gott sah, dass der Stift zu kurz wurde..." Klingt doch albern, oder? (Okay, vielleicht bin ich etwas gemein.)
Und dann ist da noch die Sache mit Gott. Nicht jeder ist gläubig. Und selbst wenn man es ist, fühlt sich dieser Spruch nicht immer authentisch an. Es ist, als würde man eine religiöse Keule schwingen, um die Trauer zu betäuben. Aber Trauer will gefühlt werden! Sie will nicht betäubt werden.
Englisch ist auch keine Lösung
Und jetzt kommt's: Manche übersetzen den Spruch ins Englische! "When God saw the road was too long..." Irgendwie wird es dadurch nicht besser. Es klingt zwar vielleicht ein bisschen eleganter, aber das Problem bleibt das gleiche. Es ist immer noch ein Allerweltsspruch, der die individuelle Trauer unter einer dicken Schicht Kitsch versteckt.
Ich weiß, ich weiß. Ich bin ein herzloser Klugscheißer. Aber ich finde, Trauer verdient mehr als einen abgegriffenen Spruch. Sie verdient echte Worte. Eigene Worte. Worte, die von Herzen kommen. Worte, die die einzigartige Beziehung zu dem Menschen oder Tier widerspiegeln, das man verloren hat.
Was wäre denn eine Alternative?
Anstatt zu sagen: "Als Gott sah, dass der Weg zu lang wurde...", warum nicht etwas Persönlicheres sagen? Etwas wie:
"Ich werde dich immer für dein lautes Schnarchen vermissen, Opa."
Oder:
"Ich werde nie vergessen, wie du immer versucht hast, mein Essen zu stehlen, Rocky."
Okay, vielleicht sind das keine Meisterwerke der Poesie. Aber sie sind ehrlich. Sie sind authentisch. Und sie erinnern an die kleinen, besonderen Dinge, die den Verlust so schmerzhaft machen.
Vielleicht bin ich allein mit meiner Meinung. Vielleicht rennen jetzt alle los und kaufen T-Shirts mit dem englischen Spruch. Aber ich bleibe dabei: Trauer verdient mehr als Klischees. Trauer verdient echte Worte. Und vielleicht, nur vielleicht, ist es Zeit, diesen Spruch in Rente zu schicken. Für immer.
Und falls ihr euch jetzt fragt, was ich denn sagen würde, wenn ich ein geliebtes Haustier verliere? Wahrscheinlich etwas ganz Banales. Etwas wie: "Ich vermisse dich, du verrücktes Fellknäuel!" Aber das wäre dann wenigstens mein verrücktes Fellknäuel.
Also, was denkt ihr? Bin ich total verrückt? Oder gibt es da draußen noch jemanden, der diesen Spruch auch nicht mehr hören kann?
Ich warte gespannt auf eure Kommentare (und vielleicht ein paar wütende Nachrichten von Postkartenverkäufern).
