Als Oma Das Internet Kaputt Gemacht Hat
Ach du meine Güte, wo soll ich anfangen? Diese Geschichte ist so verrückt, so urkomisch und so typisch für meine Familie, dass ich sie einfach mit euch teilen muss. Es geht um meine Oma, das Internet und einen verhängnisvollen Nachmittag in Bayern.
Ich war gerade auf einer kleinen Deutschland-Reise, wollte ein bisschen Landluft schnuppern und die bayerische Gemütlichkeit genießen. Meine Oma, sagen wir mal, sie ist eine Frau mit viel Temperament und einer noch größeren Neugier. Sie ist, um es milde auszudrücken, nicht die technikaffinste Person der Welt. Ihr Smartphone dient hauptsächlich zum Telefonieren (wenn überhaupt!) und ihre Beziehung zum Computer ist... kompliziert. Aber sie ist unglaublich liebenswert und immer für ein Abenteuer zu haben.
Ich hatte mich entschieden, ein paar Tage bei ihr im beschaulichen Örtchen Hintertupfingen zu verbringen. Stellt euch das klassische bayerische Dorf vor: Fachwerkhäuser, blühende Geranien vor den Fenstern, eine Kirche mit einem spitzen Turm und überall die sanften Hügel der Voralpen. Ein Idyll! Und ein Ort, an dem das Internet gefühlt aus dem letzten Jahrhundert stammt. Was für mich, als bekennende Digitalnomadin, eine kleine Herausforderung darstellte.
Ich hatte einen Blogpost über die schönsten Wanderwege der Region geplant und brauchte dafür natürlich eine stabile Internetverbindung, um meine Fotos hochzuladen und meine Recherche zu beenden. Bei Oma zu Hause war das WLAN, sagen wir mal, eher... sporadisch. Es funktionierte, wenn es Lust hatte. Und Omas Technikverständnis machte die Situation nicht gerade einfacher.
Der Plan: Ein Ausflug ins Gemeindehaus
Nachdem ich stundenlang verzweifelt versucht hatte, eine stabile Verbindung aufzubauen (erfolglos!), hatte ich eine Idee. Im Gemeindehaus, so hatte ich gehört, gab es öffentliches WLAN. Perfekt! Ich erzählte Oma von meinem Plan, und sie war sofort Feuer und Flamme. "Na klar, Schatz! Da fahren wir hin! Das schau ich mir an!"
Wir machten uns also auf den Weg, Oma am Steuer ihres knallroten Fiats, ich mit meinem Laptop auf dem Schoß. Die Fahrt war ein Erlebnis für sich. Oma erzählte von früher, von ihren Jugendstreichen und den Dorforiginalen. Ihre Anekdoten waren so lebendig und humorvoll, dass ich mich kaum aufs Atmen konzentrieren konnte vor Lachen.
Im Gemeindehaus angekommen, war es natürlich anders als erwartet. Statt eines modernen Büros mit Highspeed-Internet erwartete uns ein etwas angestaubter Raum mit einem alten Holztisch und zwei unbequemen Stühlen. Aber hey, immerhin gab es WLAN! Dachte ich zumindest.
Das Desaster nimmt seinen Lauf
Ich richtete mich ein, startete meinen Laptop und versuchte, mich mit dem Netzwerk zu verbinden. Oma schaute mir gespannt über die Schulter. "Und, geht's?", fragte sie ungeduldig. "Noch nicht so ganz", antwortete ich, während ich verschiedene Passwörter ausprobierte, die ich im Internet gefunden hatte. Nichts funktionierte.
Oma wurde unruhig. Sie begann, an allen möglichen Knöpfen und Kabeln herumzufummeln. "Vielleicht muss man da was drücken!", rief sie, während sie wild auf eine alte Telefonanlage eindrückte. Ich versuchte, sie zu stoppen, aber es war zu spät. Sie hatte bereits irgendein Kabel herausgezogen.
Plötzlich wurde es still. Das Licht flackerte kurz, und dann war alles dunkel. Das ganze Gemeindehaus war ohne Strom. Und, wie sich später herausstellte, auch ein großer Teil von Hintertupfingen.
Ich war sprachlos. Oma blickte mich mit großen, unschuldigen Augen an. "Ups", sagte sie nur. "Das wollte ich nicht."
Die nächsten Stunden waren ein einziges Chaos. Der Bürgermeister kam persönlich vorbei, um sich die Bescherung anzusehen. Die Feuerwehr wurde gerufen, um den Stromausfall zu beheben. Und ich? Ich versuchte, mich so gut es ging aus der Affäre zu ziehen. Ich erklärte dem Bürgermeister, dass alles ein Missverständnis war, dass meine Oma nur helfen wollte und dass wir eigentlich nur ein bisschen Internet brauchten.
Der Bürgermeister, ein Mann mit viel Geduld und noch mehr Humor, nahm die Sache erstaunlich gelassen. Er kannte meine Oma schließlich schon seit seiner Kindheit. "Ach, die Liesl", sagte er nur. "Die hat schon immer für Trubel gesorgt."
Nachdem die Feuerwehr den Strom wiederhergestellt hatte (es stellte sich heraus, dass Oma versehentlich den Hauptschalter ausgelöst hatte), und sich der Bürgermeister wieder beruhigt hatte, entschloss ich mich, meine Internetrecherchen zu verschieben. Ich brauchte erst mal einen Schnaps und eine ordentliche Portion bayerische Brotzeit, um diesen Tag zu verarbeiten.
Die Moral von der Geschicht'
Was habe ich aus dieser Geschichte gelernt? Erstens: Unterschätze niemals die Macht einer bayerischen Oma. Zweitens: Das Internet ist nicht alles im Leben. Und drittens: Manchmal sind die besten Geschichten diejenigen, die man nicht plant.
Ich habe meinen Blogpost letztendlich doch noch fertigstellen können, dank des freundlichen Besitzers des örtlichen Gasthofs, der mir sein WLAN zur Verfügung stellte. Und Oma? Sie wurde zur Heldin von Hintertupfingen. Die Leute erzählten sich noch Wochen später die Geschichte von der Oma, die das Internet kaputt gemacht hat. Und Oma genoss die Aufmerksamkeit in vollen Zügen.
Wenn ihr also mal in Bayern seid, besucht Hintertupfingen. Es ist ein wunderschönes Dorf mit freundlichen Menschen und einer ganz besonderen Atmosphäre. Und wenn ihr Oma trefft, fragt sie nach der Geschichte mit dem Internet. Sie wird sie euch gerne erzählen. Und vergesst nicht, ein paar Reserve-Sicherungen einzupacken! Man weiß ja nie...
Mein Tipp: Fragt im Gasthof "Zum Goldenen Hirsch" nach dem "Oma-Internet-Spezial". Das ist ein Schnaps, der speziell zu Ehren meiner Oma kreiert wurde. Er ist stark, würzig und garantiert unvergesslich. Genau wie meine Oma! Und achtet auf die Kabel!
Und denkt daran, Reisen ist mehr als nur Sehenswürdigkeiten abhaken. Es geht darum, Geschichten zu erleben, Menschen kennenzulernen und sich von unerwarteten Abenteuern überraschen zu lassen. Manchmal sind es gerade die verrücktesten Momente, die uns am meisten in Erinnerung bleiben. Wie der Nachmittag, als meine Oma das Internet kaputt gemacht hat.
