An Was Glauben Die Mormonen
Viele Menschen, die neu in Deutschland sind oder sich einfach für verschiedene Glaubensrichtungen interessieren, stoßen auf den Begriff „Mormonen“. Oft gibt es viele Missverständnisse über diesen Glauben. Dieser Artikel soll eine klare und neutrale Einführung in die Glaubensvorstellungen der Mormonen geben, auch bekannt als Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.
Kernüberzeugungen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, oft abgekürzt als HLT-Kirche, ist eine restaurative Kirche, die im 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten gegründet wurde. Der Glaube basiert auf der Überzeugung, dass der christliche Glaube, wie er von Jesus Christus gelehrt wurde, im Laufe der Zeit verloren gegangen ist und durch den Propheten Joseph Smith wiederhergestellt wurde. Hier sind einige der zentralen Glaubensinhalte:
Gott und Jesus Christus
Mormonen glauben an Gott, den ewigen Vater, und seinen Sohn, Jesus Christus, sowie an den Heiligen Geist. Sie betrachten diese drei als getrennte und unterschiedliche Wesen, die in Zweck und Doktrin eins sind. Diese Doktrin unterscheidet sich von der traditionellen Trinitätslehre anderer christlicher Konfessionen. Sie glauben, dass Gott ein verherrlichtes Wesen mit einem Körper aus Fleisch und Knochen ist, ähnlich wie der Mensch, aber in Vollkommenheit verherrlicht. Jesus Christus wird als der Erretter und Erlöser der Welt verehrt, der für die Sünden der Menschheit gelitten hat und gestorben ist und durch seine Auferstehung den Weg für das ewige Leben geebnet hat.
Die Bibel und das Buch Mormon
Mormonen glauben sowohl an die Bibel als auch an das Buch Mormon als heilige Schriften. Sie betrachten die Bibel als das Wort Gottes, "sofern sie richtig übersetzt ist". Das Buch Mormon wird als ein weiterer Zeuge Jesu Christi angesehen, der von antiken Propheten auf dem amerikanischen Kontinent verfasst wurde und die Fülle des ewigen Evangeliums enthält. Es wird nicht als Ersatz für die Bibel angesehen, sondern als ergänzendes Zeugnis, das die Lehren Christi bekräftigt und erweitert. Mormonen studieren beide Bücher und glauben, dass sie zusammen ein umfassenderes Verständnis des göttlichen Plans vermitteln.
Die Wiederherstellung des Priestertums
Ein zentraler Glaube der Mormonen ist die Wiederherstellung des Priestertums. Sie glauben, dass die Autorität, im Namen Gottes zu handeln, im Laufe der Zeit auf der Erde verloren gegangen ist und dass Gott diese Autorität Joseph Smith und anderen durch himmlische Boten, wie Johannes den Täufer und Petrus, Jakobus und Johannes, zurückgegeben hat. Diese Priestertumsautorität ist notwendig, um heilige Handlungen wie die Taufe und die Firmung durchzuführen, die für die Errettung unerlässlich sind.
Der Plan der Errettung
Mormonen glauben an einen Plan der Errettung, der vorsieht, dass der Mensch vor seinem irdischen Leben als Geistkinder Gottes existierte. Sie glauben, dass das irdische Leben eine Zeit der Prüfung und des Lernens ist, in der die Menschen Entscheidungen treffen und Erfahrungen sammeln können, die sie für das ewige Leben vorbereiten. Nach dem Tod gehen die Geister in eine Geisterwelt, wo sie weiterlernen und sich auf das Gericht vorbereiten. Schließlich werden alle Menschen auferstehen, und jeder wird gemäß seinen Werken gerichtet werden. Diejenigen, die würdig sind, werden ewiges Leben in Gottes Gegenwart erlangen.
Tempelarbeit
Tempel spielen eine zentrale Rolle im Glauben und in den Praktiken der Mormonen. Tempel sind heilige Häuser des Herrn, die für besondere heilige Handlungen reserviert sind, die nicht in Gemeindehäusern (Kirchen) vollzogen werden. Zu diesen heiligen Handlungen gehören die Eheschließung für die Ewigkeit (Ewige Ehe), die Taufe für die Toten (Stellvertretende Taufe), die Endowment (eine heilige Unterweisung) und die Siegelung von Familien. Mormonen glauben, dass diese heiligen Handlungen für die Errettung sowohl der Lebenden als auch der Toten unerlässlich sind.
Ethische Grundsätze und Lebensweise
Mormonen legen großen Wert auf ethisches Verhalten und eine gesunde Lebensweise. Sie streben danach, nach den Lehren Jesu Christi zu leben, die Liebe, Vergebung, Ehrlichkeit, Nächstenliebe und Dienst an anderen umfassen. Sie befolgen auch den so genannten "Wort der Weisheit", ein Gesundheitsgesetz, das von Gott offenbart wurde und den Verzicht auf Alkohol, Tabak, Kaffee und Tee empfiehlt. Sie ermutigen auch zu gesunder Ernährung, regelmäßiger Bewegung und ausreichend Schlaf. Familie und Bildung werden hoch geschätzt.
Praktische Aspekte des Mormonismus
Neben den Glaubensvorstellungen ist es auch wichtig, einige praktische Aspekte des Lebens als Mormon zu verstehen:
Gemeindeorganisation
Die HLT-Kirche ist hierarchisch organisiert. Die kleinste Einheit ist die Gemeinde, die von einem Bischof geleitet wird, einem Laienpriestertumsträger, der von der Gemeinde ehrenamtlich berufen wird. Mehrere Gemeinden bilden einen Pfahl, der von einem Pfahlpräsidenten geleitet wird. Auf regionaler Ebene gibt es Gebietspräsidenten, und die Kirche wird weltweit von einem Präsidenten und seinen Ratgebern, dem Kollegium der Zwölf Apostel und anderen Generalautoritäten geleitet. Die meisten Positionen in der Kirche werden von Laien bekleidet, die ehrenamtlich dienen.
Missionarsdienst
Ein herausragendes Merkmal der HLT-Kirche ist der Missionarsdienst. Junge Männer und Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren dienen oft als Missionare, wobei Männer in der Regel zwei Jahre und Frauen 18 Monate lang dienen. Sie widmen ihre Zeit dem Lehren des Evangeliums Jesu Christi, dem Dienen in der Gemeinde und der Verbreitung ihrer Glaubensvorstellungen. Missionare finanzieren ihren Dienst in der Regel selbst und werden in Gebiete auf der ganzen Welt entsandt.
Gemeinschaftliches Engagement
Mormonen legen großen Wert auf Gemeinschaft und nehmen aktiv am gesellschaftlichen Leben teil. Sie engagieren sich in ehrenamtlicher Arbeit, Wohltätigkeitsorganisationen und anderen Initiativen, die darauf abzielen, das Leben anderer zu verbessern. Sie sind bestrebt, gute Bürger zu sein und zur Gesellschaft beizutragen.
Gottesdienste
Die Mormonen treffen sich jeden Sonntag zu Gottesdiensten. Der Gottesdienst besteht in der Regel aus Abendmahlsversammlung, einer einstündigen Andacht, die sich auf das Abendmahl (Kommunion) konzentriert, Zeugnissen von Gemeindemitgliedern und Ansprachen (Predigten). Nach der Abendmahlsversammlung finden Sonntagsschule und andere Unterrichtsklassen für verschiedene Altersgruppen statt.
Missverständnisse Ausräumen
Es ist wichtig, einige gängige Missverständnisse über Mormonen auszuräumen:
- Polygamie: Die offizielle Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage hat die Polygamie im Jahr 1890 offiziell abgeschafft. Während Polygamie im 19. Jahrhundert von einigen frühen Mormonen praktiziert wurde, ist sie heute in der Kirche nicht erlaubt und wird nicht toleriert. Gruppen, die Polygamie praktizieren, sind nicht mit der HLT-Kirche verbunden.
- Geheime Rituale: Die im Tempel vollzogenen Handlungen sind heilig, aber nicht geheim. Sie sind für würdige Mitglieder der Kirche zugänglich, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen.
- Zwang zur Konversion: Die Kirche respektiert die Religionsfreiheit und zwingt niemanden, sich zum Mormonismus zu bekehren. Die Bekehrung ist eine persönliche Entscheidung, die freiwillig getroffen werden muss.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Mormonen, Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, einen reichen Glauben haben, der auf der Bibel, dem Buch Mormon und der Wiederherstellung des Priestertums basiert. Sie konzentrieren sich auf den Glauben an Jesus Christus, das Familienleben, den Dienst an anderen und das Streben nach einem ethischen und gesunden Lebensstil. Es ist wichtig, auf Informationen aus vertrauenswürdigen Quellen zurückzugreifen, um Missverständnisse auszuräumen und ein genaues Verständnis ihres Glaubens zu entwickeln.
