Arbeiten Im Kloster Gegen Kost Und Logis
Stellt euch vor: Ihr habt genug vom Hamsterrad, der Chef nervt, die Wohnung ist zu klein und das Internet zu langsam. Was tun? Eine Auszeit! Und zwar nicht im Bali-Resort mit All-Inclusive-Buffet, sondern… im Kloster! Ja, richtig gelesen. Ihr könnt tatsächlich arbeiten im Kloster gegen Kost und Logis. Klingt erstmal nach Mittelalter, ist aber erstaunlich modern.
Ich selbst hatte die Ehre (und den Mut!) für ein paar Wochen in einem bayerischen Kloster mitzuwirken. Meine Erwartungen? Irgendwie verschwommen zwischen "Sound of Music" und asketischer Mönchszelle. Die Realität? Wesentlich bunter und überraschender.
Die Suche nach dem inneren Gärtner (und dem richtigen Spaten)
Die meisten Klöster, die Arbeitskräfte gegen Unterkunft und Verpflegung suchen, findet man heutzutage online. Es gibt Plattformen, die diese Angebote bündeln. Wichtig ist, sich vorher genau zu informieren, welche Arbeiten anfallen. Denn nicht jedes Kloster ist wie das andere. Manche brauchen Hilfe im Garten, andere in der Küche, wieder andere im Gästehaus oder sogar in der Landwirtschaft.
Ich landete im Gemüsegarten. Mein innerer Gärtner hatte sich, wie sich herausstellte, bisher erfolgreich versteckt. Aber gut, jeder fängt mal an. Und so lernte ich unter der geduldigen Anleitung von Bruder Johannes, Unkraut von Nutzpflanzen zu unterscheiden (eine Fähigkeit, die sich im Nachhinein auch im zwischenmenschlichen Bereich als nützlich erwiesen hat!).
Der Arbeitsalltag war… anders. Kein gestresstes Tippen auf der Tastatur, kein Meeting-Marathon. Stattdessen das rhythmische Hacken mit der Hacke (wer hätte gedacht, dass mir das mal Spaß machen würde?), das leise Summen der Bienen und der Duft von frisch geernteten Kräutern. Klar, es war auch anstrengend. Muskelkater inklusive. Aber es war eine angenehme, erfüllende Art von Anstrengung.
Kost und Logis – Mehr als nur Knastessen
Das Essen war übrigens fantastisch. Kein trockenes Brot und Wasser, wie man vielleicht vermuten würde. Im Gegenteil! Die Klöster legen oft Wert auf regionale und saisonale Produkte. Viele haben ihren eigenen Garten oder eine eigene Landwirtschaft. Bei uns gab es jeden Tag frisch gekochte Mahlzeiten, oft mit Gemüse aus dem eigenen Garten. Und wer jetzt an stundenlanges Beten vor dem Essen denkt – auch das ist nicht überall Pflicht. Es gab zwar Gebete, aber auch lockere Gespräche und viel Gelächter.
Die Unterkunft war schlicht, aber sauber und zweckmäßig. Ein Zimmer für mich allein, mit einem Bett, einem Schreibtisch und einem Fenster mit Blick auf den Klostergarten. Luxus sieht anders aus, aber ich brauchte auch keinen Luxus. Ich brauchte Ruhe und einen Ort zum Abschalten.
Unerwartete Begegnungen und tiefe Gespräche
Das Schönste an meiner Zeit im Kloster waren die Begegnungen mit den Menschen. Mit den Mönchen, die mit einer unglaublichen Ruhe und Gelassenheit ihren Alltag lebten. Mit den anderen Helfern, die aus den unterschiedlichsten Gründen eine Auszeit vom "normalen" Leben suchten. Es entstanden Gespräche, die tiefgründiger waren als alles, was ich im Büro je erlebt hatte. Gespräche über den Sinn des Lebens, über Glück und Zufriedenheit, über Gott und die Welt (und natürlich auch über das Wetter).
Ich erinnere mich an einen Abend, als ich mit Bruder Benedikt im Klostergarten saß und wir über die Kraft der Stille sprachen. Er erzählte mir, dass er jeden Morgen eine Stunde meditiert, um seinen Geist zu beruhigen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich, der ich sonst ständig von meinem Smartphone abgelenkt war, fand das unglaublich faszinierend.
Und dann gab es noch die ältere Dame, die seit Jahren ehrenamtlich im Kloster mithalf. Sie erzählte mir von ihrem Leben, von ihren Freuden und Sorgen, von ihren Erfahrungen mit dem Älterwerden. Sie war eine Quelle der Weisheit und der Inspiration.
Mehr als nur eine Auszeit
Meine Zeit im Kloster war mehr als nur eine Auszeit vom stressigen Alltag. Es war eine Reise zu mir selbst. Ich habe gelernt, die kleinen Dinge im Leben wieder wertzuschätzen, die Natur bewusster wahrzunehmen und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich habe neue Fähigkeiten erworben (wer hätte gedacht, dass ich mal Unkraut jäten würde?) und neue Freundschaften geschlossen.
Natürlich ist das Leben im Kloster nicht jedermanns Sache. Man muss bereit sein, sich anzupassen und Kompromisse einzugehen. Man muss sich auf eine einfachere Lebensweise einlassen und den Luxus des modernen Lebens hinter sich lassen. Aber wer bereit ist, diesen Schritt zu wagen, kann eine unglaublich bereichernde Erfahrung machen.
Wenn ihr also das nächste Mal das Gefühl habt, dem Alltagstrott entfliehen zu müssen, denkt vielleicht mal über Arbeiten im Kloster gegen Kost und Logis nach. Es könnte die beste Entscheidung eures Lebens sein. Und wer weiß, vielleicht entdeckt ihr ja auch euren inneren Gärtner!
Disclaimer: Die hier beschriebene Erfahrung ist natürlich subjektiv. Jedes Kloster ist anders und jede Erfahrung ist individuell. Aber ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in diese ungewöhnliche und bereichernde Möglichkeit geben.
