Arbeitsblatt Die Struktur Des Dramas Der Besuch Der Alten Dame
Habt ihr euch jemals gefragt, wie ein Theaterstück eigentlich aufgebaut ist? Wie ein Haus, nur eben aus Worten und Emotionen? Nehmen wir mal Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame" als Beispiel. Ein Klassiker, den viele kennen, aber vielleicht nicht so genau "auseinandergenommen" haben. Keine Angst, es wird nicht staubtrocken!
Die Bühne als Spielfeld des Lebens
Stellt euch vor, Güllen, ein kleines, heruntergekommenes Städtchen. Die Bewohner sind pleite, die Fabriken marode, Hoffnung Fehlanzeige. Klingt erstmal nicht nach Lachmuskelkater, oder? Aber genau hier betritt Claire Zachanassian die Bühne, eine Milliardärin, die in Güllen ihre Jugend verbracht hat. Und sie hat ein Angebot im Gepäck, das alles verändert.
Die Exposition: Ein trauriger Haufen
Am Anfang lernen wir also Güllen kennen, oder besser gesagt, lieben lernen. Denn trotz der Armut und des Elends, schildert Dürrenmatt die Leute mit einer gewissen Sympathie. Sie sind halt so, wie sie sind. Hier werden die Figuren vorgestellt und der Konflikt angedeutet: Güllen ist am Ende, und nur ein Wunder kann die Stadt retten. Oder eben eine Milliardärin mit einer sehr speziellen Vorstellung von Gerechtigkeit.
Steigende Handlung: Das Angebot, das man nicht ablehnen kann
Claire macht ihr Angebot: Eine Milliarde für Güllen – unter einer Bedingung. Und hier kommt der Clou: Jemand muss sterben. Und zwar Alfred Ill, Claires Jugendliebe, der sie einst verließ und vor Gericht verleugnete. Plötzlich steht nicht mehr nur Güllens finanzielle Zukunft auf dem Spiel, sondern auch die Moral der Bewohner.
Die Spannung steigt, während sich die Güllener zuerst empört zeigen. "So etwas machen wir doch nicht!", heißt es. Aber je länger Claire in Güllen weilt, desto offensichtlicher wird, dass sich die Stadt verändert. Die Leute kaufen auf Kredit, gönnen sich neue Sachen. Sie sind sich sicher: "Wir werden ihn ja nicht wirklich umbringen!" Oder etwa doch?
"Die Gerechtigkeit mag langsam mahlen, aber sie mahlt." - Ein zentraler Gedanke des Stücks, der uns zum Nachdenken anregt.
Der Höhepunkt: Die Entscheidung fällt
Der Wendepunkt ist erreicht, als Ill erkennt, dass er dem sicheren Tod entgegengeht. Er akzeptiert sein Schicksal, während die Güllener immer offener über seinen Tod sprechen. Die Presse ist da, die Welt schaut zu. Und dann, in einer fingierten Bürgerversammlung, wird Ill "zum Tode verurteilt". Keine offizielle Anklage, keine Beweise, nur der Wille der Gemeinschaft.
Fallende Handlung: Die Folgen des Handelns
Nach Ills Tod blüht Güllen auf. Die Wirtschaft boomt, die Leute sind reich. Aber zu welchem Preis? Dürrenmatt zeigt uns die dunkle Seite des menschlichen Handelns. Die Güllener haben ihre Seele verkauft für materiellen Wohlstand. Ist das nun eine Tragödie oder eine Satire? Vielleicht beides!
Die Katastrophe: Ein Happy End?
Das Ende ist bitter, aber auch irgendwie befreiend. Ill ist tot, Güllen gerettet, aber die Moral ist dahin. Dürrenmatt lässt uns mit einem unbehaglichen Gefühl zurück. War es das wert? War das Gerechtigkeit? Oder einfach nur blanker Zynismus?
Mehr als nur ein Schulbuch-Klassiker
"Der Besuch der alten Dame" ist mehr als nur ein Stück über eine rachsüchtige Milliardärin. Es ist eine Parabel über Moral, Gier und die Macht des Geldes. Und es ist verdammt unterhaltsam! Dürrenmatt schafft es, ernste Themen mit Humor und Ironie zu verbinden. Die Figuren sind skurril, die Dialoge pointiert und die Handlung voller Überraschungen.
Wenn ihr das nächste Mal ein Arbeitsblatt über die Struktur des Dramas in die Hand nehmt, denkt daran: Hinter den Begriffen "Exposition", "Steigerung" und "Katastrophe" steckt eine Geschichte, die uns auch heute noch etwas zu sagen hat. Eine Geschichte, die uns zum Lachen und zum Nachdenken bringt. Und vielleicht auch ein bisschen zum Gruseln.
Also, schnappt euch das Buch (oder schaut euch das Stück an!) und lasst euch von Dürrenmatt in eine Welt entführen, in der Moral und Geld oft auf sehr seltsame Weise miteinander verknüpft sind. Ihr werdet es nicht bereuen!
Und vergesst nicht: Auch wenn Güllen weit weg erscheint, die Fragen, die das Stück aufwirft, sind aktueller denn je. Was sind wir bereit zu tun, um unseren Wohlstand zu sichern? Und welchen Preis sind wir bereit dafür zu zahlen?
