Artifizielle Störung Icd 10
Hast du jemals jemanden getroffen, der immer krank ist? Oder vielleicht jemanden, der sich ständig verletzt, auf oft sehr seltsame Weise? Wir alle kennen vielleicht so eine Person. Aber was, wenn es dahinter mehr steckt, als man auf den ersten Blick sieht? Dann sprechen wir vielleicht über etwas, das in der Fachsprache als "Artifizielle Störung" bekannt ist.
Was ist das überhaupt, eine "Artifizielle Störung"?
Klingt kompliziert, oder? Keine Sorge, wir machen es einfach. Stell dir vor, jemand gibt vor, krank zu sein oder verletzt zu sein, oder verursacht sogar absichtlich Symptome, um Aufmerksamkeit oder Zuwendung zu bekommen. Es geht hier nicht darum, sich vor der Arbeit zu drücken oder eine Entschuldigung für eine verpasste Verabredung zu haben. Das ist etwas anderes. Bei der Artifiziellen Störung ist die Motivation, die Rolle des Kranken zu spielen – und zwar oft sehr überzeugend.
Und wo kommt jetzt das ICD-10 ins Spiel? Das ist im Grunde das internationale Handbuch für Ärzte und Psychologen. Es listet alle möglichen Krankheiten und psychischen Störungen auf, inklusive Diagnosekriterien. Die Artifizielle Störung hat da auch ihren Platz. Stell dir das ICD-10 als eine Art Lexikon der Medizin vor. Wenn ein Arzt oder Psychologe eine Diagnose stellt, schlägt er dort nach, um sicherzustellen, dass die Kriterien für diese Diagnose erfüllt sind.
Der Drang nach Aufmerksamkeit
Warum tut jemand so etwas? Das ist eine der schwierigsten Fragen bei dieser Störung. Es geht meistens nicht um materielle Vorteile oder das Vermeiden von Verpflichtungen. Der Hauptgrund ist oft ein tiefes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Zuwendung. Diese Menschen haben möglicherweise in der Vergangenheit erlebt, dass sie nur dann Beachtung gefunden haben, wenn sie krank waren. Oder vielleicht haben sie einfach gelernt, dass Krankheit eine gute Möglichkeit ist, um mit anderen in Kontakt zu treten.
Es gibt verschiedene Arten der Artifiziellen Störung. Manche Menschen erfinden einfach Symptome. Andere fügen sich selbst Verletzungen zu oder manipulieren Testergebnisse. Und wieder andere verschlimmern bestehende Erkrankungen, um länger krank zu sein.
Manchmal ist es wirklich schwer, eine Artifizielle Störung zu erkennen. Die Betroffenen sind oft sehr schlau und wissen genau, wie sie Ärzte und andere Therapeuten täuschen können.
Die "Münchhausen"-Variante: Wenn es noch komplizierter wird
Vielleicht hast du schon mal von dem Münchhausen-Syndrom gehört. Das ist eine besonders schwere Form der Artifiziellen Störung. Dabei täuschen die Betroffenen nicht nur vor, krank zu sein, sondern sie suchen auch aktiv medizinische Behandlungen und Operationen. Sie ziehen von Arzt zu Arzt, von Krankenhaus zu Krankenhaus, immer auf der Suche nach der nächsten medizinischen Herausforderung.
Und dann gibt es noch das Münchhausen-by-Proxy-Syndrom. Das ist besonders tragisch, weil hier eine Person (meistens eine Mutter) bei einem anderen (meistens ihrem Kind) Symptome hervorruft oder vortäuscht, um selbst Aufmerksamkeit zu bekommen. Das ist natürlich Kindesmisshandlung und ein absoluter Albtraum.
Kein Grund zum Witzemachen?
Obwohl die Thematik der Artifiziellen Störung auf den ersten Blick vielleicht etwas skurril wirkt, ist es wichtig zu betonen, dass es sich um eine ernstzunehmende psychische Erkrankung handelt. Die Betroffenen leiden oft sehr darunter, auch wenn sie es vielleicht nicht zugeben würden. Sie befinden sich in einem Teufelskreis, in dem sie immer wieder die Rolle des Kranken spielen, um ihre Bedürfnisse nach Aufmerksamkeit und Zuwendung zu befriedigen.
Humor ist hier vielleicht nicht immer angebracht, aber ein wenig Verständnis und Empathie können helfen. Statt die Betroffenen zu verurteilen, sollten wir versuchen, die Ursachen für ihr Verhalten zu verstehen. Oft stecken tiefe emotionale Probleme dahinter.
Was kann man tun?
Die Behandlung der Artifiziellen Störung ist schwierig und langwierig. Es braucht oft ein Team aus Ärzten, Psychologen und Therapeuten, um den Betroffenen zu helfen. Wichtig ist, dass die Betroffenen lernen, ihre Bedürfnisse nach Aufmerksamkeit und Zuwendung auf gesunde Weise zu befriedigen. Auch die Aufarbeitung traumatischer Erlebnisse kann eine wichtige Rolle spielen.
Wenn du den Verdacht hast, dass jemand in deinem Umfeld an einer Artifiziellen Störung leidet, ist es wichtig, professionelle Hilfe zu suchen. Sprich mit einem Arzt oder Psychologen. Sie können die Situation beurteilen und gegebenenfalls die notwendigen Schritte einleiten.
Letztendlich geht es darum, diesen Menschen zu helfen, ein erfülltes und authentisches Leben zu führen – ohne die Notwendigkeit, ständig krank zu sein oder sich zu verletzen. Es ist ein langer Weg, aber es ist möglich.
