Atkinson Shiffrin Model Of Memory
Stellt euch vor, euer Gehirn ist wie ein verrücktes kleines Theater. Auf der Bühne tanzen, singen und stolpern ständig Erinnerungen herum. Manche sind nur kurz da, ein flüchtiger Blick, wie ein vergessenes Regenschirm in der U-Bahn. Andere bleiben ewig, sitzen fest wie Kaugummi unter dem Schuh – die Melodie aus eurer Kindheit, der Geruch von Omas Apfelkuchen oder der Tag, an dem ihr euren ersten Kuss bekommen habt.
Das ist, vereinfacht gesagt, das Atkinson-Shiffrin-Modell, auch bekannt als das Mehrspeichermodell. Zwei kluge Köpfe, Richard Atkinson und Richard Shiffrin, haben sich in den 1960ern zusammengesetzt und versucht, Ordnung in dieses chaotische Theater zu bringen. Sie haben gesagt: Moment mal, da gibt es ja verschiedene Bühnen, verschiedene Speichersysteme, durch die die Erinnerungen wandern!
Die erste Bühne: Der sensorische Speicher
Die erste Bühne ist der sensorische Speicher. Das ist wie der Vorhang, der sich kurz lüftet, bevor das eigentliche Stück beginnt. Alles, was eure Sinne aufnehmen – was ihr seht, hört, riecht, schmeckt, fühlt – landet erstmal hier. Aber Achtung: Diese Bühne ist extrem flüchtig. Alles ist blitzschnell wieder weg, es sei denn, ihr schenkt dem Ganzen bewusst Aufmerksamkeit. Stellt euch vor, ihr geht durch die Stadt. Ihr nehmt unzählige Geräusche, Bilder und Gerüche wahr. Die meisten davon sind im nächsten Moment vergessen. Aber wenn ihr beispielsweise ein besonders schönes Lied hört und bewusst hinhört, dann… ja, dann geht’s weiter zur nächsten Bühne!
Die zweite Bühne: Der Kurzzeitspeicher (oder Arbeitsgedächtnis)
Die zweite Bühne ist der Kurzzeitspeicher, auch oft als Arbeitsgedächtnis bezeichnet. Hier wird es schon spannender. Das ist wie der eigentliche Bühnenraum, wo die Schauspieler (die Erinnerungen) ein kurzes Stück aufführen dürfen. Aber auch hier ist die Zeit begrenzt. Denkt an eine Telefonnummer, die ihr gerade nachgeschlagen habt. Ihr könnt sie kurz behalten, während ihr sie wählt. Aber sobald das Gespräch vorbei ist, ist die Nummer meistens wieder vergessen. Das Arbeitsgedächtnis ist also wie ein Notizzettel – praktisch für kurze Informationen, aber nichts für die Ewigkeit.
Hier kommt der Clou: Damit etwas im Kurzzeitspeicher bleibt, muss es aktiv wiederholt werden, zum Beispiel durch lautes Vorsagen. Stell dir vor, du bist ein Schauspieler und musst deinen Text immer wieder üben, damit du ihn nicht vergisst. Diese Wiederholung nennt man im Fachjargon "Aufrechterhaltungsprozesse."
Ein kleiner Trick: Chunking
Das Arbeitsgedächtnis hat auch eine begrenzte Kapazität. Früher dachte man, es könnten nur etwa sieben Informationseinheiten gleichzeitig gespeichert werden – die berühmte "Magische Zahl 7 +/- 2". Aber es gibt einen Trick! Man kann kleinere Informationseinheiten zu größeren "Chunks" zusammenfassen. Statt sich zum Beispiel die Ziffernfolge 1-9-4-5-1-9-9-2 einzeln zu merken, könnte man sie in 1945 und 1992 aufteilen. Schon hat man Platz gespart!
Die dritte Bühne: Der Langzeitspeicher
Und dann kommt die Königsdisziplin: der Langzeitspeicher. Das ist wie das riesige Archiv hinter der Bühne, wo alle Kostüme, Requisiten und Drehbücher für alle jemals aufgeführten Stücke aufbewahrt werden. Hier landen die Erinnerungen, die wirklich wichtig sind – die, die wir bewusst wiederholt haben, die emotional aufgeladen sind oder die einfach nur oft genug vorgekommen sind.
Der Langzeitspeicher ist riesig, quasi unbegrenzt. Und die Erinnerungen, die hier landen, können wir oft ein Leben lang abrufen. Denkt an eure erste Liebe, an den Tag, an dem ihr euren Führerschein bestanden habt, oder an das Gesicht eurer Oma. All das ist tief im Langzeitspeicher verankert.
Es ist wie ein riesiges Netzwerk von Verbindungen. Je stärker die Verbindung, desto leichter fällt es uns, uns an etwas zu erinnern. Und je öfter wir eine Erinnerung abrufen, desto stärker wird die Verbindung.
Wichtig: Der Übergang von Kurzzeit- zum Langzeitspeicher ist kein automatischer Prozess. Es braucht Anstrengung und Wiederholung, um Informationen dauerhaft zu verankern. Denkt an das Lernen für eine Prüfung. Je mehr ihr den Stoff wiederholt, desto besser wird er im Langzeitspeicher gespeichert und desto leichter könnt ihr ihn abrufen, wenn es darauf ankommt.
Natürlich ist das Atkinson-Shiffrin-Modell eine Vereinfachung der Realität. Unser Gehirn ist viel komplexer als ein Theater mit drei Bühnen. Es gibt andere Modelle, die noch detailliertere Erklärungen liefern. Aber das Modell von Atkinson und Shiffrin ist ein wunderbarer Ausgangspunkt, um zu verstehen, wie unser Gedächtnis funktioniert. Es zeigt uns, dass Erinnern ein aktiver Prozess ist, der Aufmerksamkeit, Wiederholung und emotionale Beteiligung erfordert. Und vielleicht erinnert ihr euch ja jetzt besser daran, wo ihr euren Schlüssel hingelegt habt, oder zumindest daran, wie wichtig es ist, aufzupassen!
