Attentat Vom 20 Juli 1944
Hallo liebe Reisefreunde! Heute nehme ich euch mit auf eine ganz besondere, und zugegeben, auch sehr ernste Reise. Keine Sorge, wir tauschen die Badehose nicht gegen den Trenchcoat. Aber wir tauchen tief in die deutsche Geschichte ein, genauer gesagt in einen Tag, der das Land für immer veränderte: den 20. Juli 1944.
Ich befinde mich gerade in Berlin, einer Stadt, die wie keine andere die Narben der Vergangenheit trägt und gleichzeitig eine unglaubliche Vitalität ausstrahlt. Es ist ein perfekter Ort, um über das Attentat auf Hitler zu sprechen – ein Ereignis, das so eng mit dieser Stadt verbunden ist.
Das Bendlerblock: Ein Ort des Widerstands
Unsere Reise beginnt am Bendlerblock, heute Sitz des Bundesministeriums der Verteidigung. Aber lasst euch von der nüchternen Atmosphäre des Regierungsgebäudes nicht täuschen. Hier, in diesen Mauern, spielten sich vor über 75 Jahren dramatische Szenen ab. Es war das Zentrum des militärischen Widerstands gegen das NS-Regime. Stellt euch vor: Hinter diesen Fenstern schmiedeten Männer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg den Plan, Hitler zu töten und das Nazi-Regime zu stürzen.
Betreten wir das Gelände. Ein stiller Innenhof empfängt uns. Die Stille ist fast greifbar, als ob die Vergangenheit hier noch immer nachhallt. Es ist ein Ort der Besinnung, der zum Nachdenken anregt. Hier befindet sich das Gedenkzentrum Deutscher Widerstand. Ein Besuch ist absolut empfehlenswert! Die Ausstellung dokumentiert auf beeindruckende Weise die Vielfalt des Widerstandes gegen die Nationalsozialisten – von einzelnen mutigen Bürgern bis hin zu organisierten Gruppen. Man erfährt nicht nur von Stauffenberg und seinen Mitverschwörern, sondern auch von anderen, oft vergessenen Helden, die ihr Leben riskierten, um gegen die Unmenschlichkeit anzukämpfen.
Besonders bewegend ist der Innenhof, der Hinrichtungsstätte. Hier wurden Stauffenberg, Olbricht, Quirnheim und Haeften in den frühen Morgenstunden des 21. Juli 1944 erschossen. Ein schlichtes Denkmal erinnert an sie: eine Bronzefigur eines nackten Mannes, der am Boden liegt – ein Symbol für die Opfer des Widerstands. Es ist ein Ort der Trauer, aber auch der Mahnung: Nie wieder!
Die Vorbereitung des Attentats
Lasst uns kurz innehalten und uns die Ereignisse des 20. Juli 1944 vor Augen führen. Stauffenberg, ein hochdekorierter Offizier, war fest entschlossen, Hitler zu stoppen. Er erkannte, dass der Krieg verloren war und dass das NS-Regime Deutschland in den Abgrund trieb. Er schloss sich dem Kreis der Verschwörer an, die schon lange nach einem Weg suchten, Hitler zu beseitigen.
Der Plan war riskant und komplex. Stauffenberg sollte eine Bombe in der Wolfsschanze, Hitlers Hauptquartier in Ostpreußen (heute Polen), platzieren. Die Wolfsschanze war ein Hochsicherheitsbereich, schwer bewacht und hermetisch abgeriegelt. Allein die Anreise dorthin war ein logistischer Alptraum.
Am 20. Juli gelang es Stauffenberg, eine Bombe in einer Aktentasche in der Nähe von Hitler zu platzieren. Die Bombe explodierte, aber Hitler überlebte schwer verletzt. Der Anschlag scheiterte.
Die Nachricht vom gescheiterten Attentat verbreitete sich wie ein Lauffeuer. In Berlin, im Bendlerblock, versuchten die Verschwörer, die Kontrolle zu übernehmen und den Staatsstreich, die Operation Walküre, in Gang zu setzen. Sie glaubten, Hitler sei tot und dass die Zeit für einen Neuanfang gekommen sei.
Die Nacht der langen Messer im Bendlerblock
Doch der Schein trügte. Hitler lebte. Und die Loyalität der Wehrmacht, die die Verschwörer für sich gewinnen wollten, war nicht so sicher, wie sie gehofft hatten. Es kam zu chaotischen Szenen im Bendlerblock. Die Verschwörer wurden entlarvt, verhaftet und noch in derselben Nacht standrechtlich erschossen. Stauffenberg selbst wurde in den frühen Morgenstunden des 21. Juli hingerichtet. Seine letzten Worte sollen gewesen sein: "Es lebe das heilige Deutschland!"
Der gescheiterte Anschlag hatte verheerende Folgen. Die Nazis starteten eine gnadenlose Verfolgung aller vermeintlichen und tatsächlichen Widerstandskämpfer. Tausende Menschen wurden verhaftet, gefoltert und hingerichtet. Der Terror des NS-Regimes erreichte einen neuen Höhepunkt.
Mehr als nur Stauffenberg: Die Vielfalt des Widerstands
Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass Stauffenberg und seine Mitverschwörer nur ein Teil des deutschen Widerstands waren. Es gab viele andere Gruppen und Einzelpersonen, die auf unterschiedliche Weise gegen das NS-Regime kämpften. Da waren die Mitglieder der Weißen Rose, Studenten, die Flugblätter gegen den Krieg und die Gräueltaten der Nazis verteilten. Da waren die Arbeiter, die sabotierten und streikten. Da waren die Geistlichen, die sich gegen die NS-Ideologie stellten. Und da waren die vielen namenlosen Helden, die im Verborgenen Menschen versteckten und ihnen halfen zu überleben.
In Berlin findet man an vielen Orten Spuren des Widerstands. Ein Besuch des Deutschen Historischen Museums ist sehr empfehlenswert, um einen umfassenden Überblick über die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts zu erhalten. Auch das Topographie des Terrors, das sich auf dem Gelände der ehemaligen Gestapo- und SS-Zentrale befindet, ist ein erschütterndes Zeugnis der NS-Verbrechen.
Warum diese Reise wichtig ist
Ich weiß, dass dieser Ausflug in die deutsche Geschichte vielleicht nicht der typische Urlaubsausflug ist. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es wichtig ist, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft zu gestalten. Der 20. Juli 1944 ist ein Mahmal, das uns daran erinnert, dass Zivilcourage und Widerstand gegen Unrecht immer notwendig sind. Es ist eine Geschichte von Mut, von Verzweiflung, aber auch von Hoffnung.
Wenn ihr nach Berlin kommt, nehmt euch die Zeit, das Bendlerblock zu besuchen und euch mit der Geschichte des deutschen Widerstands auseinanderzusetzen. Es ist eine Erfahrung, die euch nachhaltig prägen wird. Und vielleicht werdet ihr danach die Welt mit anderen Augen sehen.
Bis zum nächsten Mal und bleibt neugierig!
Eure Reisebloggerin
