Auszug Aus ägypten Für Kinder Erklärt
Der Auszug aus Ägypten, im Hebräischen als "Yetziat Mitzrayim" bekannt, ist eine der zentralen Erzählungen im Judentum und Christentum. Er beschreibt die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten unter der Führung von Mose und den anschließenden Bundesschluss mit Gott am Berg Sinai. Die Geschichte ist im Buch Exodus der Bibel detailliert beschrieben und hat tiefgreifende theologische, kulturelle und ethische Bedeutung.
Der Kontext: Sklaverei in Ägypten
Die Israeliten, Nachkommen Jakobs (auch Israel genannt), waren nach Ägypten gezogen, um einer Hungersnot in Kanaan zu entkommen. Anfänglich wurden sie vom Pharao willkommen geheißen, doch im Laufe der Zeit wuchs ihre Zahl, und ein neuer Pharao, der Josef nicht kannte, fürchtete ihre Macht. Er versklavte die Israeliten und zwang sie zu harter Arbeit, einschließlich des Baus von Städten und anderer monumentaler Bauprojekte. Die Bibel beschreibt die Bedingungen der Sklaverei als brutal und entmenschlichend.
Die Unterdrückung der Israeliten
Der Pharao versuchte, das Wachstum der israelitischen Bevölkerung zu kontrollieren, indem er befahl, alle neugeborenen männlichen israelitischen Babys zu töten. Diese Anordnung führte dazu, dass Moses Mutter, Jochebed, ihn in einem Korb auf dem Nil aussetzte, um ihn vor dem Tod zu bewahren. Er wurde von der Tochter des Pharao gefunden und aufgezogen, was ihm eine einzigartige Position am Hofe ermöglichte und ihn gleichzeitig mit dem Leid seines Volkes in Kontakt brachte.
Mose: Der Auserwählte
Mose wuchs am Hofe des Pharao auf, aber er blieb seinen israelitischen Wurzeln verbunden. Eines Tages, als er sah, wie ein ägyptischer Aufseher einen israelitischen Sklaven schlug, griff er ein und tötete den Ägypter. Aus Angst vor den Konsequenzen floh Mose nach Midian, wo er ein einfaches Hirtenleben führte und Zippora heiratete, die Tochter des Priesters Jitro. In Midian begegnete Mose Gott am brennenden Dornbusch.
Die Berufung am brennenden Dornbusch
Gott erschien Mose in Form eines brennenden Dornbuschs, der nicht verbrannte. Gott beauftragte Mose, nach Ägypten zurückzukehren und den Pharao aufzufordern, die Israeliten freizulassen. Mose zögerte, fühlte sich unzulänglich und sprachschwach. Gott versicherte ihm jedoch seine Unterstützung und gab ihm seinen Bruder Aaron als Sprecher. Gott offenbarte Mose auch seinen Namen: "Ich bin, der ich bin" (hebräisch: Ehyeh asher Ehyeh), was eine tiefe Aussage über Gottes Selbstständigkeit und ewiges Wesen ist.
Die Zehn Plagen
Mose und Aaron kehrten nach Ägypten zurück und baten den Pharao, die Israeliten freizulassen. Der Pharao weigerte sich hartnäckig, selbst nachdem Mose und Aaron Zeichen und Wunder vollbracht hatten, um Gottes Macht zu demonstrieren. Daraufhin sandte Gott zehn Plagen über Ägypten, um den Pharao zu zwingen, seinen Willen zu beugen.
Die Liste der Plagen
- Verwandlung des Nil in Blut: Das Wasser des Nil wurde zu Blut, tötete alle Fische und machte das Wasser ungenießbar.
- Froschplage: Eine große Anzahl von Fröschen überflutete das Land.
- Mückenplage: Schwärme von Mücken plagten Menschen und Tiere.
- Ungezieferplage: Schwärme von Bremsen oder Fliegen befielen das Land.
- Viehpest: Eine tödliche Seuche raffte das Vieh der Ägypter dahin.
- Geschwürplage: Schmerzhafte Geschwüre brachen an Menschen und Tieren aus.
- Hagelplage: Ein verheerender Hagelsturm zerstörte Ernten und beschädigte Häuser.
- Heuschreckenplage: Schwärme von Heuschrecken fraßen alle verbliebenen Pflanzen.
- Finsternis: Eine dreitägige Finsternis bedeckte das Land.
- Tod der Erstgeborenen: Der Engel des Todes tötete alle Erstgeborenen Ägypter, sowohl Menschen als auch Tiere.
Jede Plage war eine Demonstration von Gottes Macht über die Götter Ägyptens und sollte den Pharao demütigen und zur Freilassung der Israeliten bewegen. Erst nach der zehnten und verheerendsten Plage, dem Tod der Erstgeborenen, gab der Pharao nach.
Der Auszug und das Pessachfest
Nach dem Tod der Erstgeborenen befahl der Pharao den Israeliten, Ägypten zu verlassen. Die Israeliten bereiteten sich hastig auf ihren Auszug vor und backten ungesäuertes Brot, da keine Zeit zum Warten auf das Aufgehen des Teiges war. Diese Nacht wird jährlich als Pessach (Passah) gefeiert, um an die Befreiung aus der Sklaverei und Gottes Schutz über die Israeliten zu erinnern. Die zehnten Plage ging an den Häusern der Israeliten vorbei, die ihre Türpfosten mit dem Blut eines Lammes bestrichen hatten, als Zeichen des Bundes mit Gott.
Der Durchzug durch das Rote Meer
Nachdem die Israeliten Ägypten verlassen hatten, bereute der Pharao seine Entscheidung und verfolgte sie mit seiner Armee. Die Israeliten befanden sich an der Küste des Roten Meeres gefangen, mit der ägyptischen Armee im Rücken. In diesem Moment des scheinbar unausweichlichen Untergangs wirkte Gott ein Wunder. Mose streckte seinen Stab aus, und Gott teilte das Rote Meer, sodass die Israeliten auf trockenem Boden hindurchziehen konnten. Als die ägyptische Armee ihnen folgte, ließ Gott das Meer zurückfluten und ertränkte die gesamte Armee des Pharao. Dieses Ereignis wird als ein zentraler Beweis für Gottes Macht und Treue gegenüber seinem Volk angesehen.
Die Wüstenwanderung und der Bundesschluss
Nach dem Durchzug durch das Rote Meer wanderten die Israeliten vierzig Jahre lang durch die Wüste. Diese Zeit war eine Prüfung ihres Glaubens und ihrer Treue zu Gott. In der Wüste versorgte Gott sie auf wundersame Weise mit Manna (Brot vom Himmel) und Wasser aus einem Felsen.
Die Offenbarung am Berg Sinai
Am Berg Sinai offenbarte Gott Mose die Zehn Gebote und gab ihm die Tora, die göttliche Lehre und das Gesetz, das die Grundlage für das Leben des Volkes Israel bilden sollte. Die Zehn Gebote sind eine Zusammenfassung grundlegender ethischer und moralischer Prinzipien, die für das Judentum, Christentum und Islam von zentraler Bedeutung sind. Der Bundesschluss am Sinai begründete die besondere Beziehung zwischen Gott und dem Volk Israel und verpflichtete sie, seine Gebote zu halten.
Die Bedeutung des Auszugs
Der Auszug aus Ägypten ist ein grundlegendes Ereignis in der jüdischen Geschichte und Theologie. Er symbolisiert die Befreiung von Unterdrückung, die Hoffnung auf Erlösung und die Bedeutung des Bundes zwischen Gott und seinem Volk. Die Geschichte des Auszugs wird jährlich während des Pessachfestes gefeiert, um an Gottes Treue und die Befreiung aus der Sklaverei zu erinnern. Die Erzählung dient auch als Inspirationsquelle für Bewegungen, die sich für soziale Gerechtigkeit und die Befreiung unterdrückter Völker einsetzen.
Theologische und Ethische Implikationen
Der Auszug aus Ägypten lehrt uns, dass Gott sich der Unterdrückung bewusst ist und sich für die Befreiung der Unterdrückten einsetzt. Er betont die Bedeutung von Gerechtigkeit, Freiheit und der Einhaltung von Gottes Geboten. Die Geschichte des Auszugs ist eine Mahnung, sich gegen Ungerechtigkeit zu wehren und für die Freiheit und Würde aller Menschen einzutreten.
Die Relevanz heute
Obwohl der Auszug aus Ägypten ein historisches Ereignis ist, bleibt seine Botschaft für uns heute relevant. Die Geschichte erinnert uns daran, dass wir uns immer für die Freiheit einsetzen und uns gegen jede Form von Unterdrückung stellen müssen. Sie ermutigt uns, Hoffnung zu bewahren und darauf zu vertrauen, dass Gott uns in unseren Schwierigkeiten beisteht. Die Erzählung vom Auszug aus Ägypten ist ein zeitloses Symbol der Hoffnung und Befreiung für alle, die sich in irgendeiner Form von Knechtschaft befinden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Auszug aus Ägypten eine tiefgründige Erzählung ist, die uns etwas über Glauben, Befreiung und die Bedeutung des Bundes lehrt. Sie ist ein Eckpfeiler der jüdischen und christlichen Tradition und inspiriert weiterhin Menschen auf der ganzen Welt.
