Auto Geht Beim Fahren Aus
Meine Lieben, lasst mich euch eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte von Staub, Sonne, Nervenkitzel und... einem unerwarteten Aussetzer mitten im Nirgendwo. Ja, ihr habt richtig gelesen. Mitten in meinem Roadtrip durch die Toskana, als ich gerade dabei war, das perfekte Foto von sanften Hügeln und Zypressenalleen zu schießen, beschloss mein treues (oder eben doch nicht so treues) Auto, einfach den Geist aufzugeben.
Ich erinnere mich noch genau an den Moment. Die Sonne stand hoch am Himmel, die Luft flimmerte vor Hitze, und die Zikaden zirpten ihr ohrenbetäubendes Lied. Ich war auf einer kleinen, kurvenreichen Landstraße unterwegs, die sich wie ein grünes Band durch die Landschaft zog. Ich hatte gerade den malerischen Ort San Gimignano hinter mir gelassen, bekannt für seine mittelalterlichen Geschlechtertürme, und freute mich auf das nächste Abenteuer. Im Radio lief ein italienischer Popsong, den ich natürlich nicht verstand, aber trotzdem fröhlich mitsummte. Und dann, *peng!*, war alles still.
Der Motor stotterte kurz, ruckelte ein paar Mal, und verstummte dann endgültig. Die Servolenkung fiel aus, und das Auto rollte langsam auf den Seitenstreifen. Ich drückte aufs Gaspedal, aber nichts passierte. Totenstille, außer dem Zirpen der Zikaden, das mir plötzlich höhnisch vorkam. Ich war mitten im *absoluten* Nirgendwo gestrandet.
Mein erster Gedanke? "Na toll!" Mein zweiter Gedanke? "Ich brauche einen Espresso." Aber da war ja weit und breit keine Bar in Sicht. Stattdessen nur Felder, Weinberge und die gnadenlose toskanische Sonne. Ich atmete tief durch und versuchte, die Ruhe zu bewahren. Panik hilft ja bekanntlich auch nicht weiter.
Ich schaltete die Warnblinkanlage ein und stieg aus dem Auto. Die Hitze schlug mir wie eine Faust ins Gesicht. Ich warf einen Blick unter die Motorhaube, in der Hoffnung, irgendetwas Offensichtliches zu entdecken, aber ich bin ja kein Mechaniker. Für mich sah alles kompliziert und ölig aus. Also beschloss ich, das zu tun, was jeder moderne Reisende in so einer Situation tun würde: mein Handy zücken und nach Hilfe suchen.
Doch dann die nächste Enttäuschung. Kein Empfang. Absolut *kein* Empfang. Ihr könnt euch vorstellen, wie begeistert ich war. Da stand ich nun, mitten in der Pampa, mit einem defekten Auto, ohne Handyempfang und ohne Espresso. Die Toskana, so wunderschön sie auch ist, kann manchmal ganz schön unbarmherzig sein.
Ich überlegte kurz, was ich tun sollte. Zu Fuß zurück nach San Gimignano laufen? Eher keine gute Idee bei der Hitze. Warten, bis jemand vorbeikommt? Vielleicht. Aber wann? Ich beschloss, es mit Plan B zu versuchen: mein Glück herausfordern und hoffen, dass irgendwo in der Nähe ein Bauer wohnt, der vielleicht ein Telefon und Ahnung von Autos hat.
Ich packte meine Wasserflasche und meinen Sonnenhut ein und machte mich auf den Weg. Zum Glück führte ein kleiner Feldweg in Richtung eines Gehöfts, das ich in der Ferne sehen konnte. Ich stapfte los, die Sonne im Nacken und die Hoffnung im Herzen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichte ich endlich das Gehöft. Es war ein typisch toskanisches Bauernhaus, mit einem kleinen Garten, einem Hühnerstall und einem knorrigen Olivenbaum. Eine alte Frau saß auf einer Bank vor dem Haus und schälte Gemüse. Sie sah mich überrascht an, als ich mich ihr näherte.
Ich versuchte, ihr auf Italienisch zu erklären, was passiert war. Mein Italienisch ist zwar nicht gerade perfekt, aber irgendwie verstand sie mich. Sie nickte verständnisvoll und winkte mich herein. Sie sprach kein Englisch und kein Deutsch, aber mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Italienisch gelang es uns, uns zu verständigen.
Sie bot mir Wasser an und holte ihren Mann, einen alten Bauern mit wettergegerbtem Gesicht und freundlichen Augen. Er hörte sich meine Geschichte an und nickte dann. Er war zwar auch kein Mechaniker, aber er hatte einen Freund, der sich mit Autos auskannte und in einem nahegelegenen Dorf wohnte.
Der Bauer telefonierte (tatsächlich, sie hatten ein Festnetztelefon!) und erklärte meinem potentiellen Retter die Situation. Nach einer Weile legte er auf und sagte: "Er kommt."
Ich war so erleichtert! Ich bedankte mich tausendmal bei dem Bauernpaar und wartete gespannt auf den Mechaniker. In der Zwischenzeit bot mir die alte Frau eine Scheibe Brot mit Olivenöl und Tomaten an. Es war das leckerste Brot, das ich je gegessen habe. Vielleicht lag es an dem Hunger, vielleicht an der toskanischen Luft, vielleicht an der Gastfreundschaft der Menschen. Auf jeden Fall war es ein unvergessliches Erlebnis.
Nach etwa einer Stunde kam endlich der Mechaniker. Er war ein junger Mann mit ölverschmierten Händen und einem breiten Grinsen. Er warf einen Blick unter die Motorhaube meines Autos und diagnostizierte das Problem sofort: Ein defekter Zündverteiler. Er hatte sogar einen passenden Ersatz dabei!
Innerhalb einer halben Stunde hatte er den Zündverteiler ausgetauscht, und mein Auto lief wieder wie am Schnürchen. Ich war überglücklich! Ich bedankte mich überschwänglich bei dem Mechaniker und dem Bauernpaar und bot ihnen Geld an, aber sie lehnten ab. Sie sagten, sie hätten mir gerne geholfen und es sei ihnen eine Ehre, einem Reisenden in Not beizustehen.
Ich verabschiedete mich von ihnen mit einem dicken Grinsen im Gesicht und fuhr weiter durch die Toskana. Die Sonne schien, die Zikaden zirpten, und der italienische Popsong im Radio klang plötzlich viel fröhlicher. Ich hatte gelernt, dass man sich auch in den schwierigsten Situationen auf die Freundlichkeit der Menschen verlassen kann. Und dass man in der Toskana niemals ohne ausreichend Wasser und eine gute Portion Geduld unterwegs sein sollte.
Was ich gelernt habe:
Seid vorbereitet:
Stellt sicher, dass euer Auto in einem guten Zustand ist, bevor ihr einen Roadtrip startet. Lasst es vorher in der Werkstatt durchchecken. Und packt ein paar Werkzeuge und Ersatzteile ein, falls ihr selbst ein bisschen Ahnung von Autos habt.
Habt einen Plan B:
Informiert euch über die Telefonnummern von Pannendiensten und Abschleppdiensten in der Region, die ihr bereist. Und speichert sie auf eurem Handy (oder schreibt sie auf einen Zettel, falls der Akku leer ist).
Seid freundlich:
Auch wenn ihr gestresst und frustriert seid, bleibt freundlich und höflich. Die Menschen werden euch eher helfen, wenn ihr nett zu ihnen seid.
Genießt die Reise:
Auch wenn etwas schiefgeht, versucht, positiv zu bleiben und das Beste aus der Situation zu machen. Manchmal sind es gerade die unerwarteten Ereignisse, die eine Reise unvergesslich machen.
Also, liebe Reisende, lasst euch von meiner Geschichte nicht abschrecken. Die Toskana ist ein wunderschönes Land, das es zu entdecken lohnt. Aber seid gewarnt: Es kann auch mal etwas schiefgehen. Aber keine Sorge, mit ein bisschen Glück und der Hilfe freundlicher Menschen werdet ihr jede Herausforderung meistern. Und vielleicht habt ihr am Ende sogar eine noch spannendere Geschichte zu erzählen als ich.
Und denkt daran: Vergesst den Espresso nicht!
