Auto Seit 3 Monaten In Der Werkstatt
Hallo ihr Lieben, Fernweh-Geplagten und Abenteuerlustigen!
Ich sitze hier gerade in meinem kleinen, aber feinen Cottage in der Cotswolds Region, umgeben von sanften Hügeln und friedlich grasenden Schafen. Eigentlich wäre ich jetzt auf dem Weg nach Schottland. Die Highlands ruuuufen! Allerdings… der Ruf ist etwas leiser geworden, denn mein treuer Reisebegleiter, mein geliebter Oldtimer namens “Rudi”, hat sich kurzerhand entschieden, eine *längere* Wellness-Kur in einer Werkstatt in Deutschland einzulegen. Und mit länger meine ich… nun ja… drei Monate. Drei Monate!!!
Eine Liebesgeschichte mit Hindernissen: Rudi und ich
Rudi ist ein roter VW Bulli T2. Baujahr 1978. Ein waschechter Hippie-Van mit Charakter und Macken, so charmant, dass man ihm einfach alles verzeihen muss. Wir haben schon so viel zusammen erlebt! Vom Nordkap bis zur Toskana, von den schottischen Highlands (bevor er beschloss, dass Deutschland auch ganz nett ist) bis zu den sonnenverwöhnten Stränden Portugals. Rudi ist mehr als nur ein Auto für mich. Er ist mein Zuhause auf Rädern, mein bester Freund und ein zuverlässiger (naja… meistens zuverlässiger) Partner bei all meinen Reiseabenteuern.
Aber, wie das so ist in Beziehungen, gibt es auch mal holprige Phasen. Und Rudis holprige Phase begann mit einem unscheinbaren Geräusch auf der Autobahn A7. Ein leises Klackern, das sich mit der Zeit zu einem besorgniserregenden Knattern entwickelte. Ich dachte erst, es sei nur ein Stein im Reifenprofil, aber das Knattern wurde lauter und irgendwann fing der Motor an, unrund zu laufen. Panik stieg in mir auf. Mitten auf der A7, im dichten Verkehr, mit einem Oldtimer, der beschloss, einen auf “Diva” zu machen. Fantastisch!
Ich schaffte es gerade noch auf einen Parkplatz. Diagnose vom ADAC: Irgendwas am Motor, muss in die Werkstatt. Und damit begann das, was ich liebevoll als “Operation Rudi” bezeichne.
Die Werkstatt-Odyssee: Drei Monate im Wartestand
Die erste Werkstatt, zu der Rudi abgeschleppt wurde, war zwar nett, aber leider nicht wirklich auf Oldtimer spezialisiert. Nach einer Woche hieß es: “Tut uns leid, das ist zu kompliziert, da müssen Sie zu jemand anderem.” Super.
Die zweite Werkstatt war da schon vielversprechender. Ein kleiner, aber feiner Betrieb, geführt von einem passionierten Oldtimer-Liebhaber namens Herr Müller. Herr Müller hörte sich das Knattern an, schraubte ein bisschen herum und sagte dann den Satz, der mir schon fast vertraut vorkam: “Das ist komplizierter als gedacht.”
Aber Herr Müller gab nicht auf. Er bestellte Ersatzteile, die teilweise schwieriger zu finden waren als die Nadel im Heuhaufen (fragt mich nicht, wie viele Telefonate mit irgendwelchen Oldtimer-Clubs ich geführt habe). Er schraubte, justierte und fluchte (ich habe gelernt, dass Oldtimer-Reparaturen immer mit einem gewissen Grad an Flucherei einhergehen). Und er hielt mich auf dem Laufenden.
Nach zwei Monaten und unzähligen Anrufen hieß es dann: “Wir haben das Problem gefunden! Es war ein defektes Nockenwellenlager und ein verschlissener Stößel.” Ich nickte verständnisvoll, obwohl ich keine Ahnung hatte, was das genau bedeutet. Hauptsache, Rudi wird wieder gesund!
Aber die Freude war nur von kurzer Dauer. Denn dann kam der nächste Anruf: “Die bestellten Ersatzteile passen nicht. Es gibt wohl verschiedene Ausführungen des Motors und wir haben die falsche bestellt.” Argh! Ich hätte schreien können. Ich atmete tief durch und sagte zu Herrn Müller: “Dann bestellen Sie die richtigen!”
Und so vergingen weitere Wochen. Neue Ersatzteile, neue Hoffnung, neue Anrufe. Irgendwann verlor ich den Überblick über die Kosten und die investierte Zeit. Ich dachte nur noch: Hauptsache, Rudi fährt wieder.
Was ich in der Werkstatt-Wartezeit gelernt habe
Diese unfreiwillige Pause hat mir aber auch einiges gelehrt. Zum einen, die Kunst der Geduld. Ich bin normalerweise ein sehr ungeduldiger Mensch, aber drei Monate Warten auf ein Auto, das repariert wird, haben mich gezwungen, mich zu entspannen und die Dinge auf mich zukommen zu lassen. Zum anderen habe ich gelernt, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Ein Spaziergang in der Natur, ein gutes Buch, ein Gespräch mit Freunden – Dinge, die ich oft vernachlässigt habe, wenn ich unterwegs war.
Und schließlich habe ich gelernt, dass es in Ordnung ist, Pläne zu ändern. Ich hatte mich so auf die Schottlandreise gefreut, aber das Leben hat eben manchmal andere Pläne. Und vielleicht ist es ja auch ganz schön, mal für eine Weile an einem Ort zu bleiben und die Umgebung genauer zu erkunden. Die Cotswolds sind schließlich auch wunderschön!
Empfehlungen für Reisende in der Warteschleife
Wenn auch ihr mal in die Situation kommt, dass euer fahrbarer Untersatz streikt und ihr unfreiwillig an einem Ort “stranden” müsst, hier ein paar Tipps von mir:
- Seht es als Chance! Betrachtet die Situation nicht als Katastrophe, sondern als Möglichkeit, etwas Neues zu entdecken. Recherchiert, was es in der Umgebung zu sehen gibt, und lasst euch einfach treiben.
- Lernt die Einheimischen kennen! Fragt in Cafés, Restaurants oder im Pub nach Geheimtipps und Insidertipps. Die Locals kennen ihre Gegend am besten und können euch Orte zeigen, die in keinem Reiseführer stehen.
- Probiert die lokale Küche! Jede Region hat ihre eigenen Spezialitäten. Nutzt die Gelegenheit, neue Gerichte kennenzulernen und euren Gaumen zu verwöhnen.
- Bleibt flexibel! Plant nicht zu viel im Voraus und seid bereit, eure Pläne spontan zu ändern. Das Leben ist unvorhersehbar, und das ist auch gut so!
- Und das Wichtigste: Bleibt positiv! Auch wenn es manchmal frustrierend sein kann, versucht, das Beste aus der Situation zu machen und euch nicht unterkriegen zu lassen.
Die Hoffnung stirbt zuletzt (und ein kleiner Vorgeschmack auf Schottland)
Ich hoffe, dass ich Rudi bald wieder in die Arme schließen kann. Herr Müller hat mir versprochen, dass er ihn in den nächsten Tagen fertig bekommt. Und dann… dann geht es endlich los nach Schottland!
Ich habe schon eine grobe Route geplant: Von Edinburgh aus geht es entlang der Küste nach Norden, vorbei an malerischen Fischerdörfern und beeindruckenden Burgen. Ich werde die Highlands durchqueren, die berühmten Lochs besuchen und natürlich auch ein Glas schottischen Whisky probieren (oder vielleicht auch zwei…).
Sobald Rudi wieder fit ist, werde ich euch natürlich mit auf meine Reise nehmen. Also bleibt dran und freut euch auf neue Abenteuer! Und bis dahin: Genießt das Leben, wo immer ihr gerade seid!
Eure (ungeduldig wartende)
Sarah
P.S.: Wenn jemand von euch zufällig in der Nähe von Hildesheim wohnt und einen guten Tipp für einen *wirklich* zuverlässigen Oldtimer-Mechaniker hat (falls Rudi nochmal zicken sollte… man weiß ja nie…), dann immer her damit! Ich bin für jeden Tipp dankbar!
