Baby Schreit Abends Wie Am Spieß
Hallo liebe Reisefamilien! Eure Jenny hier, eure Reisebloggerin mit Herz – und manchmal auch mit etwas dünneren Nerven. Denn, Hand aufs Herz, wer kennt es nicht: Man ist im Urlaub, die Sonne scheint, die Landschaft ist atemberaubend… und dann fängt das Baby an zu schreien. Nicht einfach nur quengelig, sondern wirklich, aus vollem Halse, wie am Spieß. Und das jeden Abend. Ein Alptraum, oder?
Ich spreche aus Erfahrung. Letzten Sommer waren wir in der Toskana. Traumhaft, wirklich. Hügel, Zypressen, Pasta, Wein… alles, was das Herz begehrt. Nur unser kleiner Leo (damals sechs Monate alt) hatte andere Pläne. Jeden Abend, pünktlich um 18 Uhr (ich hätte die Uhr danach stellen können!), ging das Geschrei los. Nicht leise, nicht zaghaft, sondern ein Kreischen, das durch das ganze Agriturismo hallte. Die anderen Gäste schauten schon etwas genervt, und ich selbst war kurz davor, in den nächsten Olivenhain zu flüchten.
Die ersten Abende waren die Hölle. Wir waren ratlos. War er hungrig? Hatte er Bauchweh? War es zu warm? Zu kalt? Wir versuchten alles: Stillen, Flasche geben, Wiegen, Singen, Spazierengehen im Tragetuch. Nichts half. Er schrie und schrie und schrie. Es war unerträglich, nicht nur für uns, sondern auch für den kleinen Mann selbst. Man sah ihm an, dass er litt. Die vermeintliche Entspannung im Urlaub drohte, in blanken Stress umzuschlagen.
Ursachenforschung: Warum schreien Babys abends so viel?
Nachdem wir die ersten Abende mit heulendem Baby und zerrütteten Nerven hinter uns gebracht hatten, beschlossen wir, der Sache auf den Grund zu gehen. Ich habe das Internet durchforstet, meine Hebamme angerufen und mit anderen Müttern gesprochen. Und siehe da, das Phänomen hat einen Namen: Abendliches Schreien oder, wie man im Englischen sagt, "The Witching Hour".
Es gibt verschiedene Theorien, warum Babys abends besonders viel schreien. Hier sind die wahrscheinlichsten Gründe:
- Überstimulation: Babys verarbeiten den ganzen Tag über unglaublich viele neue Eindrücke. Abends sind sie dann einfach erschöpft und überreizt. Die Toskana mit ihren neuen Gerüchen, Geräuschen und Lichtern war für Leo sicherlich eine Reizüberflutung.
- Unverarbeitete Gefühle: Babys können ihre Gefühle noch nicht so gut regulieren wie wir Erwachsenen. Vielleicht hat Leo tagsüber etwas erlebt, was ihn belastet hat und er kann es abends nur durch Schreien verarbeiten.
- Müdigkeit: Auch wenn es paradox klingt, kann Müdigkeit bei Babys zu Schreien führen. Sie sind so müde, dass sie nicht in den Schlaf finden und frustriert sind.
- Bauchweh: Gerade in den ersten Lebensmonaten haben viele Babys mit Blähungen und Bauchschmerzen zu kämpfen. Diese können sich abends verstärken.
- Entwicklungsschub: Babys machen ständig Entwicklungsschritte. Ein neuer Zahn, das Erlernen des Umdrehens oder Krabbelns können sehr anstrengend sein und sich durch Schreien äußern.
Unsere Strategien: Was uns geholfen hat (und was nicht)
Nachdem wir die möglichen Ursachen kannten, haben wir verschiedene Strategien ausprobiert, um Leos abendliches Schreien zu lindern. Einige haben geholfen, andere weniger. Hier sind unsere Erfahrungen:
Was NICHT geholfen hat:
- Ablenkung: Wir haben versucht, ihn mit Spielzeug, Musik oder Fernsehen abzulenken. Das hat ihn nur noch mehr aufgeregt.
- Strenge: Wir haben natürlich nie geschrien oder ihn geschüttelt! Aber wir haben manchmal versucht, ihn zu beruhigen, indem wir ihm gut zugeredet haben. Das hat aber auch nicht funktioniert.
- Ignorieren: Ihn einfach schreien lassen war keine Option. Wir konnten es einfach nicht ertragen und wussten, dass er unsere Nähe brauchte.
Was GEHOLFEN hat:
- Routine: Wir haben versucht, einen möglichst regelmäßigen Tagesablauf einzuführen. Feste Essenszeiten, Schlafzeiten und Spielzeiten haben ihm geholfen, sich sicherer zu fühlen.
- Entspannung: Wir haben darauf geachtet, dass er tagsüber nicht zu vielen Reizen ausgesetzt war. Wir haben ihm z.B. ruhige Spielzeiten im Schatten ermöglicht und auf laute Musik oder grelle Lichter verzichtet.
- Körperkontakt: Nähe und Geborgenheit waren das A und O. Wir haben ihn viel getragen, gekuschelt und ihm sanft vorgesungen.
- Warmes Bad: Ein warmes Bad vor dem Schlafengehen hat ihn oft beruhigt und entspannt.
- Bauchmassage: Eine sanfte Bauchmassage mit Kümmelöl hat ihm bei Blähungen geholfen.
- Tragetuch/Trage: Das Tragetuch war unser bester Freund! Die Nähe zu uns und die sanften Bewegungen haben ihn oft in den Schlaf gewogen.
- Geduld: Das Wichtigste war, Geduld zu haben. Wir haben uns immer wieder gesagt, dass es eine Phase ist und dass es irgendwann vorbei geht.
Es ist wichtig zu betonen, dass es kein Patentrezept gibt, das bei jedem Baby funktioniert. Jedes Kind ist anders und braucht individuelle Zuwendung. Was bei Leo geholfen hat, muss bei eurem Baby nicht unbedingt genauso funktionieren. Probiert einfach verschiedene Dinge aus und beobachtet, was eurem Kind guttut.
Tipps für entspannte Reisen mit schreienden Babys
Trotz der anstrengenden Abende in der Toskana haben wir unseren Urlaub nicht bereut. Wir haben gelernt, mit Leos Schreien umzugehen und uns nicht davon unterkriegen zu lassen. Hier sind noch ein paar Tipps, die euch helfen können, eure Reisen mit schreienden Babys entspannter zu gestalten:
- Plant eure Reise sorgfältig: Wählt ein Reiseziel, das für Babys geeignet ist. Achtet auf eine ruhige Unterkunft und eine gute Infrastruktur.
- Nehmt euch Zeit: Plant nicht zu viele Aktivitäten ein und lasst euch genügend Zeit für Ruhe und Entspannung.
- Packt ausreichend ein: Vergesst nicht, alle wichtigen Dinge für euer Baby einzupacken, wie z.B. Windeln, Feuchttücher, Kleidung, Spielzeug, Medikamente und eine Trage.
- Sprecht mit anderen Eltern: Tauscht euch mit anderen Eltern aus, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das kann sehr hilfreich sein und euch das Gefühl geben, nicht alleine zu sein.
- Akzeptiert die Situation: Akzeptiert, dass euer Baby abends schreien wird. Versucht, euch nicht zu stressen und euch auf die positiven Aspekte des Urlaubs zu konzentrieren.
- Holt euch Hilfe: Scheut euch nicht, Hilfe anzunehmen. Vielleicht können euch eure Eltern oder Freunde bei der Betreuung des Babys unterstützen.
- Vergesst euch selbst nicht: Achtet darauf, dass ihr auch genügend Zeit für euch selbst habt. Gönnt euch ein entspannendes Bad, eine Massage oder ein gutes Buch.
Und das Wichtigste: Habt Vertrauen in euch selbst und euer Baby. Ihr schafft das! Auch wenn es manchmal anstrengend ist, die Zeit mit eurem kleinen Schatz ist kostbar und unvergesslich.
Inzwischen ist Leo zwei Jahre alt und schreit abends zum Glück nicht mehr. Aber ich erinnere mich noch gut an diese Zeit und möchte euch Mut machen: Es geht vorbei! Und irgendwann könnt ihr euch gemeinsam über die lustigen Anekdoten aus eurem Urlaub amüsieren.
Also, packt eure Koffer, nehmt eure Babys mit und genießt eure Reise! Und wenn das Baby schreit, dann denkt an mich und Leo in der Toskana. Ihr seid nicht allein!
Bis bald, eure Jenny!
