Baddeley And Hitch Working Memory Model
Stell dir vor, dein Gehirn ist wie eine belebte Bahnhofshalle. Nicht der Hauptbahnhof mit seinen ewigen Verspätungen, sondern eher so ein kleiner, gemütlicher Bahnhof, wo jeder jeden kennt und die Züge pünktlich abfahren. In diesem Bahnhof, liebe Leser, da wohnt unser Arbeitsgedächtnis.
Früher dachten Wissenschaftler, das Arbeitsgedächtnis wäre so eine Art riesiger, unaufgeräumter Schreibtisch. Alles landet drauf, wird kurz betrachtet und dann entweder archiviert oder landet im Papierkorb. Aber dann kamen zwei Herren, Alan Baddeley und Graham Hitch, und sagten: "Moment mal! So einfach ist das nicht!"
Die beiden, ihres Zeichens findige Psychologen, hatten eine revolutionäre Idee. Sie stellten sich das Arbeitsgedächtnis nicht als einen einzigen Schreibtisch vor, sondern als ein ganzes Bürogebäude, voller spezialisierter Abteilungen. Und jede dieser Abteilungen hat ihre ganz eigene, spezielle Aufgabe.
Die Abteilungen im Arbeitsgedächtnis-Bürogebäude
Die phonologische Schleife: Der sprechende Papagei
Stell dir vor, in einer Ecke des Büros sitzt ein sprechender Papagei. Er wiederholt ständig die Sätze, die du gehört hast. "Milch kaufen! Anrufen bei Oma! Termin beim Zahnarzt!" Der Papagei ist die phonologische Schleife. Er hilft uns, uns kurze Sequenzen von Wörtern und Zahlen zu merken. Kennst du das, wenn du dir eine Telefonnummer vorsagst, um sie nicht zu vergessen, während du sie eintippst? Genau das macht der Papagei!
Und jetzt kommt der Clou: Der Papagei ist ein bisschen vergesslich. Wenn du ihm zu viel auf einmal erzählst, gerät er durcheinander und vergisst die Hälfte. Deshalb ist es so schwer, sich lange Zahlenketten zu merken. Er hat halt nur begrenzt Platz im Gedächtniskäfig.
Der visuell-räumliche Notizblock: Der innere Künstler
In einer anderen Ecke des Büros sitzt ein Künstler mit einem Skizzenblock. Er malt Bilder von Dingen, die du siehst oder dir vorstellst. Das ist der visuell-räumliche Notizblock. Er hilft uns, uns Bilder, Formen und Orte zu merken. Stell dir vor, du suchst den Weg in einer fremden Stadt. Du benutzt deinen inneren Künstler, um dir die Route vorzustellen und dich zu orientieren.
Der visuell-räumliche Notizblock ist auch dafür verantwortlich, dass du dir vorstellen kannst, wie ein Einhorn aussieht, das Ballett tanzt. Oder wie dein Wohnzimmer aussehen würde, wenn du es komplett in Pink streichen würdest (bitte nicht!).
Die zentrale Exekutive: Der gestresste Manager
Und wer behält den Überblick über das ganze Chaos? Das ist die zentrale Exekutive, der gestresste Manager des Büros. Sie entscheidet, welche Informationen wichtig sind, lenkt die Aufmerksamkeit auf die richtigen Dinge und koordiniert die Arbeit der anderen Abteilungen. Sie ist wie die Dirigentin eines Orchesters, die dafür sorgt, dass alle Instrumente im Einklang spielen.
Die zentrale Exekutive ist auch dafür verantwortlich, dass wir Aufgaben gleichzeitig erledigen können. Zum Beispiel: Während du Auto fährst (visuell-räumlicher Notizblock), hörst du Musik (phonologische Schleife) und überlegst, was du zum Abendessen kochen sollst (zentrale Exekutive). Ziemlich beeindruckend, oder?
Der episodische Puffer: Der Geschichtenerzähler
Später fügten Baddeley und Hitch noch eine weitere Abteilung hinzu: den episodischen Puffer. Stell dir ihn als einen Geschichtenerzähler vor, der die Informationen aus den anderen Abteilungen zusammenfügt und zu einer zusammenhängenden Geschichte macht. Er verbindet das, was du siehst, hörst und denkst, zu einem Ganzen.
Der episodische Puffer ist auch wichtig für das Lernen. Er hilft uns, neue Informationen mit dem zu verknüpfen, was wir bereits wissen. So können wir neue Erfahrungen besser verstehen und behalten.
Warum ist das alles so wichtig?
Das Modell von Baddeley und Hitch hat unser Verständnis des Arbeitsgedächtnisses revolutioniert. Es hat uns gezeigt, dass das Arbeitsgedächtnis kein einfacher Speicher ist, sondern ein komplexes System, das uns hilft, die Welt um uns herum zu verstehen und zu interagieren. Und es hat uns geholfen, zu verstehen, warum wir manchmal Dinge vergessen oder uns schwer tun, uns zu konzentrieren.
Wenn du also das nächste Mal Schwierigkeiten hast, dir etwas zu merken, denke an den Bahnhof in deinem Kopf. Vielleicht ist dein sprechender Papagei überlastet, oder dein innerer Künstler braucht mal wieder eine kreative Pause. Und vielleicht sollte der gestresste Manager einfach mal einen Tag Urlaub machen.
Die Arbeit von Baddeley und Hitch hat uns nicht nur ein besseres Verständnis unseres Gehirns gegeben, sondern auch gezeigt, dass Wissenschaft Spaß machen kann. Und dass selbst die komplexesten Prozesse in unserem Kopf auf überraschend einfache und unterhaltsame Weise erklärt werden können. Also, hör auf deinen inneren Papagei, lass deinen inneren Künstler kreativ sein und gib deinem gestressten Manager eine Pause! Dein Arbeitsgedächtnis wird es dir danken.
