Balsamico Essig Aus Weintrauben Selber Machen
Kennt ihr das Gefühl, wenn man in eine Flasche Balsamico tunkt und sich denkt: "Mann, das Zeug ist echt lecker, aber irgendwie...geheimnisvoll?" Ich auch! Und dann kam die Idee: Selber machen!
Okay, zugegeben, ich bin jetzt nicht der Typ Mensch, der stundenlang am Herd steht. Meine kulinarischen Heldentaten beschränken sich meist auf Nudeln mit Pesto (das Pesto ist natürlich gekauft!). Aber die Vorstellung, aus süßen, prallen Weintrauben ein eigenes, kleines Balsamico-Wunder zu zaubern, die hat mich einfach nicht losgelassen.
Die Weinlese - Oder: Der Kampf mit dem Vogelschwarm
Also, erster Schritt: Trauben besorgen. Einfach in den Supermarkt rennen? Papperlapapp! Wir machen das authentisch! Ich hab' meinen Nachbarn, den alten Herrn Meier, überredet (mit der Aussicht auf ein Glas Wein, versteht sich), mir bei der Weinlese in seinem kleinen Weinberg zu helfen. Was soll ich sagen? Es war...interessant.
Herr Meier, die personifizierte Ruhe, erklärte mir gefühlt hundertmal, welche Trauben reif sind und welche noch Zeit brauchen. Und dann waren da noch die Vögel! Eine ganze Armada gefiederter Gourmets hatte es sich zum Ziel gesetzt, uns die Ernte streitig zu machen. Wir haben geflucht (ich mehr als Herr Meier), wir haben mit den Armen gewedelt, und am Ende hatten wir...genug Trauben für eine kleine Balsamico-Session. Und eine Menge Lachfalten.
Der Saft wird eingekocht - Oder: Die Küche verwandelt sich in eine Sauna
Zurück in meiner Küche (die danach aussah, als hätte eine Trauben-Explosion stattgefunden), ging's ans Eingemachte. Die Trauben wurden gewaschen, von Stielen befreit (eine meditative Aufgabe, bei der ich gefühlt mein halbes Leben verbracht habe) und dann...entsaftet. Mein Entsafter, ein Veteran aus den 90ern, röchelte und stöhnte, gab aber letztendlich seinen Geist nicht auf. Puh!
Der gewonnene Traubensaft wurde dann in einem riesigen Topf eingekocht. Und damit meine ich: Stundenlang! Die Küche verwandelte sich in eine Sauna, meine Brille beschlug ununterbrochen, und ich begann, mit den Topfpflanzen zu reden. Aber der Duft! Süß, fruchtig, einfach himmlisch. Man konnte förmlich spüren, wie sich der Saft in etwas Besonderes verwandelte.
Das Geheimnis der Geduld - Oder: Warten, warten, warten...
So, jetzt kommt der Clou: Geduld. Der eingekochte Saft muss in Holzfässern reifen. Und zwar lange! Ich hab' mir sagen lassen, dass traditioneller Balsamico aus Modena jahrelang, teilweise sogar jahrzehntelang reift. Ich, mit meiner begrenzten Geduld, habe mich für eine Light-Version entschieden: Ein paar Monate sollten reichen.
Ich habe kleine Eichenfässchen im Internet bestellt (die sahen aus wie Spielzeug für Riesen) und den eingekochten Saft hineingefüllt. Dann hieß es: Warten. Ich habe die Fässchen regelmäßig besucht, sie gestreichelt (ja, wirklich!), und ihnen gut zugeredet. Ob es geholfen hat? Keine Ahnung. Aber es hat Spaß gemacht!
Die Verkostung - Oder: Der Moment der Wahrheit
Nach ein paar Monaten war es dann soweit: Die Verkostung! Ich hatte meine Freunde eingeladen (die sich insgeheim wahrscheinlich fragten, ob ich den Verstand verloren hatte) und ein kleines Balsamico-Tasting vorbereitet. Mit Brot, Käse, Erdbeeren...alles, was gut zu Balsamico passt.
Und was soll ich sagen? Es war...anders. Mein selbstgemachter Balsamico war nicht so dickflüssig und süß wie die Variante aus dem Supermarkt. Er war fruchtiger, säuerlicher, mit einer leichten Holznote. Einige meiner Freunde fanden ihn "interessant", andere waren begeistert. Und ich? Ich war stolz wie Bolle!
Ich hatte etwas Eigenes geschaffen, etwas Besonderes. Und auch wenn mein Balsamico vielleicht nicht perfekt war (welches selbstgemachte Projekt ist das schon?), er hatte eine Geschichte. Die Geschichte von der Weinlese mit Herrn Meier, von der Dampfsauna in meiner Küche, von der unendlichen Geduld. Und das ist doch viel mehr wert als jede Flasche Balsamico aus dem Laden, oder?
Fazit: Balsamico selber machen ist vielleicht nicht das einfachste Projekt, aber definitiv eines der lohnenswertesten. Es ist ein Abenteuer, eine Herausforderung, und am Ende bekommt man nicht nur eine leckere Würzsauce, sondern auch eine Menge unvergesslicher Erinnerungen.
Und wer weiß, vielleicht werde ich ja doch noch zum Balsamico-Meister. Ich muss nur noch die Vögel überlisten und Herrn Meier dazu bringen, mir seinen kompletten Weinberg zu vererben... Aber das ist eine andere Geschichte!
