Barry Lyndon Stanley Kubrick
Barry Lyndon. Allein der Name flüstert Ehrfurcht. Man denkt an lange Filmnächte, Kerzenlicht und vielleicht ein Gähnen hier und da. Denn mal ehrlich, Stanley Kubrick-Filme sind toll, aber manchmal auch... lang. Aber lasst uns mal versuchen, das Ganze ein bisschen aufzulockern. Weg mit dem akademischen Staub, her mit dem Augenzwinkern!
Ein Aufsteiger mit Stolpersteinen
Stellt euch Barry Lyndon vor als die Geschichte eines irischen Landeis, das einfach mal die Karriereleiter hochklettern will. Okay, die Karriereleiter ist in diesem Fall das Europa des 18. Jahrhunderts und der Aufstieg beinhaltet jede Menge Duelle, Glücksspiele und das Anheiraten in den Hochadel. Aber im Kern ist es doch eine Aufsteigergeschichte, oder? Nur halt mit Perücken und Puder.
Barry, gespielt von Ryan O'Neal (ja, der aus "Love Story"), ist kein strahlender Held. Er ist eher ein sympathischer Gauner, der sich so durchs Leben mogelt. Er ist jung, naiv und lässt sich von seinen Trieben leiten. Er verliebt sich unsterblich in seine Cousine, wird aus dem Dorf gejagt und landet... naja, in der Armee. Nicht unbedingt sein Plan, aber was soll's?
Soldatenleben, Spione und sonstige Eskapaden
Die Armee ist für Barry nicht gerade ein Zuckerschlecken. Stellt euch vor, er stolpert von einer misslichen Lage in die nächste. Er desertiert, wird Spion für die Preußen und verliebt sich dann in eine verheiratete Gräfin. Ganz schön viel los für einen irischen Bauernjungen, oder?
Hier kommt der Humor ins Spiel. Kubrick präsentiert diese Eskapaden mit einer trockenen Ironie, die zum Schmunzeln einlädt. Manchmal ist es die absurde Situation selbst, manchmal sind es die wortkargen Dialoge, die einen zum Lachen bringen. Barry ist einfach ein Tollpatsch, der sich immer wieder in Schwierigkeiten bringt, aber irgendwie immer wieder rauskommt. Meistens zumindest.
"The world is governed by opinion." -Barry Lyndon
Lady Lyndon und die Tücken des Adels
Der nächste große Coup: Barry heiratet Lady Lyndon, eine reiche Witwe (gespielt von Marisa Berenson). Jetzt ist er endlich "Lord Lyndon", Mitglied des Adels. Aber das Glück ist trügerisch. Die Ehe ist eine Katastrophe, die Stiefsohn hasst ihn und das Vermögen schmilzt dahin wie Schnee in der Sonne.
Die Szenen in Lady Lyndons pompösen Anwesen sind herrlich überzeichnet. Man sieht förmlich, wie Barry sich in dieser Welt aus Intrigen, Etikette und Langeweile fühlt wie ein Fisch auf dem Trockenen. Er versucht, sich anzupassen, aber es gelingt ihm einfach nicht. Er ist und bleibt ein Aufsteiger, der nie wirklich dazugehört.
Kerzenlicht und Kamerafahrten
Okay, ein bisschen Technik muss sein. Aber keine Angst, es wird nicht kompliziert. Kubrick war bekannt für seine Perfektion. Für Barry Lyndon hat er spezielle Objektive verwendet, um Szenen nur mit Kerzenlicht zu drehen. Das Ergebnis ist atemberaubend schön, aber auch unglaublich aufwendig. Stellt euch mal vor, wie lange die Dreharbeiten gedauert haben müssen!
Und die Kamerafahrten! Langsame, elegante Bewegungen, die die Pracht der Schauplätze und die Tragik der Geschichte unterstreichen. Aber auch hier blitzt immer wieder Kubricks Humor auf. Manchmal hat man das Gefühl, die Kamera beobachtet Barry mit einem amüsierten Augenzwinkern.
Mehr als nur ein Historienfilm
Barry Lyndon ist mehr als nur ein Historiendrama. Es ist eine Geschichte über Aufstieg und Fall, über Ehrgeiz und Scheitern, über Liebe und Verlust. Aber vor allem ist es eine Geschichte über einen Mann, der versucht, sein Glück zu finden, auch wenn er dabei manchmal den falschen Weg einschlägt. Und das macht den Film so menschlich und so berührend.
Vergesst also die lange Laufzeit und die komplizierte Handlung. Konzentriert euch auf die skurrilen Charaktere, die ironische Erzählweise und die wunderschönen Bilder. Dann werdet ihr feststellen, dass Barry Lyndon ein Film ist, der nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern auch Spaß macht. Und wer weiß, vielleicht entdeckt ihr ja sogar ein bisschen Sympathie für diesen irischen Glücksritter.
Also, Popcorn raus, Kerzen an und abtauchen in die Welt des 18. Jahrhunderts. Aber vergesst nicht: Immer schön mit einem Augenzwinkern!
