Barthes Tod Des Autors
Okay, Leute, mal ehrlich: Habt ihr euch jemals gefragt, wer *wirklich* die Macht über eine Geschichte hat? Ist es der Autor, der sie geschrieben hat, oder sind wir, die Leser, die sie interpretieren und ihr Bedeutung geben?
Genau diese Frage hat der französische Denker Roland Barthes mit seinem berühmt-berüchtigten Aufsatz "Der Tod des Autors" aufgeworfen. Und keine Sorge, das klingt komplizierter als es ist. Stellt euch vor, ihr lest einen spannenden Krimi. Der Autor hat sich vielleicht dabei gedacht: "Ah, der Gärtner war's, weil er immer so verdächtig gehustet hat!" Aber dann lest ihr die Geschichte und denkt: "Nee, nee, das war die Bibliothekarin! Die hatte doch ein viel besseres Motiv und außerdem diese seltsamen Handschuhe an!"
Der Autor: Nicht mehr der Boss?
Barthes' Idee ist im Grunde, dass der Autor, sobald das Buch veröffentlicht ist, seine Macht abgibt. Er stirbt (im übertragenen Sinne natürlich!) und überlässt die Interpretation uns, den Lesern. Wir sind jetzt die Kapitäne des Interpretationsschiffs! Klingt gut, oder?
Denkt mal an eure Lieblingssongs. Der Sänger hat sich vielleicht beim Schreiben des Textes gedacht, dass es um Liebeskummer geht. Aber vielleicht hört ihr den Song und denkt: "Wow, das ist die perfekte Hymne für meine Befreiung von meinem stressigen Job!" Wer hat jetzt Recht? Barthes würde sagen: Beide! Und keiner! Die Bedeutung entsteht im Akt des Lesens oder Hörens selbst.
Es lebe die Interpretation!
Das bedeutet natürlich nicht, dass der Autor unwichtig ist. Er hat die Geschichte ja schließlich erschaffen. Aber er ist nicht mehr der einzige, der ihre Bedeutung festlegen kann. Er hat uns den Rohstoff geliefert, und wir machen daraus, was wir wollen. Wir sind die Köche, die mit den Zutaten ein köstliches Gericht zaubern – und vielleicht schmeckt es sogar besser als das, was der Autor sich vorgestellt hat!
Stellt euch vor, ihr seht ein abstraktes Gemälde. Der Künstler hat sich vielleicht etwas ganz Konkretes dabei gedacht, zum Beispiel einen Sonnenuntergang über dem Meer. Aber vielleicht seht ihr in dem Bild einfach nur bunte Flecken, die euch an eure Kindheit erinnern. Ist eure Interpretation falsch? Natürlich nicht! Kunst (und Literatur!) lebt von der Vielfalt der Interpretationen.
Und genau das ist die Schönheit an Barthes' Idee: Sie befreit uns von der Vorstellung, dass es nur *eine* richtige Art gibt, eine Geschichte zu verstehen. Sie erlaubt uns, kreativ zu sein, uns von unseren eigenen Erfahrungen leiten zu lassen und die Geschichte auf unsere eigene Weise zu interpretieren.
Man könnte fast sagen: Je mehr unterschiedliche Interpretationen, desto besser! Jede neue Lesart bereichert die Geschichte und macht sie lebendiger. So wird aus einem einzelnen Text ein ganzes Universum an Bedeutungen.
"Die Einheit eines Textes liegt nicht in seinem Ursprung, sondern in seinem Ziel." – Roland Barthes
Also, das nächste Mal, wenn ihr ein Buch lest oder einen Film schaut, erinnert euch daran: Ihr seid der Chef! Lasst eurer Fantasie freien Lauf, interpretiert die Geschichte so, wie sie für euch am meisten Sinn macht, und habt Spaß dabei! Der Autor ist vielleicht tot, aber die Geschichte lebt – und sie gehört jetzt euch!
Und wer weiß, vielleicht schreibt ihr ja sogar eure eigene Fortsetzung im Kopf. Oder eine völlig neue Interpretation, die den Autor im Grab rotieren lässt (aber hey, er ist ja tot, also ist es ihm egal!).
Abschließend: Vergesst das Schubladendenken! Es gibt keine „richtige“ oder „falsche“ Interpretation. Nur eure eigene, ganz persönliche Sicht der Dinge. Und das ist doch das Schönste daran, oder?
Also, schnappt euch ein Buch, macht es euch gemütlich und lasst die Interpretation beginnen! Die Welt der Geschichten wartet darauf, von euch neu entdeckt zu werden.
