Bau Der Berliner Mauer 1961
Die Errichtung der Berliner Mauer im Jahr 1961 ist ein Wendepunkt in der deutschen und europäischen Geschichte. Sie teilte nicht nur eine Stadt, sondern auch Familien, Freunde und eine Nation. Für Neuankömmlinge in Berlin oder Interessierte an der deutschen Geschichte bietet dieser Artikel einen umfassenden Überblick über die Hintergründe, den Verlauf und die unmittelbaren Folgen des Mauerbaus.
Vorgeschichte: Die Teilung Deutschlands und Berlins
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 wurde Deutschland von den alliierten Siegermächten in vier Besatzungszonen aufgeteilt: die sowjetische Zone im Osten sowie die britische, französische und amerikanische Zone im Westen. Berlin, obwohl mitten in der sowjetischen Zone gelegen, wurde ebenfalls in vier Sektoren aufgeteilt, die den Alliierten unterstanden. Diese Aufteilung spiegelte die zunehmenden Spannungen zwischen den Westmächten und der Sowjetunion wider, die sich im Kalten Krieg manifestierten.
Die unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systeme in Ost- und Westdeutschland führten zu einer zunehmenden Kluft. Während sich die Westzonen unter dem Einfluss der USA zu einer marktwirtschaftlichen Demokratie entwickelten (die spätere Bundesrepublik Deutschland, BRD), etablierte sich in der sowjetischen Zone ein sozialistischer Staat unter der Kontrolle der Sowjetunion (die spätere Deutsche Demokratische Republik, DDR). Berlin wurde zum Brennpunkt dieser ideologischen Auseinandersetzung.
Die offenen Grenzen zwischen den Sektoren Berlins ermöglichten es den Ostdeutschen, in den Westteil der Stadt zu reisen und dort die westliche Lebensweise kennenzulernen. Viele nutzten diese Möglichkeit, um dauerhaft in den Westen zu ziehen, angelockt von besseren wirtschaftlichen Perspektiven und größerer politischer Freiheit. Dieser sogenannte Braindrain, der Verlust qualifizierter Arbeitskräfte, stellte ein erhebliches Problem für die DDR dar. Zwischen 1949 und 1961 verließen schätzungsweise 2,7 Millionen Menschen die DDR, viele davon über Berlin.
Die Krise von 1961 und die Entscheidung zum Mauerbau
Die Situation in Berlin spitzte sich im Sommer 1961 zu. Die Flüchtlingszahlen stiegen dramatisch an, und die DDR stand kurz vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Der sowjetische Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow drängte den DDR-Machthaber Walter Ulbricht zu einer Lösung des Problems. Ulbricht argumentierte, dass die offene Grenze in Berlin ein Sicherheitsrisiko darstelle und die Stabilität der DDR gefährde.
Am 15. Juni 1961 dementierte Ulbricht in einer Pressekonferenz noch die Absicht, eine Mauer zu bauen. Auf die Frage einer westdeutschen Journalistin, ob er eine Mauer plane, antwortete er: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!" Diese Aussage ging als historische Lüge in die Geschichte ein.
In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 begann die DDR mit dem Bau der Berliner Mauer. Unter dem Deckmantel der Geheimhaltung wurden Stacheldrahtverhaue errichtet und Straßen und Bahnlinien zwischen Ost- und Westberlin unterbrochen. Volkspolizisten und Soldaten der Nationalen Volksarmee (NVA) riegelten die Sektorengrenze ab. Der Übergang von Ost- nach Westberlin wurde faktisch unmöglich gemacht.
Der Bau der Mauer und ihre Entwicklung
Die ursprüngliche Stacheldrahtbarriere wurde in den folgenden Jahren zu einer immer ausgefeilteren Grenzsicherungsanlage ausgebaut. Die Mauer bestand schließlich aus mehreren Elementen:
- Die Vorderlandmauer: Eine Betonmauer oder ein Metallgitterzaun, der direkt an den Westberliner Sektor grenzte.
- Der Todesstreifen: Ein breiter Streifen mit Kontrollwegen, Stolperdrähten, Hundelaufanlagen, Beobachtungstürmen und Minenfeldern (später entschärft).
- Die Hinterlandmauer: Eine weitere Mauer, die den Zugang zum Todesstreifen aus dem Osten verhinderte.
- Grenzübergangsstellen: Streng kontrollierte Übergänge wie der bekannteste, Checkpoint Charlie, ermöglichten es bestimmten Personen (z.B. Diplomaten, Westberlinern mit Visum) unter strengen Auflagen, die Grenze zu passieren.
Die Berliner Mauer war mehr als nur eine physische Barriere. Sie war ein Symbol für die Teilung Deutschlands, Europas und der Welt in Ost und West. Sie war ein Symbol für die Unfreiheit und die Unterdrückung in der DDR.
Die Folgen des Mauerbaus
Der Bau der Berliner Mauer hatte gravierende Folgen für die Menschen in Berlin und in Deutschland:
- Getrennte Familien und Freunde: Familien und Freunde wurden über Nacht voneinander getrennt. Besuche waren nur unter strengen Auflagen oder gar nicht möglich.
- Verlust der Bewegungsfreiheit: Die Ostberliner und DDR-Bürger wurden in ihrer Bewegungsfreiheit massiv eingeschränkt. Ein Verlassen der DDR war nur noch unter Lebensgefahr möglich.
- Todesopfer: Bei dem Versuch, die Mauer zu überwinden, kamen schätzungsweise 140 Menschen ums Leben. Sie wurden von DDR-Grenzsoldaten erschossen oder ertranken in der Spree.
- Politische Spannungen: Der Mauerbau verschärfte die Spannungen zwischen Ost und West und trug zur Eskalation des Kalten Krieges bei.
- Wirtschaftliche Konsequenzen: Die Teilung Berlins und Deutschlands hatte negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung beider Staaten.
Der Mauerbau führte zu einer tiefen psychischen Belastung der Bevölkerung. Die Menschen lebten in Angst und Unsicherheit. Sie mussten sich an die neuen Verhältnisse anpassen und mit der permanenten Überwachung und Kontrolle durch den Staat leben.
Die Reaktion des Westens
Die Reaktion der Westmächte auf den Mauerbau war zunächst verhalten. Sie protestierten zwar gegen die Verletzung des Viermächte-Status von Berlin, griffen aber nicht militärisch ein. Sie befürchteten, dass ein militärisches Eingreifen zu einem Krieg mit der Sowjetunion führen könnte.
Der damalige US-Präsident John F. Kennedy entsandte jedoch den Vizepräsidenten Lyndon B. Johnson nach Berlin, um die Solidarität der USA mit der Bevölkerung zu demonstrieren. Kennedy selbst besuchte Berlin im Juni 1963 und hielt vor dem Rathaus Schöneberg seine berühmte Rede, in der er sagte: "Ich bin ein Berliner." Diese Worte wurden zu einem Symbol der Verbundenheit des Westens mit der geteilten Stadt.
Der Fall der Mauer
Die Berliner Mauer fiel am 9. November 1989. Auslöser war eine versehentliche Falschmeldung eines DDR-Funktionärs, der in einer Pressekonferenz neue Reiseregelungen verkündete. Auf die Frage, ab wann diese Regelungen gelten würden, antwortete er: "Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich."
Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in Ostberlin. Tausende Menschen strömten zu den Grenzübergängen und forderten die Öffnung der Mauer. Die überforderten Grenztruppen gaben schließlich nach, und die Mauer wurde geöffnet.
Der Fall der Berliner Mauer war ein historischer Moment, der den Weg zur Deutschen Wiedervereinigung ebnete. Er symbolisierte das Ende des Kalten Krieges und den Triumph der Freiheit über die Unterdrückung.
Die Berliner Mauer heute
Auch heute noch sind Spuren der Berliner Mauer in der Stadt zu finden. An einigen Stellen sind Mauerreste erhalten geblieben, die als Mahnmale an die Teilung Deutschlands erinnern. Die East Side Gallery, ein langes Stück der Hinterlandmauer, ist mit Kunstwerken bemalt und zu einer beliebten Touristenattraktion geworden.
Das Mauermuseum Haus am Checkpoint Charlie dokumentiert die Geschichte der Berliner Mauer und die Schicksale der Menschen, die versucht haben, sie zu überwinden. Auch das Dokumentationszentrum Berliner Mauer an der Bernauer Straße bietet umfassende Informationen über die Geschichte der Teilung Berlins.
Der Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961 war ein dramatischer Einschnitt in die Geschichte Deutschlands und Berlins. Sie ist ein Mahnmal für die Schrecken der Teilung und die Bedeutung von Freiheit und Demokratie. Der Fall der Mauer im Jahr 1989 war ein Triumph der Hoffnung und ein Symbol für den Sieg des Geistes der Freiheit über die ideologischen Schranken des Kalten Krieges.
