Besuch Der Alten Dame Innerer Monolog
Willkommen in Güllen! Vielleicht hast du schon von diesem kleinen, fiktiven Städtchen gehört, das durch Friedrich Dürrenmatts berühmtes Werk "Der Besuch der alten Dame" Berühmtheit erlangte. Aber wusstest du, dass es mehr gibt, als nur die tragische Geschichte um Rache und Moral? Dieser Artikel ist dein persönlicher Reiseführer, um tiefer in die Welt von "Der Besuch der alten Dame" einzutauchen, besonders durch die Linse der inneren Monologe, die die Charaktere so lebendig machen.
Warum "Der Besuch der alten Dame" lesen (oder noch einmal lesen!)?
Dürrenmatts Drama ist mehr als nur Schullektüre. Es ist eine zeitlose Auseinandersetzung mit Moral, Gerechtigkeit, Kapitalismus und der menschlichen Natur. Die Geschichte ist simpel, aber die dahinterliegenden Fragen sind komplex: Claire Zachanassian, eine steinreiche Milliardärin, kehrt in ihre verarmte Heimatstadt Güllen zurück. Sie bietet den Bürgern eine Milliarde, wenn sie Alfred Ill, ihren ehemaligen Liebhaber, töten, der sie in ihrer Jugend verraten hat. Die Güllener, zunächst entsetzt, geraten zunehmend in Versuchung.
Die Stärke des Stücks liegt in den vielschichtigen Charakteren und ihren inneren Kämpfen. Dürrenmatt nutzt innere Monologe, um uns einen tiefen Einblick in ihre Gedankenwelt zu geben, ihre Ängste, Hoffnungen und Rechtfertigungen zu zeigen. Das macht das Stück so fesselnd und relevant, auch heute noch.
Innere Monologe: Ein Schlüssel zum Verständnis
Ein innerer Monolog ist eine Technik, bei der die Gedanken und Gefühle einer Figur in ihrem eigenen Kopf dargestellt werden. Im Theater kann dies durch einen gesprochenen Monolog geschehen, der das Publikum in die innersten Überlegungen der Figur einführt. Dürrenmatt verwendet diese Technik meisterhaft, um die moralischen Dilemmata und die psychologischen Auswirkungen der angebotenen Milliarde aufzuzeigen. Betrachten wir einige Beispiele:
Alfred Ill: Angst und Verzweiflung
Alfred Ill ist die zentrale Figur, um die sich alles dreht. Seine inneren Monologe sind geprägt von Angst, Panik und einem wachsenden Gefühl der Verzweiflung. Zunächst glaubt er, dass die Güllener loyal zu ihm stehen würden, dass sie ihn beschützen würden. Aber mit der Zeit bemerkt er, wie sich die Atmosphäre verändert. Die Leute kaufen auf Kredit, sie gönnen sich Dinge, die sie sich vorher nicht leisten konnten. Er sieht die neuen, gelben Schuhe, die immer mehr Güllener tragen – ein Symbol für den kommenden Tod.
"Sie wollen mich also wirklich tot sehen? All die Jahre habe ich hier gelebt, gearbeitet, für sie gesorgt. Und jetzt? Wegen einer alten Geschichte? Wegen einer Milliarde? Das kann doch nicht sein...das darf nicht sein!"
Dieser fiktive innere Monolog (Dürrenmatt gibt nicht jeden Gedanken direkt wieder, sondern lässt uns oft zwischen den Zeilen lesen) verdeutlicht Ills anfängliche Ungläubigkeit und seine anschließende Erkenntnis, dass sein Schicksal besiegelt ist. Er versucht, zu fliehen, aber er wird von den Güllenern aufgehalten. Er sucht Hilfe beim Pfarrer und beim Lehrer, aber auch sie sind hilflos, gefangen in der moralischen Zwickmühle.
Der Bürgermeister: Opportunismus und Rechtfertigung
Der Bürgermeister ist die Verkörperung des Opportunismus. Er versucht, das Angebot von Claire Zachanassian zunächst abzulehnen, redet von Moral und Gerechtigkeit. Aber auch er spürt den Druck, der auf ihm lastet. Die Verlockung des Geldes ist zu groß, um sie zu ignorieren. In seinen inneren Monologen ringt er mit seiner Verantwortung für die Stadt und den Verlockungen des Reichtums.
"Wir müssen stark bleiben! Wir dürfen uns nicht von diesem unmoralischen Angebot blenden lassen! Aber...was wäre, wenn wir die Milliarde für Güllen verwenden könnten? Für die Sanierung der Fabriken, für neue Arbeitsplätze, für eine bessere Zukunft? Könnten wir das wirklich ablehnen? Wäre das nicht verantwortungslos gegenüber unseren Bürgern?"
Dieser fiktive innere Monolog zeigt, wie der Bürgermeister seine Entscheidung rationalisiert. Er sieht die Milliarde als eine Chance, Güllen zu retten, und er überzeugt sich selbst, dass Ills Tod ein notwendiges Opfer für das Wohl der Allgemeinheit ist.
Der Lehrer: Verzweiflung und Resignation
Der Lehrer ist eine tragische Figur. Er ist der Intellektuelle der Stadt, der die moralischen Implikationen der Situation am besten versteht. Er versucht, die Güllener zu warnen, aber seine Stimme verhallt ungehört. Er verfällt dem Alkohol und resigniert schließlich.
"Ich habe es versucht...ich habe sie gewarnt...aber es war vergebens. Das Geld hat sie alle korrumpiert. Sie sind wie Marionetten, die von Claire Zachanassian gesteuert werden. Es gibt keine Hoffnung mehr für Güllen. Es gibt keine Hoffnung mehr für die Menschheit."
Dieser fiktive innere Monolog spiegelt die tiefe Verzweiflung des Lehrers wider. Er sieht den Untergang der moralischen Werte und die Macht des Geldes, die alles korrumpiert.
"Der Besuch der alten Dame" erleben: Güllen besuchen (oder zumindest so tun als ob)
Obwohl Güllen ein fiktiver Ort ist, kann man die Atmosphäre und die Themen des Stücks auf verschiedene Weise erleben:
- Theaterbesuch: Suche nach Aufführungen von "Der Besuch der alten Dame" in deiner Nähe. Das Stück ist ein Klassiker und wird oft aufgeführt.
- Lesen und diskutieren: Lies das Stück (oder höre ein Hörspiel) und diskutiere es mit Freunden oder in einem Buchclub. Die komplexen moralischen Fragen laden zu lebhaften Diskussionen ein.
- Filmadaption: Es gibt verschiedene Verfilmungen des Stücks. Obwohl sie nicht immer perfekt sind, können sie dir einen visuellen Eindruck von der Geschichte vermitteln.
- Inspiration vor Ort: Recherchiere Städte, die von wirtschaftlichem Niedergang betroffen sind. Besuche solche Orte (wenn möglich) und versuche, die Atmosphäre und die Stimmung einzufangen, die Dürrenmatt in seinem Stück beschreibt.
- Moralische Reflexion: Stelle dir die Frage: Was würdest du tun? Wie würdest du in einer ähnlichen Situation handeln? Welche Werte sind dir wichtig?
Mehr als nur eine Geschichte: Die Relevanz heute
Auch wenn "Der Besuch der alten Dame" 1956 geschrieben wurde, ist das Stück heute noch genauso relevant wie damals. Die Themen Geldgier, Korruption, Moralverfall und die Macht des Kapitals sind in unserer modernen Gesellschaft allgegenwärtig.
Das Stück erinnert uns daran, dass wir uns immer wieder fragen müssen, welche Werte uns wichtig sind und wie wir in einer Welt, die oft von материализме geprägt ist, moralisch handeln können. Die inneren Monologe der Charaktere sind ein Spiegel unserer eigenen inneren Kämpfe und Dilemmata.
Also, pack deine Koffer (oder zumindest dein Buch) und tauche ein in die Welt von Güllen. Es ist eine Reise, die dich zum Nachdenken anregen und dich vielleicht sogar verändern wird.
Abschließende Gedanken
"Der Besuch der alten Dame" ist ein Meisterwerk, das uns auch nach mehrmaligem Lesen immer wieder neue Perspektiven eröffnet. Die tiefen Einblicke in die menschliche Psyche, die Dürrenmatt durch die inneren Monologe der Charaktere gewährt, machen das Stück zu einem unvergesslichen Erlebnis. Egal ob du Tourist, Expat oder einfach nur ein Kulturinteressierter bist, dieses Stück ist definitiv eine Bereicherung.
