Besuch Der Alten Dame Zusammenfassung Akt 1
Hallo liebe Reisefreunde! Euer Weltenbummler ist wieder da, frisch zurück von einer faszinierenden Reise, die mich tief bewegt und zum Nachdenken angeregt hat. Diesmal war ich nicht in einer exotischen Metropole oder an einem strahlenden Strand, sondern in der Welt des Theaters, genauer gesagt: im Stück "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt. Und weil ich so begeistert war, möchte ich euch heute den ersten Akt näherbringen – sozusagen als kleine Einstimmung auf ein literarisches Abenteuer, das sich wirklich lohnt!
Stellt euch vor: Eine Bühne, die eine heruntergekommene Kleinstadt namens Güllen darstellt. Schon beim Betreten des Zuschauerraums spürt man die Tristesse. Die Häuser sind baufällig, die Menschen wirken müde und abgekämpft. Es ist, als ob die Zeit hier stehen geblieben wäre. Und genau das ist auch das Problem: Güllen ist pleite. Die Fabriken haben geschlossen, die Arbeitslosigkeit grassiert, und die Bewohner leben von der Hoffnung – einer Hoffnung, die sich in Form eines angekündigten Besuchs materialisieren soll.
Dieser Besuch wird sehnsüchtig erwartet: Claire Zachanassian, eine Milliardärin, die einst in Güllen aufgewachsen ist und nun nach langer Zeit zurückkehrt. Die Güllener setzen all ihre Karten auf sie. Sie erhoffen sich von ihr die Rettung, den finanziellen Aufschwung, das Ende ihrer Misere. Der Bürgermeister, ein etwas windiger, aber im Grunde gutmütiger Mann, bereitet mit den anderen Honoratioren der Stadt einen glanzvollen Empfang vor. Sie wollen sich von ihrer besten Seite zeigen, Claire Zachanassian beeindrucken und sie dazu bewegen, großzügig zu sein.
Die Vorbereitungen: Hoffnung und Heuchelei
Die Stimmung ist aufgeheizt, eine Mischung aus nervöser Erwartung und klammheimlicher Hoffnung. Jeder versucht, sich möglichst positiv darzustellen, die heruntergekommenen Fassaden werden notdürftig übertüncht, und man bemüht sich, einen freundlichen Eindruck zu machen. Es ist eine Atmosphäre der Heuchelei, die man förmlich mit Händen greifen kann. Die Güllener sind bereit, alles zu tun, um das Wohlwollen der Milliardärin zu gewinnen.
Besonders im Fokus steht Alfred Ill, ein angesehener Bürger Güllens, der früher mit Claire Zachanassian eine leidenschaftliche Affäre hatte. Er soll die Milliardärin umgarnen, ihr schöne Augen machen und sie an die alten Zeiten erinnern. Man hofft, dass die alten Gefühle wieder aufleben und Claire Zachanassian dadurch zu einer großzügigen Spende bewegt wird. Ill selbst ist hin- und hergerissen. Einerseits freut er sich, Claire wiederzusehen, andererseits ahnt er, dass mehr hinter ihrem Besuch steckt, als nur die Nostalgie einer alten Liebe.
Die Ankunft der Milliardärin
Endlich ist es soweit: Der Zug hält in Güllen, und Claire Zachanassian steigt aus. Und was für ein Auftritt! Sie ist umgeben von einer skurrilen Entourage: einem blinden Butler, zwei ehemaligen Richtern (die sie kastriert und zu Eunuchen gemacht hat – eine kleine, aber bezeichnende Randnotiz!), und einem Sarg. Ja, ihr habt richtig gelesen, ein Sarg. Diese ungewöhnliche Begleitung unterstreicht ihre Macht und ihren Reichtum, aber auch ihre Exzentrik und ihren Hang zum Düsteren.
Claire Zachanassian ist eine beeindruckende Erscheinung. Sie ist elegant gekleidet, trägt teuren Schmuck und strahlt eine gewisse Kälte und Unnahbarkeit aus. Sie ist nicht die liebevolle, naive junge Frau, die sie einst war. Sie ist eine Frau, die die Welt gesehen hat, die Macht besitzt und die gelernt hat, ihre Interessen mit allen Mitteln durchzusetzen. Ihre Prothesen, die sie nach einem Flugzeugabsturz benötigt, sind nicht nur ein Zeichen ihrer Verletzlichkeit, sondern auch ein Symbol ihrer Unvollkommenheit und ihrer Fähigkeit, diese zu überwinden.
Der Bürgermeister hält eine pompöse Rede, in der er Claire Zachanassian als Ehrenbürgerin von Güllen feiert und ihr für ihre erwartete Großzügigkeit dankt. Doch Claire Zachanassian unterbricht ihn abrupt und verkündet ihr Angebot: Sie bietet Güllen eine Milliarde – eine halbe Milliarde für die Stadt und eine halbe Milliarde zur Verteilung an die Bürger. Die Freude ist riesig, die Erleichterung greifbar. Doch dann folgt der Haken.
"Ich gebe euch eine Milliarde, wenn jemand Alfred Ill tötet."
Dieser Satz, gesprochen mit eiskalter Stimme, lässt die Stimmung schlagartig kippen. Die Freude weicht Entsetzen, die Hoffnung Verwirrung. Die Güllener sind schockiert. Sie wollen Gerechtigkeit, aber nicht um den Preis eines Menschenlebens. Oder etwa doch?
Das Angebot und die Moral
Claire Zachanassian enthüllt, dass Alfred Ill sie in ihrer Jugend betrogen hat. Er hatte sie geschwängert und dann vor Gericht geleugnet, der Vater zu sein. Durch seine Falschaussage wurde sie aus Güllen vertrieben und musste ihr Kind abtreiben. Sie hat jahrelang gelitten und geschworen, sich zu rächen. Ihr Angebot ist kein Akt der Nächstenliebe, sondern ein Akt der Rache. Sie will Gerechtigkeit, ihre eigene, ganz persönliche Gerechtigkeit.
Der Bürgermeister und die anderen Bürger beteuern, dass sie niemals einen Mord begehen würden. Sie sind entsetzt über das Angebot und versichern Ill ihrer Solidarität. Doch im Laufe des ersten Akts merkt man, dass diese Solidarität brüchig ist. Die Verlockung des Geldes ist groß, und die Not der Güllener ist noch größer. Man beobachtet, wie sich die Stimmung langsam verändert, wie das Misstrauen wächst und wie die Moral immer mehr in den Hintergrund rückt.
Schon im ersten Akt kann man beobachten, wie die Güllener beginnen, ihr Verhalten zu ändern. Sie kaufen auf Kredit ein, obwohl sie wissen, dass sie das Geld noch nicht haben. Sie kaufen neue Schuhe, neue Möbel, neue Autos. Sie leben, als ob sie die Milliarde bereits in der Tasche hätten. Dieser Konsumrausch ist ein Zeichen ihrer Gier und ihrer Bereitschaft, für das Geld alles zu tun. Es ist, als ob sie bereits mit dem Mord an Ill rechnen und sich innerlich darauf vorbereiten.
Alfred Ill ist verzweifelt. Er spürt die Angst, die sich in der Stadt ausbreitet, und er ahnt, dass sein Leben in Gefahr ist. Er versucht, die Stadt zu verlassen, aber niemand hilft ihm. Er ist isoliert und allein. Die einst so vertrauten Gesichter sind ihm fremd geworden, voller Misstrauen und Gier.
Der erste Akt endet mit einem Cliffhanger. Man weiß nicht, wie sich die Güllener entscheiden werden. Werden sie Ill töten, um die Milliarde zu bekommen? Oder werden sie an ihrer Moral festhalten und das Angebot ablehnen? Die Spannung ist kaum auszuhalten!
Für mich war der erste Akt von "Der Besuch der alten Dame" ein intensives und beklemmendes Erlebnis. Er hat mir gezeigt, wie leicht Menschen von Gier und Rache getrieben werden können und wie schnell eine ganze Gesellschaft ihre Moral verlieren kann. Es ist ein Stück, das zum Nachdenken anregt und das noch lange nach dem Verlassen des Theaters in einem nachhallt.
Wenn ihr also mal die Gelegenheit habt, "Der Besuch der alten Dame" zu sehen, dann lasst euch dieses Erlebnis nicht entgehen! Es ist ein Stück, das unter die Haut geht und das euch garantiert noch lange beschäftigen wird. Und wer weiß, vielleicht regt es euch ja auch dazu an, eure eigenen Werte und Prioritäten zu hinterfragen.
Bis zum nächsten Mal, eurem Theater-Reiseblogger!
