Bewerbung Für Ein Schülerpraktikum
Es begann mit einem Knall. Nicht im physikalischen Sinne, eher im metaphorischen. Der Knall der Erkenntnis: Schule ist zwar nett, aber ein Praktikum, das wäre der Oberknaller! Nicht nur, um dem Mathelehrer mal ein paar Tage zu entkommen (Hallo, Herr Müller!), sondern um zu sehen, wie die Welt wirklich tickt. Eine Bewerbung musste her.
Die Suche nach dem heiligen Gral (äh, Praktikumsplatz)
Die Suche gestaltete sich…interessant. Stell dir vor, du bist ein junger Padawan auf der Suche nach dem Jedi-Meister. Nur dass der Jedi-Meister hier der nette Bäckermeister von nebenan, die coole Agentur um die Ecke oder das geheimnisvolle Labor in der Nachbarstadt ist. Überall lauerten potenzielle Praktikumsplätze, aber wie findet man den Richtigen? Das Internet war ein Dschungel aus Stellenangeboten, die so spannend klangen wie eine Gebrauchsanweisung für einen Staubsauger. "Unterstützung des Teams im administrativen Bereich"? Klingt…aufregend. Nicht.
Dann die Offenbarung: Mundpropaganda! Mama kannte jemanden, der jemanden kannte, der jemanden kannte, der bei der lokalen Zeitung arbeitete. Journalismus! Das klang nach Abenteuer, nach Aufregung, nach...Kaffee. Perfekt!
Der Kampf mit dem Word-Monster
Jetzt kam der spaßige Teil: Die Bewerbung schreiben! Das Word-Dokument starrte mich an, leer und unversöhnlich. Ein weißes Nichts, das darauf wartete, mit Worten gefüllt zu werden. Aber mit welchen? "Sehr geehrte Damen und Herren..."? Zu langweilig! "Hiermit bewerbe ich mich..."? Noch langweiliger! Irgendwie musste man ja zeigen, dass man nicht der nächste Schlaftablette-Azubi war.
Also, ran ans Werk. Erstmal recherchiert, was die Zeitung so macht. Oh, sie haben gerade einen Artikel über den riesigen Kürbis auf dem Wochenmarkt veröffentlicht. Interessant! Vielleicht könnte man das in der Bewerbung erwähnen? "Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel über den Kürbis gelesen. Ich bin selbst ein großer Fan von Gemüse in Übergröße..." Naja, vielleicht doch nicht.
Die Kunst des Lebenslaufs (und das Foto-Desaster)
Der Lebenslauf. Eine kurze Zusammenfassung meines bisherigen Daseins. Geburtsdatum, Schule, Hobbys. Hobbys! Was schreibt man da? "Netflix schauen"? "Mit Freunden abhängen"? Eher nicht so professionell. Also, musste etwas Kreatives her: "Interesse an Medien und Kommunikation (und gelegentliches Schauen von Katzenvideos auf YouTube)". Das klingt doch schon besser!
Und dann das Foto. Oh je. Ich hatte mich für ein "professionelles" Foto entschieden, das meine Mutter gemacht hatte. Das Ergebnis? Ich sah aus, als hätte ich gerade eine Mathearbeit verhauen. Aber was soll's, besser als gar kein Foto, oder? (Spoiler: Es gab schlimmere Fotos, das musste ich später feststellen, als ich die Bewerbungen meiner Freunde sah. Einer hatte ein Selfie im Spiegel mit Bademantel geschickt. Autsch!).
Tipp: Frag einen Freund oder ein Familienmitglied, der/die ein Händchen für Fotos hat. Und vermeide Bademäntel.
Das Anschreiben: Die Kür oder der Untergang?
Das Anschreiben war die Königsdisziplin. Hier musste man zeigen, was in einem steckt. Warum gerade diese Zeitung? Warum gerade ich? Ich habe mich hingesetzt und getippt, was das Zeug hält. "Ich bin motiviert, lernwillig und teamfähig..." Blabla. Irgendwie klang alles nach einem Roboter, der versucht, menschlich zu klingen. Also, weg damit!
Stattdessen habe ich einfach geschrieben, warum ich Journalismus cool finde. Dass ich gerne Geschichten erzähle, dass ich neugierig bin und dass ich unbedingt lernen möchte, wie man eine gute Schlagzeile schreibt (und wie man nicht über riesige Kürbisse schreibt). Ich habe sogar einen kleinen Witz eingebaut. Risiko? Ja. Aber es hat sich gelohnt.
Nach unzähligen Überarbeitungen (und dem kritischen Blick meiner Deutschlehrerin) war die Bewerbung endlich fertig. Ein Meisterwerk! (Oder zumindest etwas, das nicht peinlich war). Ich habe sie abgeschickt und gehofft, dass sie nicht im digitalen Nirvana verschwindet.
Das Vorstellungsgespräch: Nervenkitzel pur!
Und dann kam die Einladung zum Vorstellungsgespräch! Panik! Was soll ich anziehen? Was soll ich sagen? Wie soll ich mich verhalten? Ich habe meine Eltern mit Fragen gelöchert, bis sie keine Lust mehr hatten. Dann habe ich das Internet befragt. Und noch mehr Panik bekommen. Jeder hatte eine andere Meinung.
Ich habe mich für etwas entschieden, das weder zu schick noch zu lässig war. Jeans, Hemd, fertig. Und dann habe ich versucht, mich zu entspannen. Was natürlich nicht geklappt hat. Im Wartezimmer habe ich gefühlt 10 Liter Wasser getrunken und meine Hände waren so schweißnass, dass ich fast den Türgriff nicht mehr anfassen konnte.
Das Gespräch selbst war…überraschend. Die Redakteure waren total nett und entspannt. Wir haben über meine Hobbys geredet, über die Zeitung und sogar über den Kürbis. Ich habe sogar einen kleinen Artikel über meine Schule schreiben dürfen. Und dann war es vorbei. Es war wie ein Rausch. Ich war erschöpft, aber auch total aufgeregt.
Das Happy End (oder der Anfang vom Ende?)
Und dann, ein paar Tage später, der Anruf: Ich hatte den Praktikumsplatz! Juhu! Ich war überglücklich. Endlich würde ich in die Welt des Journalismus eintauchen. Endlich würde ich lernen, wie man eine Zeitung macht. Und endlich würde ich Herrn Müller für ein paar Tage nicht sehen müssen.
Das Praktikum selbst war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Es gab tolle Momente, langweilige Momente und Momente, in denen ich mich gefragt habe, warum ich das überhaupt mache. Aber insgesamt war es eine unvergessliche Erfahrung. Ich habe gelernt, dass Journalismus mehr ist als nur das Schreiben von Artikeln. Es geht um Recherche, um Teamwork, um Kreativität und um Kaffee (sehr viel Kaffee!).
Und was habe ich aus der Bewerbung gelernt? Dass es sich lohnt, sich Mühe zu geben. Dass es sich lohnt, kreativ zu sein. Und dass es sich lohnt, auch mal über sich selbst zu lachen. Denn am Ende des Tages ist eine Bewerbung nur ein Stück Papier. Aber es kann der Türöffner zu einer ganz neuen Welt sein.
P.S.: Ich habe den Kürbis-Artikel doch noch geschrieben. Er wurde zwar nicht veröffentlicht, aber er hängt jetzt an meinem Kühlschrank. Als Erinnerung daran, dass auch ein riesiger Kürbis eine Geschichte wert ist.
