Bin Ich Eine Schlechte Oma
Ach, ihr Lieben, lasst mich euch etwas erzählen. Eine Geschichte, die mich lange beschäftigt hat, eine Geschichte von Zweifeln und Selbstfindung, eingebettet in die wunderschöne Kulisse meiner Reisen. Es geht um die Frage, die sich mir immer wieder stellt: Bin ich eine schlechte Oma?
Ich weiß, es klingt dramatisch, und vielleicht ist es das auch ein bisschen. Aber wenn man älter wird, fängt man an, über bestimmte Dinge intensiver nachzudenken. Man blickt zurück auf die Entscheidungen, die man getroffen hat, und fragt sich, ob man alles richtig gemacht hat. Und als Oma, nun, da kommt noch eine ganz neue Ebene hinzu.
Meine Enkelkinder, Max und Sophie, sind mein Ein und Alles. Sie sind 8 und 6 Jahre alt, voller Energie und Lebensfreude. Und ich liebe es, Zeit mit ihnen zu verbringen. Aber hier ist das Problem: Ich bin eine Reisende. Eine leidenschaftliche Reisende. Schon immer gewesen. Mein Herz schlägt für das Abenteuer, für das Entdecken neuer Kulturen und das Erkunden fremder Orte.
Und das ist genau das, was mich so zerreißt. Denn meine Reisen führen mich oft weit weg von zu Hause, weit weg von Max und Sophie. Ich verbringe Wochen, manchmal sogar Monate, in anderen Ländern. Und während ich dort die Welt erkunde, habe ich ständig das Gefühl, etwas zu verpassen. Die ersten wackeligen Schritte von Sophie, Max' erster Tor im Fußball, die kleinen, alltäglichen Momente, die das Leben so besonders machen.
Ich erinnere mich noch genau an meine Reise nach Peru. Ich war so aufgeregt, die Inka-Stätten zu sehen, den Machu Picchu zu besteigen und die atemberaubende Landschaft zu erleben. Aber gleichzeitig quälte mich das schlechte Gewissen. Sophie hatte kurz zuvor ihren ersten Zahn verloren, und ich war nicht da, um es mit ihr zu feiern. Max hatte Probleme in der Schule, und ich konnte ihm nicht zur Seite stehen.
War das egoistisch von mir? War es falsch, meine eigenen Träume zu verfolgen, während meine Enkelkinder mich brauchten? Diese Frage nagte an mir, während ich durch die Anden wanderte und die faszinierende Kultur Perus in mich aufsog. Ich versuchte, mich mit dem Gedanken zu trösten, dass ich ja regelmäßig mit ihnen skypte, ihnen Postkarten schickte und ihnen von meinen Abenteuern erzählte. Aber es war nicht dasselbe, das wusste ich.
Es gab auch die Reise nach Thailand. Ich war fasziniert von den buddhistischen Tempeln, dem exotischen Essen und der Freundlichkeit der Menschen. Aber auch hier war das schlechte Gewissen mein ständiger Begleiter. Ich hörte von den anderen Großeltern, die ihre Enkelkinder jeden Tag vom Kindergarten abholten, mit ihnen spielten und ihnen Geschichten vorlasen. Und ich fragte mich, ob ich meinen Enkelkindern nicht etwas schuldig war.
Ich sprach mit meiner Tochter, Max' und Sophies Mutter, über meine Zweifel. Sie versuchte, mich zu beruhigen. "Mama," sagte sie, "du bist eine tolle Oma. Max und Sophie lieben dich. Sie sind stolz auf deine Reisen und hören dir gerne zu, wenn du von deinen Abenteuern erzählst. Und sie wissen, dass du sie liebst, auch wenn du nicht immer da bist."
Ihre Worte halfen mir, aber das Gefühl blieb. Ich begann, meine Reisen anders zu planen. Ich versuchte, kürzere Reisen zu machen, oder solche, die mich näher an zu Hause hielten. Ich versuchte auch, mehr Zeit mit Max und Sophie zu verbringen, wenn ich zu Hause war. Wir gingen in den Zoo, ins Museum, in den Park. Wir spielten Spiele, lasen Bücher und backten Kuchen. Und ich versuchte, ihnen meine Liebe und Zuneigung auf jede erdenkliche Weise zu zeigen.
Und dann kam eine Reise, die alles veränderte. Ich plante eine Reise nach Italien, in die Toskana. Ich wollte die sanften Hügel, die malerischen Dörfer und das köstliche Essen erleben. Und dann hatte ich eine Idee: Warum nehme ich Max und Sophie nicht einfach mit?
Ich sprach mit meiner Tochter, und sie war begeistert. Also packten wir unsere Koffer und flogen nach Italien. Es war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. Max und Sophie waren von der Toskana begeistert. Sie liebten es, durch die Olivenhaine zu streifen, Pasta zu essen und italienisch zu lernen. Wir besuchten Florenz, Siena und Pisa. Wir lachten, sangen und tanzten. Und ich sah in ihren Augen das pure Glück.
Diese Reise hat mir gezeigt, dass ich meine Leidenschaft fürs Reisen und meine Rolle als Oma nicht aufgeben muss. Ich kann beides haben. Ich kann die Welt erkunden und gleichzeitig eine liebevolle und präsente Oma sein. Ich muss nur einen Weg finden, beides zu vereinen.
Seitdem habe ich viele weitere Reisen mit Max und Sophie unternommen. Wir waren in Frankreich, Spanien und Deutschland. Und jedes Mal haben wir neue Erinnerungen geschaffen, die uns für immer verbinden werden. Ich habe gelernt, dass es nicht darauf ankommt, wie viel Zeit man miteinander verbringt, sondern wie man diese Zeit nutzt. Es geht um die Qualität, nicht um die Quantität.
Und so komme ich zu dem Schluss, dass ich vielleicht nicht die perfekte Oma bin. Ich bin nicht immer da, wenn Max und Sophie mich brauchen. Aber ich liebe sie von ganzem Herzen, und ich versuche, ihnen die bestmögliche Oma zu sein, die ich sein kann. Und ich glaube, das ist alles, was zählt.
Also, ihr Lieben, wenn ihr euch jemals fragt, ob ihr eine schlechte Oma oder ein schlechter Opa seid, dann denkt daran: Es gibt nicht den einen richtigen Weg, ein Großelternteil zu sein. Es geht darum, eure Enkelkinder zu lieben, sie zu unterstützen und ihnen die Welt zu zeigen. Und wenn ihr das tut, dann seid ihr schon auf dem richtigen Weg.
Meine Tipps für reisende Großeltern:
1. Plant Reisen mit euren Enkelkindern:
Das ist die beste Möglichkeit, eure Leidenschaft fürs Reisen und eure Rolle als Großeltern zu vereinen. Wählt Reiseziele, die für Kinder geeignet sind, und plant Aktivitäten, die allen Spaß machen.
2. Bleibt in Kontakt, auch wenn ihr unterwegs seid:
Nutzt Skype, Facetime oder andere Kommunikationsmittel, um regelmäßig mit euren Enkelkindern zu sprechen. Schickt ihnen Postkarten und erzählt ihnen von euren Abenteuern.
3. Seid präsent, wenn ihr zu Hause seid:
Nutzt die Zeit, die ihr mit euren Enkelkindern verbringt, optimal aus. Spielt mit ihnen, lest ihnen Geschichten vor und zeigt ihnen eure Liebe und Zuneigung.
4. Lasst euch nicht von Schuldgefühlen übermannen:
Es ist okay, eure eigenen Interessen und Hobbys zu verfolgen. Ihr müsst nicht euer ganzes Leben euren Enkelkindern widmen. Sie werden euch auch dann lieben, wenn ihr nicht immer da seid.
5. Vertraut auf euer Bauchgefühl:
Jede Familie ist anders, und jede Oma und jeder Opa hat seinen eigenen Stil. Findet heraus, was für euch und eure Enkelkinder am besten funktioniert, und lasst euch nicht von anderen beeinflussen.
Und nun, ihr Lieben, wünsche ich euch eine wunderschöne Reise, egal wohin sie euch führt. Und vergesst nicht: Das Wichtigste ist die Liebe, die ihr euren Enkelkindern schenkt.
