Bitte Bedient Euch Und Lasst Es Euch Schmecken
Ach du liebe Zeit, dieses "Bitte bedient euch und lasst es euch schmecken"! Kennt ihr das? Jeder kennt das. Es schwebt in der Luft, bevor du überhaupt einen Fuss in Omas Küche gesetzt hast. Oder auf der Firmenweihnachtsfeier, wo die Buletten schon leicht schwitzen.
Mal ehrlich: Ist das nicht eine der merkwürdigsten Floskeln im deutschen Sprachgebrauch?
Die Aufforderung, die keine ist
Klar, es ist nett gemeint. Eine Art Einladung, sich hemmungslos über das Buffet herzumachen. "Schlagt zu! Nur zu!" signalisiert es. Aber irgendwie... fühlt es sich auch ein bisschen seltsam an. Als ob man eine Erlaubnis bräuchte, etwas zu essen, das einem offensichtlich angeboten wird. Ist das nur mir so gegangen?
Ich meine, würden wir wirklich nicht zugreifen, wenn es nicht gesagt würde? Stünden wir da, hungrig und unglücklich, und starrten sehnsüchtig auf die Käseigel, bis jemand endlich das magische "Bitte bedient euch" murmelt?
Vermutlich nicht.
Die unterschwellige Erwartung
Und dann ist da noch der zweite Teil: "...und lasst es euch schmecken". Eine freundliche Wunschformel, natürlich. Aber auch ein bisschen Druck, oder? Was, wenn es einem nicht schmeckt? Darf man das sagen? Soll man lügen und ein gequältes Lächeln aufsetzen?
Ich plädiere für Ehrlichkeit! "Mhmm, interessant gewürzt!" ist eine akzeptable Antwort, finde ich. Oder einfach ein dankbares Nicken. Hauptsache, keine theatralischen Lobeshymnen auf das lauwarme Kartoffelgratin.
Denkt mal an die Situation: Tante Erna hat drei Stunden in der Küche gestanden und diesen Auflauf gezaubert. Sie steht daneben, die Augen voller Hoffnung. Und dann... schmeckt er nach... irgendwas. Irgendwas undefinierbar Gewürzlastiges. Was nun?
Unpopuläre Meinung: Wir sollten die Phrase "und lasst es euch schmecken" durch ein einfaches "Guten Appetit" ersetzen. Es ist kürzer, prägnanter und weniger verpflichtend.
Das Buffet: Ein Minenfeld der Höflichkeit
Buffets sind sowieso schon kompliziert genug. Wer drängelt? Wer nimmt das letzte Stück Kuchen? Und wie vermeidet man es, einen kompletten Berg von Nudelsalat auf dem Teller zu stapeln, nur weil man sich nicht entscheiden kann?
Die "Bitte bedient euch"-Aufforderung macht die Sache nicht einfacher. Sie verstärkt nur das Gefühl, beobachtet zu werden. Jeder Schritt, jede Gabelbewegung wird kritisch beäugt. Hat man genug genommen? Zu viel? Das Richtige?
Vielleicht wäre es entspannender, wenn wir einfach alle schweigend zugreifen würden. Eine Art "Silent Buffet". Ein bisschen wie ein Zen-Garten, nur mit Frikadellen.
Alternativen für Fortgeschrittene
Wenn es schon unbedingt eine Aufforderung sein muss, warum nicht etwas Kreativeres? Statt des ewig gleichen "Bitte bedient euch..." könnten wir doch mal etwas Abwechslung reinbringen. Hier ein paar Vorschläge:
- "Haut rein!" (Direkt, aber ehrlich)
- "Langt zu, solange der Vorrat reicht!" (Mit leichtem Panikfaktor)
- "Esst, als gäbe es kein Morgen!" (Für die Apokalypse-Partys)
Oder, noch besser: Einfach gar nichts sagen. Die Speisen sprechen für sich. Wer hungrig ist, wird schon zugreifen. Und wer keinen Hunger hat, kann sich in Ruhe mit Tante Erna über das Wetter unterhalten.
Am Ende ist es ja nur eine kleine Phrase. Aber vielleicht sollten wir sie trotzdem mal kritisch hinterfragen. Vielleicht gibt es ja bessere Wege, unsere Gäste zum Essen einzuladen. Wege, die weniger Druck erzeugen und mehr Spaß machen. Oder wir lassen es einfach ganz weg. Das wäre auch mal was!
Denkt drüber nach... während ihr euch das nächste Mal am Buffet bedient. Und lasst es euch... na ja, ihr wisst schon.
