Bonnie Tyler Holding Out For A Hero Text
Okay, mal ehrlich. Wir alle kennen Bonnie Tyler. Und wir alle kennen "Holding Out for a Hero". Der Song ist ein Klassiker. Ein absolutes Power-Balladen-Brett. Aber... (psst!) ich habe da so eine kleine, geheime Meinung. Eine, die vielleicht nicht jeder teilt. Aber ich muss es einfach loswerden.
Es geht um den Text. Genauer gesagt, um die Kriterien für diesen verflixten Helden. Bonnie, Schätzchen, sind wir nicht ein bisschen... anspruchsvoll?
Ein Held muss sein... schnell?
Gleich am Anfang knallt's: "Where have all the good men gone / And where are all the gods?" Ja, wo sind sie denn? Vermutlich gerade dabei, die Spülmaschine auszuräumen oder 'ne Glühbirne zu wechseln. Aber warte! Es wird noch spezifischer:
He's gotta be sure / And he's gotta be soon / And he's gotta be larger than life.
"Sure" – klar, Unsicherheit ist mega unattraktiv. "Soon" – okay, Dringlichkeit verstehe ich. Aber "larger than life"? Muss er jetzt unbedingt 2,13 Meter groß sein und 'nen Umhang tragen? Ein bisschen viel verlangt, oder?
Ich meine, ein Typ, der einfach nur zuverlässig die Mülltonne rausbringt, ist auch schon was wert. Findet ihr nicht auch?
Superkräfte sind Pflicht, oder?
Weiter geht's im Text: "I need a hero / I'm holding out for a hero 'til the end of the night." Okay, verständlich. Wer wünscht sich nicht manchmal einen Helden? Aber was genau soll er denn tun?
Es klingt fast so, als ob sie erwartet, dass er im Alleingang 'ne Zombie-Apokalypse verhindert oder zumindest ein brennendes Haus rettet. "He's gotta be strong / And he's gotta be fast / And he's gotta be fresh from the fight."
Stark, schnell, frisch aus dem Kampf... Also, ich weiß ja nicht. Klingt eher nach einem Jobprofil für den nächsten Avengers-Film als nach einem potenziellen Partner. Vielleicht einfach nur jemand, der gut zuhören kann und 'ne Schulter zum Anlehnen bietet? Wäre das nicht auch schon heldenhaft?
Die romantische Idealvorstellung... oder doch zu viel?
Ich will Bonnie Tyler wirklich nicht schlechtreden. Der Song ist ein Ohrwurm. Und natürlich darf man sich in der Liebe etwas wünschen. Aber manchmal frage ich mich, ob diese übertriebene Helden-Erwartung nicht ein bisschen unrealistisch ist. Und ob sie nicht vielleicht dazu führt, dass wir die kleinen, alltäglichen Heldentaten übersehen.
Ist es nicht auch heldenhaft, wenn jemand einfach für dich da ist? Wenn er dich zum Lachen bringt? Wenn er dir hilft, wenn du mal nicht weiterweißt? Vielleicht ist der wahre Held nicht derjenige, der die Welt rettet, sondern der, der dir den Tag versüßt.
Und mal ehrlich: Wer von uns kann schon von sich behaupten, "larger than life" zu sein und ständig frisch aus dem Kampf zu kommen? Eben. Also, lasst uns die Latte ein bisschen niedriger legen. Und die ganz normalen, unspektakulären Helden in unserem Leben wertschätzen.
Vielleicht singt Bonnie ja insgeheim auch schon: "I need a friend / I'm holding out for a friend 'til the end of the night... someone who can share a pizza and watch Netflix".
Oder vielleicht auch nicht. Aber ein bisschen träumen darf man ja wohl. Und vielleicht ist das ja auch schon heldenhaft: einfach weiterträumen.
