Borchert Nachts Schlafen Die Ratten Doch
Hallo liebe Reisefreunde! Heute möchte ich euch von einer ganz besonderen Entdeckung erzählen, die ich auf meinen Reisen durch Deutschland gemacht habe. Es ist keine glitzernde Sehenswürdigkeit, kein berühmtes Schloss, sondern eine kleine, feine Geschichte, die mich tief berührt hat und die ich euch unbedingt ans Herz legen möchte: Wolfgang Borcherts Kurzgeschichte "Nachts schlafen die Ratten doch".
Vielleicht fragt ihr euch jetzt: "Eine Kurzgeschichte? Was hat das mit Reisen zu tun?" Lasst mich euch erklären. Für mich ist Reisen mehr als nur das Abhaken von Sehenswürdigkeiten. Es geht darum, in die Seele eines Ortes einzutauchen, seine Geschichte zu verstehen und die Menschen kennenzulernen, die ihn prägen. Und Literatur ist dabei ein unschätzbares Werkzeug. Sie öffnet uns Türen zu verborgenen Welten und lässt uns die Welt mit anderen Augen sehen.
Ich entdeckte "Nachts schlafen die Ratten doch" in einem kleinen Antiquariat in Hamburg, Borcherts Geburtsstadt. Der vergilbte Band mit dem schlichten Cover sprang mir sofort ins Auge. Der Titel weckte meine Neugier, und als ich die ersten Zeilen las, war ich gefesselt.
Die Geschichte spielt in den Trümmern einer zerbombten deutschen Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein kleiner Junge namens Jürgen wacht nachts inmitten der Ruinen. Er hockt auf einem Haufen Ziegelsteine und bewacht etwas. Ein älterer Mann kommt vorbei und fragt ihn, was er da tut. Jürgen antwortet, dass er die Ratten bewacht. Er will verhindern, dass sie an seine kleine Schwester gehen, die unter den Trümmern begraben liegt.
Der Mann ist berührt von Jürgens Geschichte und versucht, ihn zu trösten. Er erzählt ihm, dass die Ratten nachts schlafen. Jürgen glaubt ihm nicht. Er hat Angst, dass die Ratten seine Schwester holen werden. Der Mann versucht Jürgen zu beruhigen, indem er ihm erzählt, dass er selbst auch Kinder hat und dass er weiß, wie es ist, Angst um seine Lieben zu haben. Er bietet Jürgen an, ihm eine Katze zu schenken, die die Ratten vertreiben könnte.
Jürgen ist misstrauisch, aber der Mann gibt nicht auf. Er redet sanft mit ihm und versucht, ihm zu erklären, dass die Ratten nicht an seine Schwester gehen werden. Schließlich gibt Jürgen nach und lässt sich von dem Mann überzeugen, dass die Ratten nachts schlafen. Er nimmt das Angebot der Katze an und kehrt nach Hause zurück.
Warum diese Geschichte so wichtig ist
Auf den ersten Blick mag "Nachts schlafen die Ratten doch" eine einfache Geschichte sein. Aber sie ist so viel mehr. Sie ist eine Geschichte über Verlust, Angst und Hoffnung. Sie zeigt uns die Brutalität des Krieges und die unendliche Trauer, die er hinterlässt. Aber sie zeigt uns auch die Kraft der Menschlichkeit und die Fähigkeit, selbst in den dunkelsten Zeiten Hoffnung zu finden.
Borchert gelingt es mit wenigen Worten, eine unglaublich dichte und atmosphärische Szene zu schaffen. Man spürt die Kälte und den Staub der Ruinen, man hört das Knistern des Feuers und das leise Wimmern des Jungen. Man fühlt die Angst und die Verzweiflung, aber auch die Wärme und das Mitgefühl des alten Mannes.
Die Bedeutung des Titels
Der Titel der Geschichte ist natürlich ironisch. Die Ratten schlafen nicht wirklich nachts. Sie sind ein Symbol für die allgegenwärtige Gefahr und die Unberechenbarkeit des Lebens. Sie stehen für die Zerstörung und den Tod, die der Krieg mit sich gebracht hat.
Die Aussage des Mannes, dass die Ratten nachts schlafen, ist also keine Wahrheit, sondern ein Trost. Er versucht, Jürgen zu beruhigen und ihm ein wenig Hoffnung zu geben. Er will ihm zeigen, dass es auch in dieser grausamen Welt noch etwas Gutes gibt.
Was wir von Borchert lernen können
Für mich ist "Nachts schlafen die Ratten doch" eine Mahnung, die uns daran erinnert, wie wichtig es ist, mitfühlend und hilfsbereit zu sein. Sie zeigt uns, dass wir selbst in den schwierigsten Situationen einen Unterschied machen können, indem wir anderen Menschen zur Seite stehen und ihnen Trost spenden.
Gerade auf Reisen begegnen wir oft Menschen in schwierigen Lebenslagen. Wir sehen Armut, Ungerechtigkeit und Leid. Borchert erinnert uns daran, dass wir nicht wegschauen dürfen. Wir müssen uns engagieren und versuchen, die Welt ein bisschen besser zu machen.
Ich habe diese Geschichte in vielen verschiedenen Kontexten weitergegeben: auf meinen Reisen, in Gesprächen mit Freunden, sogar in Schulklassen. Jedes Mal habe ich die gleiche Reaktion erlebt: Betroffenheit, Nachdenklichkeit und den Wunsch, etwas zu verändern. Das ist die Kraft der Literatur. Sie kann uns berühren, uns zum Nachdenken anregen und uns zu besseren Menschen machen.
Warum ihr Borchert lesen solltet
Wenn ihr also das nächste Mal eine Reise plant, nehmt euch doch ein Buch von Wolfgang Borchert mit. Lest "Nachts schlafen die Ratten doch" und lasst euch von der Geschichte berühren. Sie wird euch begleiten und euch daran erinnern, dass es wichtig ist, die Welt mit offenen Augen und einem mitfühlenden Herzen zu betrachten.
Ihr findet die Geschichte in vielen Anthologien und natürlich auch einzeln veröffentlicht. Es gibt sogar Hörspielversionen und Verfilmungen. Egal für welche Form ihr euch entscheidet, ich bin sicher, dass euch Borchert nicht loslassen wird.
Und vielleicht, nur vielleicht, werdet ihr auf euren Reisen Menschen begegnen, die eure Hilfe brauchen. Und dann könnt ihr euch an Jürgens Geschichte erinnern und versuchen, ihnen ein wenig Trost und Hoffnung zu geben. Denn das ist es, was wir alle brauchen: Ein bisschen Menschlichkeit in einer oft so grausamen Welt.
Ich hoffe, ich konnte euch mit meiner kleinen Geschichte inspirieren. Ich wünsche euch viele schöne und bereichernde Reisen!
Eure reisefreudige Bloggerin!
