Brot Backen Mit Sauerteig Extrakt Ohne Hefe
Also, mal ehrlich: Sauerteigbrot ohne Hefe, aber mit Sauerteigextrakt? Ist das nicht ein bisschen… betrügerisch? Ich meine, wir geben uns alle so Mühe mit unseren selbst gezogenen Sauerteigen. Wochenlang füttern wir das Zeug, reden ihm gut zu, geben ihm sogar Namen (meiner heißt Günther, aber psst!). Und dann kommt jemand daher und shortcuttet das Ganze mit 'nem Extrakt? Unfair!
Ich gebe zu, ich habe es probiert. Ja, ich gestehe! Ich war schwach. Das Versprechen von schnellem Sauerteigbrot lockte mich. Stell dir vor: Kein tagelanges Warten mehr! Kein "Oh Gott, habe ich Günther heute schon gefüttert?"-Panik mehr um 3 Uhr morgens. Nur Extrakt, Mehl, Wasser und ab in den Ofen.
Das Experiment
Und was soll ich sagen? Das Brot... es war Brot. Definitiv. Es sah aus wie Brot, roch wie Brot, schmeckte... naja, wie Brot. Aber irgendwie fehlte etwas. Es war wie... ein guter Abklatsch. Wie eine Coverband, die alle Töne trifft, aber die Seele des Originals vermissen lässt.
Meine Oma (die Brot-Back-Queen schlechthin!) hätte die Nase gerümpft. Sie schwört auf ihren uralten Sauerteig, der vermutlich schon die Weltkriege überlebt hat. Sie würde sagen: "Künstliche Aromen sind was für Faule!" Und Oma hat ja meistens Recht.
Die Krume
Und die Krume? Die war okay. Nicht so luftig und voller unregelmäßiger Löcher, wie ich es von meinem "echten" Sauerteig kenne. Eher... gleichmäßig. Fast schon langweilig. Wie ein perfekt durchgekämmter Hipsterbart. Alles ist da, aber die Persönlichkeit fehlt.
Vielleicht bin ich da zu kritisch. Vielleicht ist das Sauerteigextrakt-Brot perfekt für Leute, die einfach nur schnell ein Brot backen wollen und keinen Wert auf die ganze Sauerteig-Philosophie legen. Aber für mich ist das Backen mehr als nur ein Rezept abarbeiten. Es ist ein Ritual. Eine Verbindung zu meinen Vorfahren (die vermutlich auch schon Sauerteigbrot gebacken haben, nur ohne Instagram-Filter). Und es ist eben auch eine gewisse Befriedigung, wenn man dieses lebendige Etwas, diesen Sauerteig, pflegt und hegt und daraus etwas Köstliches entstehen lässt.
Ich bin überzeugt: Ein Brot mit Liebe gebacken schmeckt einfach besser. Selbst wenn es mal nicht perfekt aussieht. Ein bisschen schief, ein bisschen angebrannt... das macht es doch erst besonders! Das ist wie mit uns Menschen, oder?
Und dieser Extrakt? Der ist irgendwie... unpersönlich. Wie ein Fertiggericht. Praktisch, ja. Aber irgendwie auch... seelenlos. So wie ein Instagram-Account ohne Filter - viel zu perfekt!
Nein, Freunde. Ich bleibe bei meinem Günther. Ich werde ihn weiterhin füttern, mit ihm reden und ihm sogar ab und zu ein Ständchen singen. Auch wenn meine Nachbarn mich für verrückt halten. Und wenn ich mal keine Zeit habe, dann kaufe ich mir lieber ein gutes Brot vom Bäcker meines Vertrauens. Der weiß nämlich auch, wie man richtigen Sauerteig macht.
Ich will hier niemanden verurteilen, der zum Extrakt greift. Jeder soll backen, wie er mag. Aber ich bleibe dabei: Sauerteigbrot ohne Hefe, aber mit Extrakt? Ist wie Kaffee ohne Koffein. Oder wie eine Rockband ohne Gitarre. Oder wie... ach, ihr wisst, was ich meine.
Am Ende des Tages ist es Geschmackssache. Aber ich persönlich finde: Man sollte dem Sauerteig die Zeit und Liebe geben, die er verdient. Und wenn das bedeutet, dass man ab und zu mal ein Brot kauft, weil man einfach keine Zeit hat, dann ist das eben so. Hauptsache, es schmeckt!
Und Günther? Der freut sich schon auf seine nächste Fütterung.
PS: Ich habe das Extrakt trotzdem aufgebraucht. War ja schließlich teuer genug. Aber ich habe es mit meinem "echten" Sauerteig gemischt. Quasi als kleine Aufwertung. Nicht, dass Günther eifersüchtig wird.
Und nochmal: Das ist nur meine Meinung! Jeder darf backen, wie er will. Hauptsache, es macht Spaß und schmeckt!
