Christopher Marlowe Dr. Faustus
Okay, mal ehrlich: Dr. Faustus von Christopher Marlowe? Super berühmt, klar. Aber... ich sage es einfach: Ist es nicht ein bisschen... überbewertet?
Bevor jetzt alle Marlowe-Fans mit Fäusten winken: Hört mich an! Ich liebe Theater, ich liebe Shakespeare (psst, nicht weitererzählen: manchmal mehr als Marlowe!), und ich schätze klassische Literatur. Aber Faustus' Entscheidung, seine Seele für 24 Jahre Party zu verkaufen? Klingt für mich eher nach einem missglückten Semester in der Uni, als nach einem epischen Pakt mit dem Teufel.
Klar, die Idee ist cool. Ein Typ, der alles weiss, aber trotzdem mehr will. Kennt man, oder? Aber die Umsetzung? Ich finde, Marlowe hätte mehr draus machen können.
Das Angebot: Unschlagbar?
Faustus bekommt Méphistophélès, einen Dämonen, der ihm jeden Wunsch erfüllt. 24 Jahre lang. Was macht er damit? Er zaubert Weintrauben für eine Herzogin. Er spielt dem Papst einen Streich. Er verkauft einem Pferdehändler ein Strohpferd, das zerfällt. Ernsthaft? Das ist das, was passiert, wenn ein Genie unbegrenzte Macht bekommt? Ich hätte erwartet, dass er die Pyramiden neu erfindet oder wenigstens den Brexit verhindert!
Ich meine, stell dir vor: Du verkaufst deine Seele. Das ist keine Kleinigkeit. Da sollte man doch ein bisschen mehr rausholen, oder? Ich hätte mir gewünscht, dass Faustus größere, dramatischere Sachen anstellt. Die Welt verändern. Eine neue Religion gründen. Irgendwas, das wirklich beeindruckt und nicht nur peinlich berührt.
Die Figur des Méphistophélès
Und dann ist da noch Méphistophélès. Der arme Kerl. Er ist quasi Faustus' persönlicher Diener, aber er scheint auch die ganze Zeit traurig zu sein. Er warnt Faustus ständig vor den Konsequenzen, aber Faustus hört natürlich nicht zu. Méphistophélès wirkt manchmal mehr wie ein besorgter Babysitter als wie ein böser Dämon.
Ich meine, wo bleibt da die teuflische Freude? Die hinterhältigen Pläne? Das diabolische Lachen? Méphistophélès ist irgendwie... bemitleidenswert. Er ist gefangen zwischen seiner Pflicht, Faustus zu dienen, und seinem Wissen um das grausame Schicksal, das ihm bevorsteht. Man möchte ihn fast in den Arm nehmen und ihm sagen: "Kopf hoch, es werden bessere Zeiten kommen!" (Natürlich nicht. Er ist ja ein Dämon.)
Vielleicht liegt es daran, dass Marlowe selbst kein grosser Fan von Teufeln war? Wer weiss?
Das Ende: Vorhersehbar und... naja...
Und dann kommt das Ende. Die letzten Stunden. Faustus hat Angst. Sehr viel Angst. Er fleht Gott um Gnade an. Er versucht, die Zeit anzuhalten. Er bereut alles. Überraschung! Aber irgendwie fühlt es sich nicht wirklich an, als ob er etwas gelernt hätte. Er hat 24 Jahre lang Blödsinn gemacht und plötzlich, ganz am Ende, bekommt er kalte Füsse.
Ja, es ist tragisch. Ja, es soll uns zum Nachdenken anregen. Aber irgendwie ist es auch... naja... ein bisschen langweilig. Wir wissen von Anfang an, wie es ausgehen wird. Es gibt keine unerwarteten Wendungen, keine großen Überraschungen. Faustus wandert einfach geradewegs in sein Verderben.
Ich weiss, ich weiss. Das ist der Punkt. Die Tragödie. Die Warnung. Aber ein bisschen mehr Spannung hätte der Geschichte nicht geschadet, finde ich.
Unpopuläre Meinung? Vielleicht.
Vielleicht bin ich zu zynisch. Vielleicht verstehe ich die subtile Genialität von Marlowe einfach nicht. Vielleicht sollte ich mich einfach damit abfinden, dass Dr. Faustus ein Meisterwerk ist und meine Meinung keine Rolle spielt.
Aber trotzdem: Ich bleibe dabei. Es ist okay, Dr. Faustus ein bisschen überbewertet zu finden. Es ist okay, sich zu fragen, warum Faustus nicht ein bisschen kreativer war. Und es ist okay, Méphistophélès ein bisschen leid zu tun.
Also, was meint ihr? Bin ich der einzige Ketzer hier? Oder gibt es da draussen noch andere, die heimlich denken, dass Dr. Faustus vielleicht nicht ganz so genial ist, wie alle immer sagen?
Lasst es mich wissen! (Aber bitte keine Morddrohungen. Danke.)
