Corpus Delicti Ideale Geliebte
Stell dir vor, du stehst im Buchladen, oder noch besser, stöberst online. Dein Blick fällt auf einen Titel: Corpus Delicti. Dunkel, bedrohlich, irgendwie nach Krimi – aber auch ein bisschen nach Lateinunterricht, oder?
Dann entdeckst du Ideale Geliebte. Klingt doch ganz anders, oder? Romantisch, sehnsüchtig, vielleicht sogar ein bisschen kitschig. Was haben diese beiden so gegensätzlichen Begriffe gemeinsam? Mehr als du denkst!
Die Sache mit dem 'Corpus Delicti'
Vergiss erstmal Latein. In der Literatur – und besonders bei Juli Zeh – ist 'Corpus Delicti' nicht einfach nur der "Tatkörper" aus dem Strafrecht. Klar, es geht um Verbrechen. Aber viel mehr geht es um die Frage: Was ist ein Verbrechen eigentlich? Und wer entscheidet das?
Zehs Roman spielt in einer Zukunft, in der Gesundheit über alles geht. Der Staat kontrolliert, was du isst, wie viel du schläfst und ob du genug Sport machst. Das Ziel: die perfekte, gesunde Gesellschaft. Klingt erstmal gut, oder? Aber was, wenn du anders denkst? Was, wenn du nicht mitmachen willst?
Mia Holl, die Protagonistin, ist so ein Fall. Sie trauert um ihren Bruder, der als "Gesundheitsschädling" abgestempelt und verurteilt wurde. Und plötzlich gerät sie selbst ins Visier des Systems. Ihr 'Corpus Delicti' ist nicht ein toter Körper, sondern ihre abweichende Meinung, ihre Trauer, ihre Liebe zu ihrem Bruder.
Das ist der Clou: Juli Zeh dreht den Begriff um. Der "Tatkörper" ist nicht mehr etwas Konkretes, sondern etwas Abstraktes: eine Idee, ein Gefühl, ein Gedanke. Und das macht die Geschichte so spannend und beängstigend zugleich.
Die Suche nach der 'Idealen Geliebten'
Jetzt kommt Elke Heidenreich ins Spiel. Sie ist bekannt für ihre humorvollen und klugen Bücher über das Leben, die Liebe und natürlich: das Lesen. In 'Ideale Geliebte' geht es um die Suche nach der perfekten Partnerin – allerdings auf eine ganz besondere Art und Weise.
Heidenreich erzählt von verschiedenen Frauen, die alle auf ihre Art liebenswert, schrullig und eben ideal sind. Aber nicht im Sinne von makellos oder perfekt gestylt. Sondern ideal, weil sie Ecken und Kanten haben, weil sie ihre eigenen Macken und Marotten lieben – oder zumindest akzeptieren.
Die 'Ideale Geliebte' ist eben nicht die, die alle Erwartungen erfüllt, sondern die, die dich überrascht, die dich zum Lachen bringt und die dich so nimmt, wie du bist. Und vielleicht ist sie auch gar keine "Geliebte" im romantischen Sinne, sondern eine Freundin, eine Schwester, eine Kollegin – oder sogar ein Buch!
Warum passt das zusammen?
Was haben nun eine düstere Zukunftsvision und eine Sammlung humorvoller Frauenporträts gemeinsam? Mehr als man auf den ersten Blick vermutet.
Beide Bücher stellen die Frage nach dem Ideal. Was ist das Ideal? Wer definiert es? Und was passiert, wenn wir nicht in dieses Ideal passen?
Bei Juli Zeh wird das Ideal zum Albtraum, weil es zur Unterdrückung Andersdenkender führt. Bei Elke Heidenreich wird das Ideal zur Befreiung, weil es uns erlaubt, uns selbst zu lieben, mit all unseren Fehlern und Schwächen.
Und genau das ist der Punkt: Beide Autorinnen fordern uns heraus, unsere eigenen Vorstellungen von Perfektion und Ideal zu hinterfragen. Sind wir wirklich glücklicher, wenn wir uns anpassen? Oder ist es nicht viel wichtiger, authentisch zu sein, unsere eigene Stimme zu finden und unseren eigenen Weg zu gehen?
Also, was nun?
Lass dich nicht von den sperrigen Begriffen abschrecken. Corpus Delicti und Ideale Geliebte sind keine trockenen Abhandlungen über Recht und Liebe. Sie sind lebendige, spannende und humorvolle Bücher, die uns zum Nachdenken anregen und uns vielleicht sogar ein bisschen mutiger machen.
Vielleicht entdeckst du ja beim Lesen, dass dein eigenes "Corpus Delicti" deine Kreativität, deine Neugier oder deine Fähigkeit ist, anders zu denken. Und vielleicht erkennst du in einer der 'Idealen Geliebten' ein Stück von dir selbst wieder. Oder du erkennst, was du an deinen Freundschaften so schätzt.
Also, schnapp dir eines der Bücher (oder am besten beide!) und lass dich überraschen. Du wirst es nicht bereuen.
