Darf Ich Notizen Mit Ins Vorstellungsgespräch Nehmen
Darf ich? Darf ich wirklich? Das ist die Frage, die mir im Kopf herumschwirrte, als ich vor meinem letzten Vorstellungsgespräch saß, bewaffnet mit einem kleinen Notizbuch. Es fühlte sich an, als würde ich beim Schummeln erwischt werden wollen. Irgendwie. So, als ob ich versuchte, die Antwort auf die ultimative Frage des Lebens zu erhaschen: "Warum sollten wir *Sie* einstellen?"
Ich hatte mir dieses kleine Büchlein liebevoll zusammengestellt. Fragen, die ich stellen wollte, Stichpunkte zu den Leuten, mit denen ich sprechen würde (ich hatte sie alle auf LinkedIn gestalkt, natürlich!), und sogar eine Liste meiner größten Erfolge – nur für den Fall, dass mein Gehirn plötzlich beschloss, einen Totalausfall zu erleiden.
Ich war mir unsicher. Ist es okay? Wird es als unprofessionell angesehen? Würden sie denken, ich sei nicht vorbereitet, wenn ich Notizen brauche?
Der erste Eindruck zählt... oder etwa doch nicht?
Also, da saß ich, nervös wie ein Eichhörnchen auf einer stark befahrenen Straße, und grübelte. Ich beschloss, es einfach zu riskieren. Was sollte schon passieren? Immerhin war das Notizbuch klein und unauffällig. Ich würde es einfach dezent auf den Tisch legen, so als wäre es nur ein dekoratives Element, ein trendiger Briefbeschwerer, der zufällig Fragen enthielt, die mein berufliches Leben verändern könnten.
Der Personaler kam herein, ein sympathischer Mann mit einem noch sympathischeren Lächeln. Wir begrüßten uns, setzten uns und begannen das Gespräch. Alles lief gut. Ich lächelte, nickte, benutzte Fachjargon, der mich kompetent wirken ließ (hoffentlich!), und dann, der Moment der Wahrheit. Ich griff nach meinem Notizbuch.
Ich hob es kaum an. Einfach ein kurzes Aufblitzen, ein unschuldiger Blick darauf, um mir eine Frage in Erinnerung zu rufen. Und was passierte? Nichts. Absolut nichts. Der Personaler zuckte nicht mit der Wimper. Er lächelte einfach weiter.
Die Magie des Notizbuchs
Im Laufe des Gesprächs merkte ich, dass das Notizbuch mehr war als nur eine Gedächtnisstütze. Es war ein Werkzeug. Es gab mir Selbstvertrauen. Zu wissen, dass ich alle wichtigen Informationen und Fragen griffbereit hatte, beruhigte meine Nerven und ermöglichte es mir, mich auf das eigentliche Gespräch zu konzentrieren.
Ich stellte kluge Fragen, basierend auf meinen Notizen. Ich zeigte Interesse und Engagement. Und ich hatte das Gefühl, dass ich wirklich mit dem Personaler in Kontakt trat, anstatt nur eine vorgefertigte Rede herunterzuspielen.
Nach dem Gespräch fragte ich den Personaler sogar direkt: "War es okay, dass ich Notizen gemacht habe?"
Seine Antwort überraschte mich. "Absolut! Ich finde es toll, wenn Bewerber vorbereitet sind und sich Gedanken gemacht haben. Es zeigt, dass Sie das Gespräch ernst nehmen und sich wirklich für die Stelle interessieren."
Wow.
Ich hatte die ganze Zeit völlig falsch gelegen. Ich hatte mir Sorgen gemacht, dass ich als unprofessionell oder unvorbereitet wahrgenommen werde, aber in Wirklichkeit hatte ich mir nur selbst Steine in den Weg gelegt.
Seitdem habe ich bei jedem Vorstellungsgespräch mein Notizbuch dabei. Es ist mein kleiner Glücksbringer geworden, mein persönlicher Superheld, der mir hilft, selbstbewusst und fokussiert zu bleiben. Es ist, als hätte ich Sherlock Holmes' Notizbuch, aber anstatt Kriminalfälle zu lösen, versuche ich, den perfekten Job zu finden.
Natürlich gibt es ein paar Dinge zu beachten. Man sollte nicht ständig auf seine Notizen starren und den Gesprächspartner ignorieren. Das wäre unhöflich. Und man sollte natürlich keine Spickzettel mit den Antworten auf mögliche Fragen vorbereiten. Das wäre einfach nur peinlich und würde höchstwahrscheinlich auffliegen.
Aber ein kleines Notizbuch mit vorbereiteten Fragen und Stichpunkten ist absolut in Ordnung und kann sogar von Vorteil sein. Es zeigt, dass man sich Gedanken gemacht hat, dass man engagiert ist und dass man das Gespräch ernst nimmt.
Also, das nächste Mal, wenn Sie vor einem Vorstellungsgespräch stehen, packen Sie Ihr Notizbuch ein. Es könnte der kleine Unterschied sein, der Ihnen zum Traumjob verhilft. Und denken Sie daran: Es ist okay, Hilfe zu holen. Selbst Batman hatte Alfred.
Und wer weiß, vielleicht beeindrucken Sie den Personaler sogar so sehr mit Ihren klugen Fragen und Ihrem Engagement, dass er Ihnen am Ende selbst ein Notizbuch schenkt. Okay, das ist mir noch nie passiert, aber man darf ja träumen, oder?
Die Moral von der Geschichte? Seien Sie vorbereitet, seien Sie selbstbewusst und scheuen Sie sich nicht, Ihr Notizbuch als Werkzeug zu nutzen. Und vor allem: Haben Sie Spaß! Ein Vorstellungsgespräch ist eine Chance, sich selbst zu präsentieren und zu zeigen, was Sie zu bieten haben. Genießen Sie den Moment und seien Sie authentisch. Und wer weiß, vielleicht schreiben Sie ja schon bald Ihre eigene Erfolgsgeschichte. Mit einem Notizbuch in der Hand, versteht sich.
