Darf Man Mit 17 Vollzeit Arbeiten
Stell dir vor, du stehst an einem Scheideweg. Das Adrenalin der Reise pulsiert noch in deinen Adern, die Erinnerungen an ferne Länder sind frisch und lebendig. Aber die Realität holt dich ein: das Konto ist leer, und die nächste grosse Reise scheint in weiter Ferne. Da stellt sich die Frage: Darf man mit 17 Vollzeit arbeiten, um diesen Traum schnellstmöglich wieder Realität werden zu lassen? Ich kann dir sagen, aus eigener Erfahrung, es ist kompliziert, aber nicht unmöglich. Und ich teile gerne meine Geschichte und was ich gelernt habe, damit du vielleicht auch bald wieder deinen Rucksack packen kannst!
Der Traum von der Freiheit und das liebe Geld
Als ich 17 war, hatte ich nur eins im Sinn: raus aus dem Alltagstrott, die Welt sehen! Nach einem Schüleraustausch in Südamerika war ich hoffnungslos infiziert mit dem Reisefieber. Aber die Reisekasse meiner Eltern war begrenzt, und mein Taschengeld reichte nicht mal für einen Bruchteil der Flüge. Also musste ein Plan her. Die Idee, mit 17 Vollzeit zu arbeiten, schien die logischste Lösung zu sein. Schnell viel Geld verdienen, um das nächste Abenteuer zu finanzieren. Doch die deutsche Bürokratie und das Jugendschutzgesetz machten mir erstmal einen Strich durch die Rechnung.
Es ist wichtig zu verstehen, dass das deutsche Arbeitsrecht besonders junge Menschen schützen soll. Das ist auch gut so! Es gibt klare Regeln, die sicherstellen sollen, dass du nicht ausgebeutet wirst und deine Bildung nicht zu kurz kommt. Vollzeit arbeiten mit 17 ist möglich, aber nur unter bestimmten Bedingungen.
Die rechtlichen Hürden: Was du wissen musst
Das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) regelt die Arbeitsbedingungen für Jugendliche unter 18 Jahren. Hier sind die wichtigsten Punkte, die für dich relevant sind, wenn du mit 17 Vollzeit arbeiten möchtest:
- Arbeitszeit: Jugendliche dürfen maximal 8 Stunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche arbeiten.
- Pausen: Bei einer Arbeitszeit von mehr als 4,5 Stunden steht dir eine Pause von mindestens 30 Minuten zu. Bei mehr als 6 Stunden sind es 60 Minuten.
- Nachtarbeit: Zwischen 20:00 Uhr und 6:00 Uhr (in bestimmten Branchen bis 22:00 oder 23:00 Uhr) darfst du nicht arbeiten.
- Wochenendarbeit: Am Samstag und Sonntag darfst du grundsätzlich nicht arbeiten. Es gibt aber Ausnahmen, zum Beispiel in der Gastronomie, im Krankenhaus oder im Einzelhandel.
- Urlaub: Dir steht ein gesetzlicher Mindesturlaub zu, der je nach Alter variiert. Mit 17 hast du Anspruch auf mindestens 25 Werktage Urlaub im Jahr.
Diese Regeln gelten auch, wenn du eine Ausbildung machst oder ein bezahltes Praktikum absolvierst. Der springende Punkt ist: Vollzeit arbeiten im klassischen Sinne (40 Stunden pro Woche) ist mit 17 grundsätzlich erlaubt, wenn du nicht mehr schulpflichtig bist.
Die Krux mit der Schulpflicht
Und hier liegt der Knackpunkt. In Deutschland herrscht Schulpflicht. Das bedeutet, dass du, je nach Bundesland, bis zum 18. Lebensjahr entweder eine allgemeinbildende Schule besuchen oder an einer Berufsschule teilnehmen musst. Wenn du also noch zur Schule gehst, ist Vollzeitarbeit de facto nicht möglich. Du kannst höchstens einen Nebenjob ausüben, der deine schulischen Leistungen nicht beeinträchtigt.
Es gibt aber Ausnahmen! Wenn du die Schulpflicht erfüllt hast (zum Beispiel durch den Abschluss der 10. Klasse oder einer anderen Form der Sekundarstufe I) und keine weiterführende Schule besuchst, dann bist du nicht mehr schulpflichtig. In diesem Fall könntest du theoretisch Vollzeit arbeiten.
"Es ist wichtig, sich vorher genau zu informieren und sich gegebenenfalls von einem Anwalt oder einer Beratungsstelle beraten zu lassen," sage ich aus eigener Erfahrung. "Es gibt viele Grauzonen und Fallstricke, die man als Jugendlicher leicht übersehen kann."
Mein Weg zum (fast) Vollzeit-Job und die Kompromisse
Nachdem ich meinen Realschulabschluss in der Tasche hatte, beschloss ich, erstmal keine weiterführende Schule zu besuchen. Ich wollte arbeiten, reisen und mir selbst beweisen, dass ich auf eigenen Füßen stehen kann. Meine Eltern waren skeptisch, aber sie unterstützten mich, solange ich einen klaren Plan hatte.
Ich fand einen Job in einem kleinen Café in der Nähe meiner Heimatstadt. Die Arbeitszeiten waren flexibel, und ich konnte 35 Stunden pro Woche arbeiten. Das war zwar nicht ganz Vollzeit, aber es reichte, um genug Geld für meine erste Interrail-Reise durch Europa zu sparen. Der Kompromiss? Ich musste mir anhören, dass ich meine Zeit verschwende und lieber Abitur machen sollte. Aber ich war glücklich! Ich arbeitete hart, lernte viel über Gastfreundschaft und verdiente mein eigenes Geld. Und ich reiste!
Es war nicht immer einfach. Die Arbeit war anstrengend, und manchmal fühlte ich mich überfordert. Aber ich habe gelernt, mit Stress umzugehen, Prioritäten zu setzen und mich selbst zu motivieren. Und ich habe gemerkt, dass Arbeit nicht nur Mittel zum Zweck ist, sondern auch Spaß machen kann, wenn man den richtigen Job findet. Der Job im Café war zwar nicht mein Traumberuf, aber er ermöglichte mir, meinen Traum zu leben: die Welt zu entdecken.
Alternativen zur Vollzeitarbeit: Clever sparen und reisen
Wenn du nicht die Möglichkeit hast, Vollzeit zu arbeiten, gibt es trotzdem viele Wege, um deine Reisekasse aufzubessern. Hier sind ein paar Ideen, die ich selbst ausprobiert habe:
- Nebenjobs: Kellnern, Babysitten, Nachhilfe geben, Flyer verteilen – es gibt viele Möglichkeiten, neben der Schule etwas Geld zu verdienen.
- Ferienjobs: Nutze die Schulferien, um Vollzeit zu arbeiten. Viele Unternehmen suchen gerade in den Ferien Aushilfskräfte.
- Online-Jobs: Wenn du gut schreiben, programmieren oder designen kannst, findest du online viele Freelance-Jobs.
- Verkaufe Dinge, die du nicht mehr brauchst: Flohmärkte, Ebay, Vinted – es gibt viele Plattformen, auf denen du gebrauchte Sachen verkaufen kannst.
- Sparsam leben: Verzichte auf unnötige Ausgaben, koche selbst und nutze öffentliche Verkehrsmittel. Jeder Euro, den du sparst, bringt dich deinem Reiseziel näher.
- Crowdfunding: Wenn du eine besonders tolle Reise geplant hast, kannst du versuchen, über Crowdfunding Spenden zu sammeln.
Und vergiss nicht: Reisen muss nicht teuer sein! Es gibt viele Möglichkeiten, günstig zu reisen. Zum Beispiel:
- Couchsurfing: Übernachte kostenlos bei Einheimischen.
- Workaway: Arbeite ein paar Stunden am Tag und bekomme Unterkunft und Verpflegung.
- Volunteering: Engagiere dich in einem gemeinnützigen Projekt und erlebe das Land aus einer anderen Perspektive.
- Trampen: Eine abenteuerliche und kostenlose Art zu reisen (aber Vorsicht: nicht überall sicher!).
Mein Fazit: Es lohnt sich!
Vollzeit arbeiten mit 17, um deine Reiseträume zu verwirklichen, ist nicht immer einfach, aber es ist möglich. Es erfordert Mut, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen. Aber es lohnt sich! Denn die Erfahrungen, die du auf deinen Reisen sammelst, sind unbezahlbar. Du lernst neue Kulturen kennen, knüpfst Freundschaften mit Menschen aus aller Welt und entwickelst dich persönlich weiter.
Also, lass dich nicht entmutigen! Informiere dich, plane sorgfältig und gehe deinen eigenen Weg. Und vergiss nicht: Das wichtigste ist, dass du Spaß hast und deine Träume lebst! Ich drücke dir die Daumen, dass du bald deinen Rucksack packen und die Welt entdecken kannst! Und vielleicht treffen wir uns ja irgendwo auf der Welt wieder! Bis dahin: Gute Reise!
