Darf Man Mit Fieber Fliegen
Die Frage, ob man mit Fieber fliegen darf, ist komplexer als es zunächst scheint und erfordert eine differenzierte Betrachtung verschiedener Aspekte. Es geht nicht nur um die potenziellen Risiken für die eigene Gesundheit, sondern auch um die Verantwortung gegenüber Mitreisenden und der Crew. Dieser Artikel beleuchtet die medizinischen Überlegungen, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die praktischen Implikationen des Fliegens mit Fieber, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten.
Die medizinischen Aspekte von Fieber und Flugreisen
Fieber ist keine Krankheit an sich, sondern ein Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung. Es signalisiert dem Körper, dass das Immunsystem aktiv ist, um eine Infektion zu bekämpfen. Die Ursachen für Fieber sind vielfältig: von harmlosen Erkältungen und Grippe bis hin zu schwerwiegenderen bakteriellen oder viralen Infektionen. Eine erhöhte Körpertemperatur allein ist jedoch noch kein absolutes Flugverbot.
Die besonderen Bedingungen während eines Fluges können die gesundheitlichen Risiken von Fieber verstärken. Die geringe Luftfeuchtigkeit in der Flugzeugkabine kann zu Dehydration führen, was die Symptome einer Erkältung oder Grippe verschlimmern kann. Der verringerte Sauerstoffpartialdruck in der Kabine, obwohl für gesunde Menschen unproblematisch, kann bei bereits geschwächtem Immunsystem und bestehenden Atemwegsproblemen zu einer zusätzlichen Belastung führen. Insbesondere bei Personen mit chronischen Erkrankungen wie Asthma, COPD oder Herzerkrankungen ist Vorsicht geboten. Sie sollten im Zweifelsfall vor der Reise ihren Arzt konsultieren.
Die Gefahr der Ansteckung
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Ansteckungsgefahr für andere Passagiere. Viele fieberauslösende Erkrankungen, wie Grippe oder Erkältung, sind hochansteckend und verbreiten sich leicht über Tröpfcheninfektion in der beengten Umgebung einer Flugzeugkabine. Die Klimaanlage im Flugzeug kann die Verbreitung von Viren und Bakterien zusätzlich begünstigen. Es liegt also in der Verantwortung jedes Einzelnen, die Verbreitung von Krankheiten zu verhindern und sich und andere zu schützen.
"Die Frage ist nicht nur, ob man sich selbst zumuten kann zu fliegen, sondern auch, ob man andere gefährdet", betont Dr. med. Elisabeth Weber, Spezialistin für Reisemedizin.
Das Tragen einer Maske kann das Risiko einer Ansteckung erheblich reduzieren, sowohl für den fieberkranken Reisenden als auch für seine Mitreisenden. Regelmäßiges Händewaschen und die Verwendung von Desinfektionsmitteln sind ebenfalls wichtige Maßnahmen, um die Verbreitung von Krankheitserregern einzudämmen.
Rechtliche Aspekte und Fluggesellschaftsrichtlinien
Es gibt keine generelle gesetzliche Regelung, die das Fliegen mit Fieber verbietet. Allerdings haben Fluggesellschaften das Recht, Passagiere vom Flug auszuschließen, wenn sie den Eindruck haben, dass deren Gesundheitszustand eine Gefahr für die Sicherheit des Fluges oder für andere Passagiere darstellt. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn der Passagier offensichtlich schwer krank ist, unter starkem Husten oder Atemnot leidet oder andere alarmierende Symptome zeigt. Die Entscheidung liegt letztendlich im Ermessen des Kapitäns oder des medizinischen Personals der Fluggesellschaft.
Die Allgemeinen Beförderungsbedingungen (ABB) der Fluggesellschaften enthalten in der Regel Klauseln, die es der Fluggesellschaft erlauben, Passagiere bei begründetem Verdacht auf eine ansteckende Krankheit oder eine Beeinträchtigung der Flugsicherheit zu befördern. Es ist daher ratsam, vor der Reise die ABB der jeweiligen Fluggesellschaft sorgfältig zu prüfen. Einige Fluggesellschaften verlangen möglicherweise ein ärztliches Attest, um die Flugtauglichkeit zu bestätigen, insbesondere wenn der Passagier an einer chronischen Erkrankung leidet oder kürzlich operiert wurde.
Was tun, wenn man vor dem Flug Fieber bekommt?
Wenn Sie vor einem geplanten Flug Fieber bekommen, sollten Sie sich zunächst ausruhen und Ihren Zustand beobachten. Messen Sie Ihre Temperatur regelmäßig und achten Sie auf Begleitsymptome wie Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen. Wenn die Symptome mild sind und Sie sich ansonsten wohlfühlen, können Sie versuchen, die Symptome mit rezeptfreien Medikamenten wie Paracetamol oder Ibuprofen zu lindern. Es ist jedoch wichtig, die empfohlene Dosierung nicht zu überschreiten und die Packungsbeilage sorgfältig zu lesen.
Wenn die Symptome schwerwiegend sind, sich verschlimmern oder länger als ein paar Tage andauern, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Ein Arzt kann die Ursache des Fiebers feststellen und Ihnen eine geeignete Behandlung empfehlen. Im Zweifelsfall wird der Arzt Ihnen auch sagen können, ob Sie flugtauglich sind oder ob Sie die Reise verschieben sollten.
Informieren Sie in jedem Fall die Fluggesellschaft über Ihre Erkrankung. Viele Fluggesellschaften bieten Umbuchungsmöglichkeiten oder erstatten den Flugpreis, wenn Sie aufgrund einer Erkrankung nicht reisen können. Es ist ratsam, eine Reiserücktrittsversicherung abzuschließen, die im Falle einer Erkrankung die Kosten für den stornierten Flug und andere Reiseleistungen übernimmt.
Praktische Überlegungen und Empfehlungen
Die Entscheidung, ob man mit Fieber fliegen sollte, ist eine persönliche Entscheidung, die von verschiedenen Faktoren abhängt. Es gibt jedoch einige allgemeine Empfehlungen, die Ihnen bei der Entscheidungsfindung helfen können:
- Hören Sie auf Ihren Körper: Wenn Sie sich krank und geschwächt fühlen, ist es wahrscheinlich besser, die Reise zu verschieben.
- Konsultieren Sie einen Arzt: Wenn Sie unsicher sind, ob Sie flugtauglich sind, fragen Sie Ihren Arzt um Rat.
- Informieren Sie die Fluggesellschaft: Geben Sie der Fluggesellschaft Bescheid, wenn Sie krank sind.
- Schützen Sie andere: Tragen Sie eine Maske, waschen Sie Ihre Hände regelmäßig und vermeiden Sie engen Kontakt zu anderen Personen.
- Planen Sie voraus: Schließen Sie eine Reiserücktrittsversicherung ab und packen Sie Medikamente ein.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Fliegen mit Fieber keine einfache Ja/Nein-Frage ist. Es erfordert eine sorgfältige Abwägung der medizinischen Risiken, der rechtlichen Rahmenbedingungen und der persönlichen Verantwortung gegenüber Mitreisenden. Im Zweifelsfall ist es immer besser, auf Nummer sicher zu gehen und die Reise zu verschieben, um die eigene Gesundheit und die Gesundheit anderer nicht zu gefährden.
Das Fliegen sollte eine Freude sein, und das ist es sicher nicht, wenn man mit einer Krankheit kämpft. Priorisieren Sie Ihr Wohlbefinden und handeln Sie verantwortungsbewusst.
