Darstellendes Spiel Warm Up übungen
Darstellendes Spiel (DS), oft auch als Theaterspiel bezeichnet, ist ein pädagogischer Ansatz, der spielerische Elemente nutzt, um die Persönlichkeitsentwicklung, Kreativität und soziale Kompetenzen von Teilnehmern zu fördern. Ein wesentlicher Bestandteil jeder DS-Einheit sind die Aufwärmübungen. Diese dienen dazu, die Teilnehmer physisch und mental auf die bevorstehenden Aufgaben vorzubereiten und eine positive, entspannte Atmosphäre zu schaffen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Arten von DS-Aufwärmübungen, ihre Ziele und praktische Anleitungen zur Durchführung.
Ziele von Aufwärmübungen im Darstellenden Spiel
Aufwärmübungen im Darstellenden Spiel verfolgen mehrere wichtige Ziele:
- Körperliche Aktivierung: Den Körper aufwärmen, Muskeln lockern und die Durchblutung fördern, um Verletzungen vorzubeugen und die Bewegungsfreiheit zu erhöhen.
- Mentale Vorbereitung: Die Konzentration steigern, Hemmungen abbauen und die Fantasie anregen.
- Gruppendynamik fördern: Das Gemeinschaftsgefühl stärken, Vertrauen aufbauen und die Kommunikation unter den Teilnehmern verbessern.
- Spielbereitschaft erzeugen: Die Teilnehmer in eine spielerische Stimmung versetzen und die Bereitschaft fördern, sich auf neue Erfahrungen einzulassen.
Die Wahl der Aufwärmübungen sollte immer an die spezifischen Bedürfnisse der Gruppe und die geplanten Inhalte der DS-Einheit angepasst sein. Es ist wichtig, eine ausgewogene Mischung aus körperlichen, stimmlichen und mentalen Übungen zu wählen.
Arten von Aufwärmübungen im Darstellenden Spiel
Es gibt eine Vielzahl von Aufwärmübungen für das Darstellende Spiel, die sich grob in folgende Kategorien einteilen lassen:
Körperliche Aufwärmübungen
Diese Übungen dienen dazu, den Körper zu aktivieren und die Bewegungsfreiheit zu verbessern. Sie können statische Dehnübungen, dynamische Bewegungen oder auch spielerische Übungen umfassen.
Beispiele:
- Kreisspiel: Die Teilnehmer stehen im Kreis und führen rhythmische Bewegungen aus (z.B. Armkreisen, Hüftkreisen, Kniebeugen).
- Körperteil-Kettenreaktion: Ein Teilnehmer beginnt mit einer Bewegung eines Körperteils (z.B. Kopf nicken). Der nächste Teilnehmer im Kreis übernimmt diese Bewegung und fügt eine eigene Bewegung hinzu. So entsteht eine Kette von Bewegungen.
- Blindes Vertrauen: Die Teilnehmer bilden Paare. Ein Partner schließt die Augen und wird vom anderen Partner durch den Raum geführt. Diese Übung fördert das Vertrauen und die nonverbale Kommunikation.
- Spiegel: Die Teilnehmer bilden Paare. Ein Partner ist der Spiegel, der andere die Person vor dem Spiegel. Der "Spiegel" imitiert die Bewegungen des Partners so genau wie möglich. Variationen: Langsame Bewegungen, ungewöhnliche Bewegungen, Emotionen spiegeln.
Stimmliche Aufwärmübungen
Diese Übungen dienen dazu, die Stimme aufzuwärmen, die Artikulation zu verbessern und die Sprechbereitschaft zu fördern.
Beispiele:
- Lippen- und Zungenbrecher: Die Teilnehmer sprechen schwierige Sätze oder Wörter mehrmals schnell hintereinander. (z.B. "Fischers Fritze fischt frische Fische, frische Fische fischt Fischers Fritze.")
- Summen: Die Teilnehmer summen verschiedene Töne und Melodien, um die Stimmbänder zu lockern.
- Atemübungen: Die Teilnehmer konzentrieren sich auf ihre Atmung und üben verschiedene Atemtechniken (z.B. Zwerchfellatmung).
- Artikulationsübungen: Die Teilnehmer sprechen einzelne Laute, Silben oder Wörter besonders deutlich aus, um die Artikulation zu verbessern. (z.B. "Pa, Pe, Pi, Po, Pu")
- Tonleiter sprechen: Die Teilnehmer sprechen Vokale auf einer Tonleiter, um die Stimmhöhe zu trainieren.
Mentale Aufwärmübungen
Diese Übungen dienen dazu, die Konzentration zu steigern, die Fantasie anzuregen und die Hemmungen abzubauen.
Beispiele:
- Assoziationsketten: Ein Teilnehmer nennt ein Wort, der nächste Teilnehmer nennt ein Wort, das ihm dazu einfällt, und so weiter.
- Geschichten erzählen im Kreis: Jeder Teilnehmer fügt einen Satz zu einer Geschichte hinzu.
- Improvisationsspiele: Die Teilnehmer improvisieren kurze Szenen zu vorgegebenen Themen oder Situationen.
- "Ja, und...": Ein Teilnehmer beginnt eine Szene mit einer Aussage. Der nächste Teilnehmer reagiert mit "Ja, und..." und fügt eine weitere Information hinzu. Diese Übung fördert das spontane Reagieren und die Kreativität.
- Gefühle erraten: Ein Teilnehmer stellt ein Gefühl nonverbal dar. Die anderen Teilnehmer erraten das Gefühl.
Partner- und Gruppenübungen
Diese Übungen dienen dazu, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken, Vertrauen aufzubauen und die Kommunikation unter den Teilnehmern zu verbessern.
Beispiele:
- Der Knoten: Die Teilnehmer stehen im Kreis und fassen sich an den Händen. Nun versuchen sie, den Knoten zu entwirren, ohne die Hände loszulassen.
- Der blinde Parcours: Die Teilnehmer bilden Paare. Ein Partner führt den anderen, der blind ist, durch einen Parcours.
- Gemeinsames Zeichnen: Die Teilnehmer bilden Paare. Jeder Partner hält einen Stift. Gemeinsam zeichnen sie ein Bild, ohne miteinander zu sprechen.
- Statue: Ein Teilnehmer formt eine Statue aus einem anderen Teilnehmer.
Praktische Tipps für die Durchführung von Aufwärmübungen
- Klare Anweisungen: Geben Sie klare und verständliche Anweisungen für jede Übung.
- Positive Atmosphäre: Schaffen Sie eine positive und unterstützende Atmosphäre, in der sich die Teilnehmer wohlfühlen und keine Angst haben, Fehler zu machen.
- Variationen: Variieren Sie die Übungen regelmäßig, um Langeweile zu vermeiden und die Teilnehmer herauszufordern.
- Beobachtung: Beobachten Sie die Teilnehmer während der Übungen und passen Sie die Übungen bei Bedarf an ihre Bedürfnisse an.
- Feedback: Geben Sie den Teilnehmern konstruktives Feedback zu ihren Leistungen.
- Zeitmanagement: Achten Sie auf ein gutes Zeitmanagement und planen Sie ausreichend Zeit für die Aufwärmübungen ein. 10-15 Minuten sind ein guter Richtwert.
- Flexibilität: Seien Sie flexibel und passen Sie die Planung an die Stimmung und das Energielevel der Gruppe an. Manchmal braucht es ein besonders energetisches Aufwärmen, manchmal eher etwas Ruhiges, um die Konzentration zu fördern.
- Integration: Integrieren Sie die Aufwärmübungen in den thematischen Kontext der DS-Einheit.
Anpassung an unterschiedliche Gruppen
Die Auswahl und Durchführung der Aufwärmübungen sollte immer an die spezifischen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Gruppe angepasst werden. Berücksichtigen Sie dabei folgende Faktoren:
- Alter der Teilnehmer: Für jüngere Teilnehmer eignen sich eher spielerische und einfache Übungen, während ältere Teilnehmer auch komplexere Übungen bewältigen können.
- Erfahrungsniveau: Für Anfänger sollten die Übungen einfach und leicht verständlich sein, während fortgeschrittene Teilnehmer auch anspruchsvollere Übungen durchführen können.
- Gruppengröße: Bei größeren Gruppen sollten Übungen gewählt werden, die die gesamte Gruppe einbeziehen können. Bei kleineren Gruppen sind auch Partner- oder Einzelübungen möglich.
- Sprachkenntnisse: Bei Gruppen mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen sollten nonverbale Übungen oder Übungen mit einfachen Anweisungen bevorzugt werden.
- Kultureller Hintergrund: Berücksichtigen Sie den kulturellen Hintergrund der Teilnehmer und wählen Sie Übungen, die für alle Teilnehmer angemessen und verständlich sind.
Wichtig: Achten Sie immer auf die körperlichen und psychischen Grenzen der Teilnehmer und respektieren Sie, wenn jemand eine Übung nicht mitmachen möchte.
Fazit
Aufwärmübungen sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Darstellenden Spiels. Sie bereiten die Teilnehmer körperlich und mental auf die bevorstehenden Aufgaben vor, fördern die Gruppendynamik und schaffen eine positive Lernatmosphäre. Durch die sorgfältige Auswahl und Anpassung der Übungen an die spezifischen Bedürfnisse der Gruppe kann der Erfolg der DS-Einheit maßgeblich beeinflusst werden. Experimentieren Sie mit verschiedenen Übungen und finden Sie heraus, welche für Ihre Gruppe am besten geeignet sind. Viel Spaß beim Ausprobieren!
