Das Beigefügte Schreiben Erhalten Sie Mit Der Bitte Um Kenntnisnahme
Ich habe da eine kleine Obsession. Oder vielleicht auch nur eine tiefsitzende Abneigung. Es geht um diesen einen Satz. Ihr kennt ihn bestimmt. Er lauert in E-Mails, versteckt sich in Briefen, und starrt einen einfach an. "Das beigefügte Schreiben erhalten Sie mit der Bitte um Kenntnisnahme."
Mal ehrlich, wer von euch rollt innerlich nicht auch mit den Augen, wenn er das liest?
Unpopuläre Meinung: Dieser Satz ist überflüssig.
Ja, ich habe es gesagt. Und ich stehe dazu. Warum? Weil es so offensichtlich ist! Natürlich soll ich das beigefügte Schreiben zur Kenntnis nehmen! Sonst hätte man es mir ja nicht geschickt, oder? Hat jemals jemand eine Datei beigefügt und dann gesagt: "Bitte ignorieren Sie das einfach"?
Es ist, als würde man nach dem Überreichen eines Geschenks sagen: "Dieses Geschenk ist dazu gedacht, von Ihnen geöffnet zu werden." Ja, danke, Sherlock. Ich war kurz davor, es zu essen.
Ich bin mir bewusst, dass es Konventionen gibt. Dass im Geschäftsleben formale Floskeln dazugehören. Aber müssen wir wirklich an jedem einzelnen festhalten? Können wir nicht ein bisschen menschlicher, ein bisschen weniger roboterhaft kommunizieren?
Die Alternativen sind grenzenlos!
Statt dieses sterilen Satzes könnten wir doch einfach...
...nichts sagen. Die Datei ist da. Jeder versteht es.
...oder etwas Nettes schreiben! "Ich hoffe, die Unterlagen sind hilfreich für Sie." Oder "Bei Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung."
...oder sogar einen kleinen Witz machen! Okay, vielleicht nicht bei jedem Dokument. Aber ein bisschen Humor lockert die Stimmung auf.
Vielleicht bin ich ja auch einfach nur überempfindlich. Vielleicht ist es meine persönliche Nemesis, dieser Satz. Aber ich glaube, wir alle sehnen uns nach mehr Authentizität in der Kommunikation. Nach Sätzen, die nicht nur leere Hülsen sind.
Ich meine, stellen Sie sich vor, Goethe hätte seine Werke mit "Das beigefügte Gedicht erhalten Sie mit der Bitte um Kenntnisnahme" eingeleitet. Wäre das nicht... anders?
Die Krux mit der Höflichkeit
Ich verstehe ja den Gedanken dahinter. Es soll höflich klingen. Man will niemanden überfordern. Aber ist es wirklich höflich, Zeit mit unnötigen Worten zu verschwenden?
Für mich ist Höflichkeit, respektvoll und effizient zu sein. Jemandes Zeit zu schätzen. Und das bedeutet manchmal, auf überflüssige Floskeln zu verzichten.
Ich vermute, ich bin in der Minderheit mit meiner Meinung. Viele Leute finden diesen Satz wahrscheinlich vollkommen in Ordnung. Sie sehen ihn als Teil des Geschäftsalltags. Aber ich träume von einer Welt, in der E-Mails und Briefe etwas lebendiger, etwas persönlicher sind.
Eine Welt, in der wir uns trauen, ein bisschen mehr von uns selbst zu zeigen. Auch in der Korrespondenz. Auch wenn das bedeutet, auf "Das beigefügte Schreiben erhalten Sie mit der Bitte um Kenntnisnahme" zu verzichten.
Vielleicht sollte ich eine Petition starten. Oder eine Selbsthilfegruppe. "Anonyme 'Das beigefügte Schreiben'-Hasser". Wir könnten uns gegenseitig Mut zusprechen und lernen, mit diesem Satz umzugehen. Oder ihn einfach zu ignorieren. Das wäre doch auch eine Option, oder?
Ich bin gespannt, wer von euch sich jetzt outet und zugibt, dass er diesen Satz auch nicht ausstehen kann. Lasst es mich wissen! Gemeinsam sind wir stark! Und vielleicht können wir ja sogar eine Revolution starten. Eine Revolution der E-Mail-Kommunikation!
Oder vielleicht übertreibe ich auch einfach nur. Aber hey, das ist ja auch der Sinn von unpopulären Meinungen, oder? Sie sollen zum Nachdenken anregen. Und im besten Fall ein kleines Schmunzeln hervorrufen.
In diesem Sinne: Ich hoffe, dieser Artikel hat Ihnen gefallen. Und falls nicht... nun ja, Hegel hat auch nicht jedem gefallen.
