Das Kannst Du Mir Nicht Verbieten
Stell dir vor, du stehst da, die salzige Luft riecht nach Abenteuer, die Sonne kitzelt deine Nase und du bist bereit, eine neue Stadt zu erkunden. Aber dann, *boom*, eine Regel, ein Verbot, das dir genau das untersagt, was du dir vorgenommen hast. Genau das ist mir in Berlin passiert – und das Gefühl, das dabei hochkam, war: "Das kannst du mir nicht verbieten!"
Ich war auf dem Weg zu einem dieser versteckten, kleinen Cafés in Prenzlauer Berg, von denen ich gehört hatte. Eines dieser Cafés, in denen die Luft nach frisch gemahlenem Kaffee und selbstgebackenem Kuchen duftet, in denen die Tische mit alten Büchern bedeckt sind und die Leute stundenlang über Gott und die Welt diskutieren. Ich hatte mich so darauf gefreut, in diese Atmosphäre einzutauchen, ein Stück Apfelstrudel zu essen und einfach nur zu sein.
Aber dann, kurz bevor ich die unscheinbare Tür des Cafés erreichte, sah ich es: Ein handgeschriebenes Schild, etwas schief an die Wand genagelt. Meine rudimentären Deutschkenntnisse reichten aus, um zu verstehen, was da stand: "Fotografieren verboten!"
Die Ohnmacht des Verbots
Mein erster Impuls war Verwirrung. Warum? Was hatte man zu verbergen? War der Apfelstrudel so geheim, dass er nicht fotografiert werden durfte? War der Barista ein Spion im Ruhestand? Die Fragen schossen mir durch den Kopf wie kleine, ungezogene Kinder.
Dann kam die Enttäuschung. Ich wollte dieses Café mit der Welt teilen! Ich wollte das Licht einfangen, das durch die staubigen Fenster fiel, die Farben der alten Möbel, die Gesichter der Menschen, die dort sassen und lachten. Ich wollte ein Stück dieser Atmosphäre konservieren, um es später wieder hervorholen und mich daran erinnern zu können. Und jetzt sollte mir das verboten sein?
Ich stand da, wie angewurzelt, und überlegte, was ich tun sollte. Sollte ich einfach umdrehen und ein anderes Café suchen? Das wäre die vernünftigste Option gewesen. Aber irgendetwas in mir wehrte sich. Etwas in mir schrie: "Das kannst du mir nicht verbieten! Ich bin hier, um zu erleben, um zu teilen, um zu entdecken. Und das lasse ich mir nicht nehmen!"
Die Suche nach der Lösung
Ich beschloss, es erstmal mit Freundlichkeit zu versuchen. Ich ging ins Café, bestellte einen Kaffee und fragte den Barista, einen Mann mit einem freundlichen Gesicht und einem beeindruckenden Schnurrbart, nach dem Grund für das Verbot.
"Ach, wissen Sie", sagte er mit einem Achselzucken, "wir hatten in der Vergangenheit Probleme mit Bloggern und Influencern, die das Café als Kulisse für ihre Fotoshootings benutzt haben. Sie haben den Betrieb gestört, die anderen Gäste belästigt und am Ende nichts konsumiert. Deshalb haben wir uns zu diesem Schritt entschieden."
Ich verstand. Ich konnte nachvollziehen, dass sie sich vor dem Trubel und der Oberflächlichkeit der Social-Media-Welt schützen wollten. Aber ich war ja kein Influencer! Ich war nur eine Reisende, die die Schönheit der Welt einfangen und mit anderen teilen wollte.
Ich erklärte ihm meine Situation und versicherte ihm, dass ich nur ein paar diskrete Fotos machen würde, ohne andere Gäste zu stören oder den Betrieb aufzuhalten. Ich versprach ihm, dass ich nur ein paar Impressionen einfangen würde, um die Atmosphäre des Cafés widerzuspiegeln.
Und was soll ich sagen? Der Barista lächelte. Er schien meine Ehrlichkeit zu schätzen. Er sagte: "Na gut, machen Sie, aber bitte seien Sie diskret."
Ich war überglücklich! Ich durfte fotografieren! Ich holte meine Kamera heraus und machte ein paar Aufnahmen, ohne Aufsehen zu erregen. Ich fotografierte den dampfenden Kaffee, den Apfelstrudel mit der knusprigen Kruste, die alten Bücher auf den Tischen, die lachenden Gesichter der Menschen. Ich versuchte, die Seele dieses Cafés einzufangen und sie in Bildern zu konservieren.
Mehr als nur ein Foto
Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass Reisen mehr ist als nur das Abhaken von Sehenswürdigkeiten. Es geht darum, Hindernisse zu überwinden, sich Herausforderungen zu stellen, Kompromisse zu finden und die Welt mit offenen Augen und einem offenen Herzen zu erkunden.
Es geht darum, sich nicht von Verboten entmutigen zu lassen, sondern nach Wegen zu suchen, sie zu umgehen oder zu verstehen. Es geht darum, mit den Menschen in Kontakt zu treten, ihre Geschichten zu hören und ihre Perspektiven zu respektieren.
Und es geht darum, sich selbst treu zu bleiben und das zu tun, was man für richtig hält, solange man dabei niemanden schadet. Denn am Ende des Tages ist es dein Leben, deine Reise, deine Geschichte. Und die lasst du dir von niemandem verbieten.
Also, wenn du das nächste Mal auf Reisen ein Verbotsschild siehst, erinnere dich an meine Geschichte. Atme tief durch, lächle und frage dich: "Kann ich das nicht doch irgendwie machen? Gibt es einen Weg, das zu umgehen? Kann ich mit den Leuten reden und sie überzeugen?"
Denn oft, sehr oft, ist die Antwort ja. Du musst nur den Mut haben, zu fragen und zu verhandeln.
Empfehlungen für deine Reise nach Berlin (und darüber hinaus):
- Sei respektvoll: Respektiere die Regeln und Gesetze des Landes, in dem du dich befindest.
- Sei neugierig: Stelle Fragen, sei offen für neue Erfahrungen und lerne von den Einheimischen.
- Sei flexibel: Plane nicht alles bis ins kleinste Detail, sei bereit, deine Pläne zu ändern und dich treiben zu lassen.
- Sei mutig: Trau dich, neue Dinge auszuprobieren, aus deiner Komfortzone auszubrechen und dich Herausforderungen zu stellen.
- Sei du selbst: Verstelle dich nicht, sei authentisch und zeige der Welt, wer du wirklich bist.
Und vergiss nicht: Das Leben ist zu kurz, um sich von Verboten entmutigen zu lassen. Geh raus, entdecke die Welt und lebe deine Träume!
P.S. Ich werde den Namen des Cafés hier nicht nennen, um es vor dem Ansturm der Influencer zu schützen. Aber wenn du in Berlin bist und ein authentisches Café suchst, halte die Augen offen. Vielleicht findest du ja dein eigenes kleines Geheimnis...
