Das Siebte Kreuz Von Anna Seghers
Hallo liebe Reisefreunde! Heute nehme ich euch mit auf eine ganz besondere Reise – nicht zu sonnigen Stränden oder pulsierenden Metropolen, sondern zu einem Ort der Erinnerung, der Widerstandsfähigkeit und der tiefsten Menschlichkeit. Eine Reise, die mich persönlich sehr berührt hat und die ich euch wärmstens ans Herz legen möchte, falls ihr jemals die Möglichkeit habt, Rheinhessen zu besuchen.
Es geht um Anna Seghers' Das Siebte Kreuz, einen Roman, der im Deutschland der 1930er Jahre spielt und die Geschichte von sieben Gefangenen erzählt, die aus einem Konzentrationslager fliehen. Einer von ihnen, Georg Heisler, kehrt in seine Heimatstadt Mainz zurück und versucht, dem Zugriff der Nazis zu entgehen. Der Roman ist nicht nur ein spannender Thriller, sondern auch ein tiefgründiges Porträt der deutschen Gesellschaft unter der Herrschaft des Nationalsozialismus. Und was viele nicht wissen: Die Orte, die Seghers beschreibt, existieren wirklich! Sie sind greifbar und begehbar – und das macht die Geschichte umso eindringlicher.
Meine Spurensuche in Mainz und Umgebung
Ich muss gestehen, bevor ich Das Siebte Kreuz gelesen hatte, hatte ich Mainz vielleicht ein bisschen unterschätzt. Ich wusste um den Dom, den Karneval und den Wein, aber die düstere Geschichte, die in den Straßen und Gassen lauerte, war mir nicht bewusst. Nach der Lektüre wollte ich unbedingt auf Spurensuche gehen, die Orte finden, an denen Georg Heisler um sein Leben rannte.
Mein Ausgangspunkt war natürlich der Mainzer Dom. Im Roman wird er zwar nicht explizit erwähnt, aber er ist allgegenwärtig, ein stiller Zeuge der Ereignisse. Ich stand auf dem Domplatz und versuchte, mir vorzustellen, wie die Stadt in den 1930er Jahren ausgesehen haben muss, wie die Angst und die Unterdrückung das Leben der Menschen beeinflussten. Der Dom, mit seiner monumentalen Größe, wirkte in meiner Vorstellung wie ein trotziger Fels in der Brandung, ein Symbol für Hoffnung und Widerstand.
Weiter ging es in die Mainzer Altstadt. Hier, in den verwinkelten Gassen und zwischen den Fachwerkhäusern, versteckte sich Georg Heisler. Ich schlenderte durch die Schusterstraße, die Augustinerstraße und die Kirschgartenstraße, versuchte, mir vorzustellen, wo er sich vor seinen Verfolgern verbarg. Die Atmosphäre ist hier heute natürlich eine andere, touristischer, lebendiger. Aber wenn man sich die Zeit nimmt, die Augen schließt und sich in die Zeit zurückversetzt, kann man die Anspannung und die Gefahr fast spüren.
Ein besonders eindrücklicher Ort war für mich der Volkspark Mainz. Im Roman sucht Heisler hier Unterschlupf. Ich stellte mir vor, wie er erschöpft und hungrig unter den Bäumen saß, immer in der Angst, entdeckt zu werden. Der Volkspark ist heute ein beliebter Treffpunkt für Familien und Spaziergänger, ein Ort der Ruhe und Entspannung. Aber in meiner Vorstellung sah ich ihn nur im grauen Licht der Verfolgung.
Die Suche nach dem siebten Kreuz
Der Titel des Romans bezieht sich auf sieben Kreuze, die im Konzentrationslager Westhofen errichtet werden. An jedem Kreuz sollte einer der geflohenen Gefangenen aufgehängt werden. Sechs von ihnen werden gefasst und hingerichtet, nur Georg Heisler gelingt die Flucht. Die Kreuze werden zu einem Symbol für die Brutalität des Regimes, aber auch für den Widerstand und die Hoffnung auf Freiheit.
Westhofen selbst ist ein kleiner Ort in Rheinhessen, etwa 20 Kilometer von Mainz entfernt. Hier, wo das Konzentrationslager stand, befindet sich heute eine Gedenkstätte. Ich besuchte die Gedenkstätte und war tief bewegt von dem, was ich dort sah und hörte. Die Namen der Opfer, die Geschichten ihrer Verfolgung und Ermordung – all das ging mir sehr nahe. Es ist ein Ort, der mahnt, der uns daran erinnert, wie wichtig es ist, sich gegen jede Form von Diskriminierung und Gewalt zu stellen.
Auf dem Weg von Mainz nach Westhofen passiert man viele kleine Weinorte, die im Roman ebenfalls eine Rolle spielen. Heisler versteckt sich in Weinbergen, findet Unterschlupf bei Bauern und Arbeitern. Die Landschaft ist wunderschön, die Weinberge ziehen sich sanft über die Hügel. Aber auch hier, unter der Oberfläche der Idylle, spürte ich die dunkle Geschichte, die hier geschrieben wurde.
Warum diese Reise so besonders ist
Das Siebte Kreuz ist mehr als nur ein Roman. Es ist ein Zeugnis der Zeit, ein Appell an die Menschlichkeit und ein Aufruf zum Widerstand. Die Reise zu den Schauplätzen des Romans hat mir die Geschichte noch einmal ganz anders nahegebracht. Ich habe die Angst, die Verzweiflung, aber auch den Mut und die Solidarität der Menschen gespürt. Es war eine Reise, die mich verändert hat.
Ich empfehle jedem, der sich für Geschichte interessiert oder einfach nur einen tiefgründigen und bewegenden Roman lesen möchte, Das Siebte Kreuz von Anna Seghers. Und wenn ihr dann die Möglichkeit habt, Mainz und Rheinhessen zu besuchen, dann nutzt sie! Geht auf Spurensuche, erkundet die Orte, an denen Georg Heisler um sein Leben rannte, und lasst euch von der Geschichte berühren.
Diese Reise ist keine gewöhnliche Sightseeing-Tour. Sie ist eine Reise in die Vergangenheit, eine Reise zu uns selbst. Und sie ist eine Erinnerung daran, dass wir alle Verantwortung tragen, für eine gerechtere und friedlichere Welt einzustehen.
Mein Tipp: Besucht auch das Landesmuseum Mainz. Dort gibt es eine Dauerausstellung zur Geschichte der Stadt, in der auch die Zeit des Nationalsozialismus behandelt wird. Und natürlich solltet ihr euch auch die Zeit nehmen, ein Glas Wein in einem der vielen Weingüter in Rheinhessen zu probieren. Denn trotz allem ist Rheinhessen auch ein Ort der Lebensfreude und der Gastfreundschaft.
Ich hoffe, mein Bericht hat euch inspiriert und neugierig gemacht. Lasst mich in den Kommentaren wissen, ob ihr Das Siebte Kreuz schon gelesen habt und was ihr davon haltet! Und wenn ihr Tipps für weitere historische Reisen habt, immer her damit!
"Die Angst ist der schlechteste Ratgeber."
Bis zum nächsten Mal und bleibt neugierig!
