Der Ewige Spießer ödön Von Horvath
Grüezi, liebe Reisende und Kultursuchende! Heute entführe ich euch auf eine etwas andere Art von Reise, nämlich in die Welt eines Schriftstellers, dessen Werke zwar in Deutschland geschrieben wurden, aber eine Tiefe und Universalität besitzen, die euch überall auf der Welt berühren können. Ich spreche von Ödön von Horváth, genauer gesagt, von seinem Werk "Der ewige Spießer." Keine Sorge, es wird nicht staubtrocken akademisch. Stellt euch vor, ihr sitzt mit mir in einem gemütlichen Wiener Kaffeehaus (oder einer Münchner Bierstube, je nachdem), und ich erzähle euch von einem Buch, das wie ein Spiegel ist – ein Spiegel, der uns unsere eigenen Vorurteile und Ängste zeigt, verpackt in einer Geschichte, die so unterhaltsam wie lehrreich ist.
Die Reise beginnt: Was ist "Der ewige Spießer"?
Lasst uns zunächst klären, was wir unter "Der ewige Spießer" überhaupt verstehen. Das ist nämlich keine einfache Definition. Horváths Roman, veröffentlicht 1930, ist keine klassische Heldengeschichte. Es ist eher eine Momentaufnahme einer bestimmten Gesellschaftsschicht im Deutschland der Weimarer Republik. Diese Schicht, die sogenannten "Spießer," sind geprägt von kleinbürgerlichen Ansichten, Konformismus und der Angst vor allem, was anders ist. Sie klammern sich an Traditionen und suchen Sicherheit im Bekannten, oft auf Kosten von Ehrlichkeit und Mitmenschlichkeit.
Stellt euch eine Reisegruppe vor, die durch Europa tourt. Jeder von ihnen hat seine vorgefertigten Meinungen und Erwartungen im Gepäck. Sie besuchen die Sehenswürdigkeiten, machen Fotos und kaufen Souvenirs, aber wirklich in Kontakt mit den Menschen und der Kultur treten sie nicht. Sie bleiben in ihrer Komfortzone, umgeben von ihresgleichen. Das ist, in gewisser Weise, der ewige Spießer.
Wer ist Horváth und warum sollten wir ihn lesen?
Bevor wir tiefer in den Roman eintauchen, ein paar Worte zum Autor selbst. Ödön von Horváth (1901-1938) war ein österreichisch-ungarischer Schriftsteller, der in der Zeit zwischen den Weltkriegen in Deutschland lebte und arbeitete. Seine Werke sind geprägt von einer scharfen Beobachtungsgabe und einem Gespür für die unterschwelligen Ängste und Nöte der Menschen. Er war ein Meister der entlarvenden Dialoge, die oft banal und oberflächlich wirken, aber unter der Oberfläche eine tiefe Tragik verbergen. Er verstand es, die Sprache der kleinen Leute zu imitieren und sie so zu entlarven. Horváth starb jung in Paris, von einem herabfallenden Ast erschlagen, ein fast schon ironisches Ende für einen Schriftsteller, der so oft die Absurdität des Lebens thematisierte.
Warum sollten wir ihn lesen? Weil seine Werke auch heute noch relevant sind. Die Themen, die er anspricht – Vorurteile, Konformismus, die Suche nach Identität – sind zeitlos und universell. Und weil er uns zwingt, über uns selbst nachzudenken. Er hält uns den Spiegel vor und fragt: Sind wir nicht auch manchmal Spießer?
Die Reise durch den Roman: Eine Zusammenfassung
"Der ewige Spießer" erzählt die Geschichte einer Gruppe von Reisenden, die mit dem Bus von München nach Barcelona fahren. Unter ihnen sind der Möbelfabrikant Cobenzl, der sich selbst für einen großen Künstler hält, die junge Anna, die auf der Suche nach dem großen Glück ist, und der verarmte Leutnant von B. Jeder von ihnen hat seine eigenen Träume, Ängste und Vorurteile.
Die Reise wird zu einer Art Mikrokosmos der Gesellschaft. Die Reisenden streiten sich, verlieben sich (oder bilden sich ein, sich zu verlieben), und versuchen, ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Horváth zeigt uns dabei, wie schnell Menschen bereit sind, ihre Prinzipien zu verraten, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Er demaskiert die Heuchelei und die Oberflächlichkeit der Gesellschaft. Er zeigt, wie der Wunsch nach Anerkennung und sozialem Aufstieg Menschen dazu bringt, sich anzupassen und ihre Individualität aufzugeben.
Besonders interessant ist die Figur des Cobenzl, der sich für einen großen Künstler hält, aber in Wirklichkeit nur ein Möbelfabrikant ist, der sich mit geklauten Ideen brüstet. Er ist ein Paradebeispiel für den Spießer, der sich selbst überschätzt und sich von anderen abgrenzen will, aber in Wirklichkeit nur ein Produkt seiner eigenen kleinbürgerlichen Welt ist. Er ist der Inbegriff der Selbsttäuschung.
Anna, die junge Frau auf der Suche nach dem Glück, ist eine weitere Schlüsselfigur. Sie ist naiv und leichtgläubig, und sie wird von den anderen Reisenden ausgenutzt. Sie ist ein Opfer der gesellschaftlichen Verhältnisse und der falschen Versprechungen. Ihre Geschichte zeigt, wie schwer es ist, in einer Welt voller Vorurteile und Ungerechtigkeit seinen eigenen Weg zu finden.
"Die Menschen sind kompliziert, und sie tun Dinge, die sie selbst nicht verstehen." - Ödön von Horváth
Die Spurensuche: Was können wir aus dem Roman lernen?
Was können wir also aus dieser Reise durch den Roman mitnehmen? Zunächst einmal die Erkenntnis, dass der "ewige Spießer" nicht nur eine Figur der Vergangenheit ist. Er existiert auch heute noch, in uns allen. Wir alle haben unsere Vorurteile, unsere Ängste und unsere Neigung, uns an das Bekannte zu klammern.
Horváth fordert uns auf, uns selbst kritisch zu hinterfragen. Sind wir wirklich so tolerant und weltoffen, wie wir gerne glauben? Oder sind wir nicht auch manchmal gefangen in unseren eigenen kleinen Welten? Sind wir bereit, uns mit anderen Kulturen und Lebensweisen auseinanderzusetzen, oder bleiben wir lieber unter uns?
Der Roman ist auch eine Warnung vor den Gefahren des Konformismus. Er zeigt, wie schnell eine Gesellschaft in Autoritarismus und Intoleranz abgleiten kann, wenn die Menschen aufhören, kritisch zu denken und sich an die Meinungen der Mehrheit anpassen.
Er erinnert uns daran, dass es wichtig ist, unsere Individualität zu bewahren und uns nicht von den Erwartungen anderer unter Druck setzen zu lassen. Er ermutigt uns, unseren eigenen Weg zu gehen, auch wenn er steinig ist.
Eure Reise: Horváth in eurem Reisegepäck
Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig für Ödön von Horváth und seinen "Ewigen Spießer" begeistern. Vielleicht packt ihr ja bei eurer nächsten Reise das Buch in den Koffer. Es ist keine leichte Kost, aber es ist eine lohnende Lektüre, die euch zum Nachdenken anregen wird.
Und vielleicht werdet ihr auf euren Reisen auch selbst "ewigen Spießern" begegnen. Beobachtet sie genau. Versucht zu verstehen, was sie antreibt. Und denkt daran: Auch in ihnen steckt ein Mensch mit Träumen und Ängsten. Vielleicht könnt ihr ihnen ja sogar ein wenig helfen, ihre Vorurteile abzubauen und die Welt mit anderen Augen zu sehen. Denn das ist es, was das Reisen im besten Fall ausmacht: die Begegnung mit anderen Menschen und Kulturen, die uns bereichert und uns über uns selbst hinauswachsen lässt. Lasst uns Reisende sein, keine Spießer!
Also, packt eure Koffer, öffnet eure Herzen und geht auf Entdeckungsreise – sowohl in der Welt als auch in euch selbst! Und vergesst nicht, ein Exemplar von "Der ewige Spießer" mitzunehmen. Ihr werdet es nicht bereuen!
