Der Gute Mensch Von Sezuan Szenen Zusammenfassung
Bertolt Brechts Der Gute Mensch von Sezuan (Der Gute Mensch von Sezuan) ist ein 1943 uraufgeführtes episches Theaterstück, das ethische Fragen in einer kapitalistischen Gesellschaft untersucht. Es handelt von der Prostituierten Shen Te, die von den Göttern als einzige gute Seele in Sezuan auserwählt wird. Die folgende Zusammenfassung gliedert das Stück in seine Hauptszenen, um die Handlung, die Charaktere und die zentralen Themen zu verdeutlichen.
Prolog
Die Handlung beginnt mit dem Wasserverkäufer Wang, der auf die Ankunft dreier Götter wartet. Er ist seit langem auf der Suche nach einem Quartier für sie, da sie auf die Erde gekommen sind, um einen guten Menschen zu finden. Wang stellt die Götter vor die Herausforderung, in Sezuan einen solchen Menschen zu finden, da die Armut und die Notlage der Bevölkerung weit verbreitet sind. Schließlich findet Wang in Shen Te eine Unterkunft für die Götter.
Szene 1: Shen Te und die Götter
Shen Te, eine mittellose Prostituierte, gewährt den Göttern widerwillig Unterkunft. Als Dank für ihre Gastfreundschaft geben ihr die Götter tausend Silberdollar. Dies soll ihr ermöglichen, ein besseres Leben zu führen und gleichzeitig ihre Güte zu bewahren. Die Götter verschwinden und fordern Shen Te auf, weiterhin gut zu sein.
Szene 2: Shen Te versucht, gut zu sein
Mit dem Geld versucht Shen Te, einen kleinen Tabakladen zu eröffnen und ein gutes Leben zu führen. Sie wird jedoch schnell von Bettlern, Verwandten und Ausbeutern belagert, die ihr Geld wollen. Ihre Güte wird ausgenutzt, und sie gerät in immer größere Schwierigkeiten, ihren Laden und ihre eigene Existenz zu sichern. Die extreme Armut und der unerbittliche Egoismus der anderen hindern sie daran, ihre guten Absichten umzusetzen.
Szene 3: Die Erfindung des Shui Ta
Überfordert von den Forderungen und der Ausbeutung ihrer Mitmenschen, erfindet Shen Te ein männliches Alter Ego: Shui Ta. In Männerkleidung und mit einem strengen Auftreten tritt sie als ihr eigener Cousin auf. Shui Ta ist rücksichtslos, geschäftstüchtig und hart, um den Laden vor dem Ruin zu bewahren. Durch Shui Ta kann Shen Te ihr Geschäft erfolgreich führen und sich gegen die Ausbeutung verteidigen.
Szene 4: Shen Te und Yang Sun
Shen Te verliebt sich in Yang Sun, einen arbeitslosen Flieger, der sie ausnutzt. Yang Sun ist bereit, sich zu erhängen, um seine Mutter zu retten. Shen Te, beeindruckt von seinem vermeintlichen Leid, bietet ihm an, ihm zu helfen. Er lügt sie an und gibt vor, sie zu lieben, um an Geld zu kommen. Er plant, das Geld zu nutzen, um eine Stelle als Pilot in Peking zu kaufen. Shen Te ist blind vor Liebe und bereit, alles für ihn zu tun, selbst wenn es ihre Existenz gefährdet.
Szene 5: Shui Ta als Retter
Als Shen Te kurz davor steht, alles zu verlieren, tritt Shui Ta wieder in Erscheinung. Er übernimmt die Kontrolle über den Tabakladen und führt ihn mit harter Hand. Shui Ta entlässt unproduktive Mitarbeiter und maximiert den Gewinn. Die Bevölkerung verachtet Shui Ta für seine Härte, ist aber gleichzeitig auf seine Entscheidungen angewiesen, um ihren eigenen Lebensunterhalt zu sichern. Shen Te ist gezwungen, immer wieder zwischen ihrer Rolle als gütige Frau und als harter Geschäftsmann zu wechseln.
Szene 6: Die Hochzeit und die Verhaftung Shui Tas
Shen Te plant, Yang Sun zu heiraten, obwohl sie weiß, dass er sie nicht liebt. Sie hofft, ihn durch ihre Güte zu einem besseren Menschen zu machen. Am Hochzeitstag kommt Yang Sun jedoch nicht. Shen Te, verzweifelt und schwanger, muss erkennen, dass Yang Sun sie weiterhin ausnutzt. Die Bevölkerung, die Shui Ta verdächtigt, Shen Te getötet zu haben, fordert seine Verhaftung. Die Götter kehren zurück, um die Situation zu beurteilen.
Szene 7: Die Verhandlung und die Enthüllung
Shui Ta wird vor Gericht gestellt. Die drei Götter, verkleidet als Richter, leiten die Verhandlung. Schließlich gesteht Shui Ta, in Wahrheit Shen Te zu sein. Sie erklärt, dass sie gezwungen war, die Rolle des Shui Ta anzunehmen, um in der harten Realität von Sezuan zu überleben und ihre Güte zu bewahren. Die Götter sind ratlos. Sie sind enttäuscht, dass Shen Te nicht in der Lage war, ohne die Hilfe eines rücksichtslosen Alter Ego gut zu sein.
Szene 8: Die Suche nach einer Lösung
Shen Te bittet die Götter um Rat. Sie ist verzweifelt und weiß nicht, wie sie gleichzeitig gut sein und überleben kann. Die Götter sind jedoch nicht in der Lage, ihr eine klare Antwort zu geben. Sie sind selbst mit der Komplexität der menschlichen Natur und den widersprüchlichen Anforderungen des Lebens überfordert. Sie schweben davon und hinterlassen Shen Te in ihrer Not. Die Frage, wie man in einer ungerechten Welt gut sein kann, bleibt unbeantwortet.
Epilog
Das Stück endet mit einem Epilog, in dem der Schauspieler das Publikum direkt anspricht. Er fordert die Zuschauer auf, selbst über die Lösung des Problems nachzudenken. Das Publikum soll selbst darüber nachdenken, wie ein guter Mensch in einer schlechten Welt leben kann und wie eine gerechtere Gesellschaft geschaffen werden kann. Brecht wollte nicht, dass das Publikum das Stück als reine Unterhaltung konsumiert, sondern als Anstoß zur Reflexion und zur Veränderung der Gesellschaft.
Charakteranalyse
- Shen Te: Die Protagonistin, eine Prostituierte, die von den Göttern auserwählt wird, ein guter Mensch zu sein. Sie ist gutherzig, hilfsbereit und naiv. Ihre Güte wird jedoch von ihrer Umgebung ausgenutzt, was sie zwingt, ein Alter Ego zu erschaffen.
- Shui Ta: Shen Tes männliches Alter Ego. Er ist rücksichtslos, geschäftstüchtig und hart. Durch Shui Ta kann Shen Te ihren Laden vor dem Ruin bewahren und sich gegen die Ausbeutung verteidigen.
- Die Götter: Drei Gottheiten, die auf die Erde kommen, um einen guten Menschen zu finden. Sie sind naiv und unrealistisch in ihren Erwartungen. Sie sind nicht in der Lage, Shen Te eine praktische Lösung für ihre Probleme zu bieten.
- Yang Sun: Ein arbeitsloser Flieger, der Shen Te ausnutzt. Er ist egoistisch, lügnerisch und skrupellos. Er repräsentiert die Ausbeutung und den Opportunismus, die in der kapitalistischen Gesellschaft herrschen.
- Wang: Ein Wasserverkäufer, der als Vermittler zwischen den Göttern und den Menschen dient. Er ist Zeuge der Notlage der Bevölkerung von Sezuan und der Schwierigkeiten, gut zu sein.
Thematische Schwerpunkte
- Die Schwierigkeit, in einer ungerechten Welt gut zu sein: Das zentrale Thema des Stücks ist die Frage, wie man in einer Welt, die von Armut, Ausbeutung und Egoismus geprägt ist, gut sein kann. Shen Te wird durch ihre Güte immer wieder in Schwierigkeiten gebracht und gezwungen, ein Alter Ego zu erschaffen, um zu überleben.
- Die Kritik am Kapitalismus: Das Stück kritisiert die kapitalistische Gesellschaft, in der Profit über Moral gestellt wird. Die Armut und die Notlage der Bevölkerung von Sezuan sind die Folge eines Systems, das auf Ausbeutung und Konkurrenz basiert.
- Die Rolle der Religion: Die Götter repräsentieren eine idealisierte Vorstellung von Güte, die in der Realität nicht umsetzbar ist. Sie sind nicht in der Lage, Shen Te zu helfen, ihre moralischen Dilemmata zu lösen.
- Die Ambivalenz der menschlichen Natur: Das Stück zeigt, dass der Mensch sowohl zu Gutem als auch zu Bösem fähig ist. Shen Te ist sowohl gütig als auch rücksichtslos, je nachdem, welche Rolle sie gerade einnimmt.
Bedeutung des Stücks
Der Gute Mensch von Sezuan ist ein bedeutendes Werk des epischen Theaters, das bis heute relevant ist. Das Stück regt dazu an, über die ethischen Herausforderungen unserer Gesellschaft nachzudenken und nach Wegen zu suchen, eine gerechtere Welt zu schaffen. Es ist ein Appell an die Menschlichkeit und an die Verantwortung jedes Einzelnen, sich für das Gute einzusetzen.
Das Werk ist besonders für Expats und Neuankömmlinge relevant, da es einen Einblick in die potenziellen moralischen Dilemmata bietet, denen man in einer neuen Umgebung begegnen kann. Es verdeutlicht, dass die Anpassung an ein neues System oft Kompromisse erfordert, und regt dazu an, die eigenen Werte und Handlungen kritisch zu hinterfragen.
Das Stück fordert dazu auf, die gesellschaftlichen Strukturen zu hinterfragen, die es schwierig machen, gut zu sein. Es ist ein Aufruf zu sozialem Engagement und zur Veränderung der Welt, um eine Umgebung zu schaffen, in der Güte nicht bestraft, sondern gefördert wird. Es ist eine Erinnerung daran, dass die Suche nach dem "guten Menschen" eine kollektive Aufgabe ist.
