Der Herr Der Diebe Buch
Erich Kästners Emil und die Detektive mag den Grundstein für die deutsche Kinder- und Jugendliteratur des 20. Jahrhunderts gelegt haben, doch Cornelia Funkes Tintenherz-Trilogie und vor allem Der Herr der Diebe haben dieser Gattung ein neues, internationales Renommee verliehen. Während Tintenherz mit seiner metafiktionalen Ebene eher ein literarisches Spiel für ältere Leser ist, überzeugt Der Herr der Diebe durch seine atmosphärische Dichte, seine vielschichtigen Charaktere und die zeitlose Thematik von Freundschaft, Verlust und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Eine Ausstellung, die sich diesem Werk widmet, bietet daher immense Möglichkeiten, Lesern jeden Alters die Faszination des Buches auf vielfältige Weise näherzubringen.
Ausstellungskonzept: Venedig im Herzen der Ausstellung
Der Schlüssel zu einer gelungenen Der Herr der Diebe-Ausstellung liegt in der authentischen Darstellung Venedigs. Die Stadt selbst ist mehr als nur Kulisse; sie ist ein lebendiger Protagonist, der die Handlung und die Charaktere maßgeblich prägt. Daher sollte die Ausstellung versuchen, die Atmosphäre Venedigs so authentisch wie möglich wiederzugeben. Dies kann durch großformatige Fotografien, Modelle der typischen venezianischen Architektur (Brücken, Kanäle, Palazzi) und vor allem durch die gezielte Verwendung von Licht und Klang erreicht werden. Gondelgeräusche, das Rauschen des Wassers, italienische Musik – all dies trägt dazu bei, dass Besucher in die Welt von Scipio und seinen Gefährten eintauchen.
Exponate und ihre Bedeutung
Die Exponate sollten sich thematisch an den zentralen Elementen der Geschichte orientieren:
- Die Basilika San Marco und der Markusplatz: Ein detailliertes Modell der Basilika, eventuell mit interaktiven Elementen, die es Besuchern ermöglichen, die Architektur und die Geschichte des Gebäudes zu erkunden. Ergänzend dazu können historische Karten und Stiche des Markusplatzes ausgestellt werden, um die Entwicklung des Ortes über die Jahrhunderte zu veranschaulichen.
- Das Versteck der Kinder, der Sternenpalast: Ein nachgebauter Teil des Sternenpalastes, der die verwinkelten Gänge und die heimelige Atmosphäre des Ortes vermittelt. Hier könnten auch Requisiten aus dem Film Der Herr der Diebe (sofern verfügbar) oder Repliken wichtiger Gegenstände aus dem Buch ausgestellt werden, wie z.B. die Masken der Kinder oder die Spielsachen.
- Der Flügel des Löwen: Die magische Bedeutung des Flügels sollte durch eine eindrucksvolle Installation hervorgehoben werden. Denkbar wäre eine Projektion, die den Flügel in Bewegung zeigt, oder eine interaktive Station, an der Besucher mehr über die Legenden und Mythen erfahren, die sich um geflügelte Löwen ranken.
- Die Masken: Eine Vitrine mit verschiedenen venezianischen Masken, von den klassischen Bauta-Masken bis hin zu den fantasievollen Kreationen der Kinder. Erläuterungen zur Geschichte und Bedeutung der Masken im venezianischen Karneval sowie in der Commedia dell'arte sollten nicht fehlen.
- Die Karussellmaschine: Ein (Miniatur-)Modell der Karussellmaschine, die die Kinder in die Vergangenheit oder Zukunft befördert. Die Funktionsweise der Maschine könnte durch eine animierte Grafik oder eine interaktive Simulation erklärt werden.
Neben den materiellen Exponaten sollten auch immaterielle Elemente eine wichtige Rolle spielen. Zitate aus dem Buch, auf großflächige Banner gedruckt oder als Audioinstallationen präsentiert, können die Atmosphäre der Ausstellung zusätzlich verdichten. Interviews mit Cornelia Funke oder den Schauspielern des Films könnten ebenfalls in die Ausstellung integriert werden.
Pädagogischer Mehrwert: Mehr als nur Unterhaltung
Eine Der Herr der Diebe-Ausstellung bietet ein breites Spektrum an pädagogischen Möglichkeiten. Sie kann dazu beitragen, das Interesse an Literatur, Geschichte, Kunst und Kultur zu wecken und zu vertiefen.
Thematische Schwerpunkte
- Venedig als historischer und kultureller Schmelztiegel: Die Ausstellung kann die Besucher auf eine Reise durch die Geschichte Venedigs mitnehmen, von den Anfängen als Lagunenstadt bis zur Blütezeit als Handelsmetropole. Dabei sollten auch die Schattenseiten der venezianischen Geschichte, wie die Sklaverei oder die politischen Intrigen, nicht ausgeblendet werden.
- Die Bedeutung von Freundschaft und Zusammenhalt: Der Herr der Diebe ist eine Geschichte über Kinder, die in einer schwierigen Situation zusammenhalten und füreinander einstehen. Die Ausstellung kann diese Thematik aufgreifen und die Besucher dazu anregen, über die Bedeutung von Freundschaft, Solidarität und Verantwortungsbewusstsein nachzudenken.
- Kindheit und Erwachsensein: Das Buch thematisiert den Übergang von der Kindheit zum Erwachsensein und die damit verbundenen Herausforderungen. Die Ausstellung kann diese Thematik aufgreifen und die Besucher dazu anregen, über ihre eigenen Erfahrungen mit dem Erwachsenwerden nachzudenken.
- Die Auseinandersetzung mit Verlust und Tod: Auch die Themen Verlust und Tod spielen in Der Herr der Diebe eine Rolle. Die Ausstellung kann diese Thematik auf sensible Weise aufgreifen und den Besuchern Raum geben, ihre eigenen Gefühle zu reflektieren.
Interaktive Lernangebote
Um den pädagogischen Mehrwert der Ausstellung zu erhöhen, sollten interaktive Lernangebote integriert werden:
- Workshops für Kinder und Jugendliche: In den Workshops können die Teilnehmer beispielsweise venezianische Masken basteln, eigene Geschichten schreiben oder sich mit der Geschichte Venedigs auseinandersetzen.
- Quiz und Rätsel: Ein interaktives Quiz oder ein spannendes Rätselspiel kann das Wissen der Besucher über das Buch und Venedig testen und vertiefen.
- Audio-Guides: Ein Audio-Guide, der in verschiedenen Sprachen verfügbar ist, kann den Besuchern zusätzliche Informationen zu den Exponaten und den thematischen Schwerpunkten der Ausstellung liefern.
- Online-Ressourcen: Eine begleitende Website mit weiterführenden Informationen, Arbeitsblättern und interaktiven Übungen kann den Besuchern auch nach dem Besuch der Ausstellung noch einen Mehrwert bieten.
Besucherfreundlichkeit und Zugänglichkeit: Ein Erlebnis für alle
Eine gelungene Ausstellung zeichnet sich nicht nur durch ihren Inhalt, sondern auch durch ihre Besucherfreundlichkeit und Zugänglichkeit aus. Es ist wichtig, dass sich Besucher jeden Alters und mit unterschiedlichen Hintergründen in der Ausstellung wohlfühlen und die Möglichkeit haben, die Inhalte auf ihre eigene Weise zu erkunden.
Barrierefreiheit
Die Ausstellung sollte barrierefrei gestaltet sein, so dass auch Menschen mit Behinderungen problemlos Zugang zu allen Bereichen haben. Dies umfasst unter anderem:
- Rampen oder Aufzüge für Rollstuhlfahrer
- Tastmodelle für sehbehinderte Menschen
- Audioguides mit Untertiteln für hörgeschädigte Menschen
- Beschilderung in Braille-Schrift
Sprachliche Vielfalt
Die Ausstellung sollte in mehreren Sprachen zugänglich sein, um auch internationale Besucher anzusprechen. Dies betrifft nicht nur die Beschilderung und die Audioguides, sondern auch die interaktiven Lernangebote.
Altersgerechte Angebote
Die Ausstellung sollte altersgerechte Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene bieten. Dies kann durch unterschiedliche Schwierigkeitsgrade bei den interaktiven Lernangeboten oder durch spezielle Führungen für Kinder erreicht werden.
Attraktive Gestaltung
Die Gestaltung der Ausstellung sollte ansprechend und einladend sein. Dies umfasst nicht nur die Wahl der Exponate, sondern auch die Gestaltung des Raumes, die Beleuchtung und die Beschilderung. Eine kindgerechte Gestaltung mit bunten Farben und verspielten Elementen kann insbesondere bei jüngeren Besuchern das Interesse wecken.
Fazit
Eine Ausstellung zu Der Herr der Diebe bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Faszination des Buches auf vielfältige Weise zu erleben. Durch eine authentische Darstellung Venedigs, thematisch relevante Exponate, pädagogisch wertvolle Angebote und eine hohe Besucherfreundlichkeit kann die Ausstellung zu einem unvergesslichen Erlebnis für Leser jeden Alters werden und einen wertvollen Beitrag zur Vermittlung von Literatur, Geschichte und Kultur leisten. Indem sie die magische Welt von Scipio und seinen Gefährten zum Leben erweckt, kann sie Leser aller Generationen inspirieren und die Freude am Lesen fördern.
