Der Junge Im Gestreiften Pyjama Charakterisierung Vater
Also, lasst uns über Väter reden, oder? Väter in Filmen und Büchern sind oft... nun ja, kompliziert. Und wenn wir über komplizierte Väter reden, müssen wir über den Vater in Der Junge im gestreiften Pyjama sprechen. Achtung Spoiler voraus!
Ein Vater zwischen Karriere und Familie
Der Vater, oh Mann, wo fangen wir an? Sein Name ist Ralf (im Film: Commandant). Er ist kein Bäcker, kein Lehrer, sondern ein hochrangiger Offizier im Zweiten Weltkrieg. Das ist schon mal eine ziemlich wichtige Information. Er ist kein "normaler" Vater, der Sonntagsbraten macht und mit seinen Kindern im Park spielt. Er ist... beschäftigt. Sehr, sehr beschäftigt. Mit sehr, sehr wichtigen (und schrecklichen) Dingen.
Der Karriere-Papa
Ralf ist total auf seine Karriere fixiert. Er will erfolgreich sein, er will befördert werden, er will dem Land dienen! Er ist so fokussiert, dass er manchmal vergisst, dass er eine Familie hat. Stell dir vor, dein Vater ist so mit seinem Job beschäftigt, dass er vergisst, dir zum Geburtstag zu gratulieren. Nicht ganz so krass wie Ralfs Situation, aber ihr versteht, worauf ich hinaus will.
Er bekommt einen neuen "Job", der ihn und seine Familie in eine ländliche Gegend namens "Out-With" (im Film "Auschwitz") verfrachtet. Natürlich fragt er nicht seine Kinder, ob sie umziehen wollen. Nein, er sagt einfach: "Wir ziehen um!" Kinder haben da ja eh keine Meinung, nicht wahr? (Augenzwinker)
Blind für die Realität?
Das ist der springende Punkt. Ralf ist so überzeugt von dem, was er tut, dass er blind für die Realität um ihn herum ist. Er glaubt, dass er das Richtige tut, dass er seinem Land dient. Er sieht nicht das Leid und die Ungerechtigkeit, die er verursacht. Er ist wie jemand, der mit Scheuklappen durch die Welt läuft und nur das sieht, was er sehen will.
Seine Frau, Elsa, fängt irgendwann an, Fragen zu stellen. Sie spürt, dass etwas nicht stimmt. Aber Ralf wiegelt ab. Er will keine Diskussionen. Er will, dass alle gehorchen und ihre Pflicht tun. Er ist der Chef, und was er sagt, gilt. Er ist wie der typische Chef, der keine Kritik hören will, egal wie berechtigt sie ist.
Ein Vater-Sohn-Konflikt
Sein Sohn Bruno ist das genaue Gegenteil von ihm. Bruno ist neugierig, unschuldig und voller Mitgefühl. Er versteht nicht, was sein Vater tut. Er versteht nicht, warum die Menschen in den gestreiften Pyjamas so traurig aussehen. Er versteht nicht, warum sein Vater so streng ist.
Bruno wird Freundschaft mit Schmuel, einem Jungen im Lager, schließen, und das ist natürlich ein absolutes No-Go für Ralf. Der Gedanke daran, dass sein Sohn mit "solchen" Leuten befreundet ist, ist für ihn unerträglich. Er versucht, Bruno zu erziehen, ihm seine Ideologie einzutrichtern. Aber Bruno ist stur. Er glaubt an das Gute im Menschen, egal woher er kommt.
Das tragische Ende
Das Ende der Geschichte ist natürlich super traurig. Bruno schleicht sich in das Lager, um Schmuel zu suchen, und wird zusammen mit den anderen Gefangenen in einer Gaskammer getötet. Ralf realisiert erst dann, was er angerichtet hat. Zu spät. Seine Karriere, seine Ideologie, alles war umsonst. Er hat seinen Sohn verloren, und er hat sich schuldig gemacht am Tod von unzähligen Menschen.
Ralf ist also kein Held. Er ist ein tragischer Charakter. Ein Vater, der seine Familie und seine Menschlichkeit für seine Karriere geopfert hat. Ein Mann, der blind war für das Leid um ihn herum. Ein Mann, der am Ende alles verloren hat. Er ist wie ein mahnendes Beispiel dafür, was passiert, wenn man seine Werte verrät.
Also, das nächste Mal, wenn ihr euren Vater nervt, weil er euch zum Aufräumen zwingt, denkt daran: Es könnte schlimmer sein. Euer Vater könnte Kommandant Ralf sein.
