Die 7 Größten Lügen Der Geschichte
Willkommen, liebe Reisende und Geschichtsinteressierte! Ob Sie nun Berlin erkunden, durch Bayern wandern oder einfach nur die deutsche Kultur aufsaugen – es ist immer spannend, hinter die Kulissen zu blicken. Geschichte ist selten so schwarz-weiß, wie sie in Schulbüchern dargestellt wird. Manchmal werden Fakten verdreht, Mythen erschaffen oder ganze Ereignisse schlichtweg falsch interpretiert. Lassen Sie uns gemeinsam einige der größten Geschichtslügen aufdecken, die hartnäckig im kollektiven Gedächtnis haften geblieben sind.
1. "Nero spielte Geige, als Rom brannte"
Diese Vorstellung ist ikonisch: Kaiser Nero, der in aller Seelenruhe musiziert, während seine Hauptstadt in Flammen aufgeht. Doch die Wahrheit ist viel komplexer und weniger theatralisch. Erstens: Die Geige, wie wir sie heute kennen, existierte zur Zeit Neros noch nicht. Das Instrument, das ihm zugeschrieben wird, war vermutlich eine Lyra oder ein anderes Saiteninstrument. Zweitens: Es gibt keine zeitgenössischen Berichte, die belegen, dass Nero überhaupt in Rom war, als der verheerende Brand im Jahr 64 n. Chr. wütete. Tatsächlich kursieren Gerüchte, dass er sogar Soforthilfe organisierte und die Stadt für die obdachlos gewordenen Bürger wiederaufbauen ließ.
Warum hält sich diese Lüge dann so hartnäckig? Nun, Nero war ein umstrittener Herrscher, der viele Feinde hatte. Nach seinem Tod wurden zahlreiche negative Gerüchte und Propagandakampagnen gegen ihn ins Leben gerufen, um sein Andenken zu beschmutzen. Die Geschichte vom geigenden Nero ist also eher ein Produkt politischer Intrigen als historischer Fakt.
2. "Marie Antoinette sagte: 'Sollen sie doch Kuchen essen!'"
Dieser Satz, der Marie Antoinette, der französischen Königin, zugeschrieben wird, verkörpert das Bild einer dekadenten und empathielosen Aristokratin. Angeblich soll sie diesen Ausspruch getan haben, als sie erfuhr, dass das Volk kein Brot mehr hatte. Doch auch hier gibt es keine Beweise dafür, dass Marie Antoinette diese Worte jemals gesagt hat.
Tatsächlich findet sich ein ähnlicher Ausspruch bereits in früheren Schriften, lange bevor Marie Antoinette überhaupt Königin wurde. Es ist also wahrscheinlich, dass dieser Satz einer anderen Person zugeschrieben wurde und im Laufe der Zeit fälschlicherweise Marie Antoinette zugeschrieben wurde, um ihre bereits schlechte Reputation weiter zu beschädigen. Die Französische Revolution war eine Zeit der Umwälzungen und der Propaganda, und Marie Antoinette wurde oft als Sündenbock für die Probleme des Landes dargestellt.
3. "Kolumbus entdeckte Amerika"
Diese Aussage ist zwar weit verbreitet, aber sie ist historisch ungenau. Erstens: Leif Eriksson, ein isländischer Entdecker, erreichte Nordamerika bereits etwa 500 Jahre vor Kolumbus. Zweitens: Vor Kolumbus lebten bereits Millionen von Menschen in Amerika – indigene Völker, die ihre eigenen komplexen Kulturen und Zivilisationen entwickelt hatten. Kolumbus' "Entdeckung" ist also eher ein europäischer Blickwinkel auf ein bereits besiedeltes Land.
Warum wird Kolumbus dann immer noch als "Entdecker Amerikas" gefeiert? Das liegt vor allem an der Bedeutung seiner Reise für die europäische Kolonialisierung des Kontinents. Kolumbus' Reise eröffnete den Europäern den Weg nach Amerika und führte zu einem Austausch von Gütern, Ideen und Kulturen – aber auch zu Krieg, Versklavung und der Ausbeutung der indigenen Bevölkerung. Es ist wichtig, die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und die Auswirkungen der europäischen Kolonialisierung auf die Ureinwohner Amerikas anzuerkennen.
4. "Napoleon war kleinwüchsig"
Das Bild von Napoleon Bonaparte als einem kleinen, machtgierigen Mann ist weit verbreitet. Doch die Wahrheit ist, dass Napoleon gar nicht so klein war, wie viele glauben. Er war etwa 1,68 Meter groß, was für die damalige Zeit durchaus durchschnittlich war. Der Mythos von Napoleons geringer Größe entstand wahrscheinlich durch Verwechslungen mit französischen Maßeinheiten und durch britische Propaganda, die ihn als lächerliche Figur darstellen wollte.
Trotz seiner tatsächlichen Größe wird Napoleon oft als Inbegriff des "Napoleon-Komplexes" dargestellt, bei dem kleine Männer angeblich versuchen, ihre geringe Körpergröße durch Aggressivität und Machtstreben zu kompensieren. Diese Vorstellung hat sich tief in unserer Kultur verankert, obwohl sie historisch unbegründet ist.
5. "Die Chinesische Mauer ist das einzige von Menschenhand geschaffene Objekt, das vom Mond aus sichtbar ist"
Diese Behauptung ist ein Klassiker, aber sie ist schlichtweg falsch. Die Chinesische Mauer ist zwar ein beeindruckendes Bauwerk, aber sie ist bei weitem nicht das einzige von Menschenhand geschaffene Objekt, das vom Mond aus sichtbar ist – tatsächlich ist sie überhaupt nicht vom Mond aus sichtbar. Astronauten haben berichtet, dass sie die Mauer von der Erdumlaufbahn aus unter bestimmten Bedingungen erkennen können, aber vom Mond aus ist sie zu schmal, um mit bloßem Auge sichtbar zu sein.
Woher kommt diese Legende? Wahrscheinlich aus dem Wunsch, die Einzigartigkeit und die Größe der Chinesischen Mauer hervorzuheben. Es ist ein schönes Bild, aber es entspricht leider nicht der Realität.
6. "Salieri vergiftete Mozart"
Diese tragische Geschichte, die vor allem durch Peter Shaffers Theaterstück und den Film "Amadeus" populär wurde, besagt, dass Antonio Salieri, ein italienischer Komponist, eifersüchtig auf Mozarts Talent war und ihn deshalb vergiftete. Doch auch hier gibt es keine Beweise dafür. Es gab zwar Rivalitäten zwischen den beiden Komponisten, aber es gibt keine Hinweise darauf, dass Salieri Mozart ermordet hat. Mozarts Tod ist bis heute ein Rätsel, aber die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass er an einer Krankheit gestorben ist.
Warum hält sich diese Geschichte dann so hartnäckig? Sie ist dramatisch, sie bietet einen klaren Konflikt zwischen Gut und Böse, und sie ist einfach zu merken. Leider ist sie auch eine Verleumdung von Salieri, der zu Lebzeiten ein angesehener Komponist war und durch diese Legende in ein negatives Licht gerückt wurde.
7. "Die USA gewannen den Vietnamkrieg"
Diese Aussage ist in vielerlei Hinsicht problematisch. Zum einen ist es wichtig zu definieren, was "gewinnen" in einem Krieg bedeutet. Zum anderen ignoriert diese Aussage die immense menschliche Tragödie, die sich in Vietnam ereignet hat, und die komplexen politischen und ideologischen Hintergründe des Konflikts. Fakt ist, dass die USA ihre militärischen und politischen Ziele in Vietnam nicht erreicht haben. Die nordvietnamesischen Truppen eroberten Saigon im Jahr 1975, was zur Wiedervereinigung Vietnams unter kommunistischer Herrschaft führte. Man kann argumentieren, dass die USA den Krieg militärisch nicht verloren haben (da sie viele Schlachten gewannen), aber sie haben ihn politisch und ideologisch verloren.
Die Lehren aus dem Vietnamkrieg sind komplex und vielfältig, und es ist wichtig, die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, um die Auswirkungen des Konflikts auf Vietnam, die USA und die Welt besser zu verstehen. Die pauschale Aussage "Die USA gewannen den Vietnamkrieg" ist daher eine Vereinfachung, die der Realität nicht gerecht wird.
Ich hoffe, diese kleine Reise durch einige der größten Geschichtslügen hat Ihnen gefallen und Ihren Blick auf die Vergangenheit geschärft. Denken Sie daran, Geschichte ist immer interpretierbar und es lohnt sich, kritisch zu hinterfragen und verschiedene Perspektiven einzunehmen. Viel Spaß beim Entdecken!
